Unnützes Wissen - Der Bodensee #1
Erstveröffentlicht am 16.11.16 in Saschas Fanforum - Überarbeitung 20.07.21
Der Bodensee ist Deutschlands größter See. Kritiker sagen zwar die Müritz wäre der größte deutsche See, dies stimmt aber nur bedingt. Ja, die Müritz ist mit einer Fläche von 112,6 km² der größte innerdeutsche See. Aber selbst wenn man die Gesamtfläche des Bodensee von 536 km² unrealistisch durch drei teilt läge der deutsche Anteil immer noch bei 178,67 km², ist also eindeutig größer. Man kann es aber auch globaler sehen und sagen der Bodensee ist flächenmäßig nach Plattensee (594) und Genfer See (580 km²) der drittgrößte und gemessen am Wasservolumen (48,5 km³) nach dem Genfer See (89 km³) der zweitgrößte See Mitteleuropas. Die größte Ausdehnung hat er zwischen Bregenz (A) und Stein am Rhein (CH) mit 69,2 km, die tiefste Stelle, je nach Quelle (in Wikipedia sind beide Angaben vorhanden), zwischen 251,14 und 254 Metern liegt südlich von Immenstaad und das Gesamteinzugsgebiet umfaßt 11.500 km² und reicht im Süden bis auf Italienisches Staatsgebiet.
Hydrologisch (Wasserwissenschaftlich) gesehen besteht das, was wir als Bodensee bezeichnen, aus drei getrennt voneinander zu sehenden Gewässern nämlich dem eigentlichen Bodensee (von uns als Obersee bezeichnet), dem Untersee und dem Seerhein als verbindenden Fluss.
Am Obersee haben Österreich, die Schweiz und Deutschland Anteil, als eine der Besonderheiten kann nicht gesagt werden, welches Land wieviel Anteil hat, da im Obersee nie ein genauer Grenzverlauf festgelegt wurde. Der Grenzverlauf im Untersee zwischen der Schweiz und Deutschland wurde dagegen exakt festgelegt.
Der Bodensee entstand durch die Würm-Eiszeit (115.000 bis vor ca. 10.000 Jahren) während der der Rheingletscher die jetzigen Bodenseebecken formte. Die größte Ausdehnung des Rheingletschers reichte vermutlich bis nach Schaffhausen am Rheinfall. Wie alle durch Gletscherzungen entstandenen Seen wird der Bodensee im Laufe der Zeit durch Sedimentation der Zuflüsse verlanden, in der Bregenzer Bucht wird dies in einem Zeitraum von "einigen Jahrhunderten" geschehen, für den gesamten Bodensee wird ein Zeitraum von zehn- bis zwanzigtausend Jahren geschätzt. Insgesamt wird der See von 236 Zuflüssen gespeist, wobei der Anteil der 10 größten Zuflüsse bei 89,6 % liegt.
Der Rhein durchfließt den See auf einer recht konstanten Bahn und mit sehr wenig Wasseraustausch mit dem restlichen See.
Auch ein wenig kompliziert ist die Namensentwicklung. So trugen Ober- und Untersee in der Antike noch unterschiedliche Namen, vermutlich kam durch den Naturforscher "Plinius der Ältere" um 75 n.Chr. mit "Lacus Raetiae Brigantinus", nach dem damaligen römischen Hauport Brigantium (Bregenz), der erste gemeinsame Name auf. Der heute gebräuchliche Name Bodensee, welcher sich von der Ortschaft Bodman, welche im frühen Mittelalter als fränkische Königspfalz, alemannischer Herzogssitz und Münzstätte überregionale Bedeutung hatte, ableitet, ist in lateinischer Form in Schriften von 833/834 n.Chr. bezeugt.
Der im englischen und französischen Sprachraum übliche Begriff "Lake Constance" (engl.) bzw. "Lac de Constance" (frz.) entwickelte sich dagegen im 15 Jhd. nach dem Konstanzer Konzil im romanischen Sprachraum.
Als Trivia gibt es noch die Bezeichnung "Schwäbisches Meer", welche ausschließlich bei geschichtlicher Sichtweise richtig ist. Dieser Begriff kommt unter anderem daher, das der Bodensee von 911 bis 1268 durch die damalige Ausdehnung des Herzogtums Schwaben in Teile von Bayern, Österreich, der Schweiz und Badens hinein wirklich komplett schwäbisch war. Würde man diese Namensgebung auf heutige Verhältnisse übertragen, wäre es eher das Badische Meer, schließlich haben wir von allen Anrainern die längste Uferlinie, also den größten Anteil am See ![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Während des römischen Alpenfeldzugs 16/15 v.Chr. soll es zu einer Seeschlacht auf dem Bodensee gekommen sein. Dies ist aber nicht sicher nachweisbar. Sicher gab es dagegen während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1632 und 1648 auch einen Seekrieg auf dem Bodensee. Schon damals verhielt sich die "Alte Eidgenossenschaft", also die heutige Schweiz, neutral.
Der Bodensee ist für die Anrainerstaaten ein wichtiger Trinkwasserspeicher. Etwa 4,5 Millionen Menschen werden mit dem dem Bodensee entnommenen Wasser mit Trinkwasser versorgt. Insgesamt entnehmen 17 Wasserwerke Wasser, der Löwenanteil (75 %) entfällt hierbei auf den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) mit Sitz in Stuttgart. Von der BWV werden ca. 4 Millionen Menschen in großen Teilen Baden-Württembergs mit Trinkwasser versorgt. Die wahrscheinlich weiteste Entfernung wird hierbei bis Bad Mergentheim, ganz im Norden von BW (südlich von Würzburg) überwunden. Die jährlich entnommene Wassermenge (ca. 180 Mio. Kubikmeter) liegt damit aber immer noch unter der Verdungstungsmenge (ca. 290 Mio. Kubikmeter). Nahezu ausgeglichen werden Entnahme und Verdunstung durch die durchschnittliche jährliche Regenwassermenge die auf die Fläche des Sees niedergeht (450 Mio. Kubikmeter).