Eintrag #25, 14.03.2006, 23:33 Uhr

Tyskundervisning2

Eine kleine Muschel lebte mit vielen anderen im Ozean. Sie war glücklich und
fand ihr Leben herrlich.
Eines Tages beim Spielen geriet ein großes, kantiges Sandkorn in ihren
Kalkpanzer. Sie rieb und rieb, aber das Sandkorn ließ sich nicht entfernen.
Umso mehr sich die kleine Muschel wehrte, umso schlimmer wurden die
Schmerzen. Bald hatte das Sandkorn eine große Wunde verursacht und die
kleine Muschel wurde immer trauriger und stiller. Sie weinte, wenn es
niemand sehen konnte und zog sich immer mehr zurück. Der Schmerz, gegen
den sich die Muschel immer noch auflehnte, wurde so arg, dass sie sich in einer
Ecke versteckte und nicht mehr bereit war, herauszukommen. Sie war nur noch
niedergeschlagen und sah keinen Sinn mehr in ihrem Leben.
Eines Tages kam eine große, alte Muschel an ihr vorbei und sah, wie traurig
die kleine war. "Was ist mit dir?", fragte die große Muschel. Die kleine
Muschel erzählte ihr Unglück: "Ich kann nichts mehr essen, ich will nicht
mehr spielen und ich kann auch nicht mehr lachen." "Ja", meinte die alte
Muschel, "das machen alle mal durch. Du musst versuchen, mit dem Schmerz zu
leben. Jeder von uns wird im Leben verletzt, der eine hat es leichter damit,
der andere sehr schwer. Aber wenn du den Schmerz zulässt, wenn du trotz des
Schmerzes lebst, spielst, mit uns in den Wellen tanzt und heiter bist, wirst
du ihn überwinden können." Die kleine Muschel ließ sich überreden und ging
mit. Sie fing wieder an zu spielen, sie tanzte in den Wellen und sie ließ
sich auf dem Meeresboden nieder, um mit den anderen im Seegras verstecken zu
spielen. Manchmal ging sie noch an den Rand des Geschehens und vergoss ein
paar Tränen, aber mit der Zeit ging es ihr besser. Nach langer Zeit traf sie
die alte Muschel, die ihr damals geholfen hatte, wieder. "Wie geht es dir?",
fragte diese. Die kleine Muschel meinte: "Es ist nur noch ein Druck zu
spüren, der mich aber nicht mehr traurig macht." Die große Muschel meinte:
"Dann hat dein Sandkorn seine Kanten verloren und ist zur Perle geworden.
Perlen sind wertvoll, so wie unsere Erfahrungen es sind, aber sie tun nicht
mehr weh und man kann mit ihnen leben."
 
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