Eintrag #165, 31.01.2022, 14:18 Uhr

Schweinswale: Die heutigen Bombenopfer des 2. Weltkrieges

Zwischen September und November 2019 wurden an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins 24 Schweinswal-Kadaver angespült. Diese wurden in der Tierärztlichen Hochschule in Hannover untersucht. Das Ergebnis davon: Zehn der 24 Tiere sind an den Folgen ungeschützter Unterwassersprengungen gestorben.

Einige Wochen vor dem Auffinden der toten Tiere wurden vor Fehmarn 42 britische Fliegerbomben aus dem zweiten weltkrieg gesprengt. Schutzmaßnahmen gab es dabei keine, daher wurden die lärmempfindliche Schweinswale durch die Druckwellen an ihren Hörorganen geschädigt.

Die Verletzungen die zum Tod der Tiere führten gehen von Blutungen im Fettgewebe des Kopfes über krankhafte Auskugelungen und Frakturen der Mittelohrknochen bis zu Blutungen im akustischen Fett des Unterkiefers und des Gehörapparates.

In der Ostsee leben nur noch etwa 500 Schweinswale wollen wir diese wirklich durch solch vermeidbare Aktionen weiter gefährden, verletzen und sogar töten?

Vor Blindgängersprengungen an Land werden regelmäßig ganze Stadtteile, Krankenhäuser, Seniorenheime usw  evakuiert. Um die Schweinswale besser zu schützen wäre ähnliches unter Wasser auch machbar. Zum einen könnte man einen künstlich erzeugten Blasenschleier einsetzen um die Wucht der Detonation unter Wasser zu dämpfen. Eine andere Möglichkeit wären Vergrämungsmaßnahmen, also beispielsweise Geräusche die Schweinswale als unangenehm empfinden und deshalb diesen Bereich meiden.

Dass uns diese Problematik noch eine ganze Weile beschäftigen wird zeigen die folgenden Zahlen: laut Schätzungen liegen am Grund der Ostsee noch 1,6 Millionen Tonnen an Minen, Bomben, Torpedos und anderem Kriegsgerät!

Dabei leiden die Schweinswale nicht nur an den Sprengungen an sich, sondern auch an austretenden giftigen Chemikalien der korrodierten Munition.

Dies betrifft natürlich nicht nur die Schweinswalpopulation sondern auch andere Fische in der Ostsee.

Die Devise muss also lauten: Bergung der Weltkriegsmunition so schnell als möglich, und sollten Sprengungen notwendig sein, müssen Schutzmaßnahmen für die tierwelt getroffen werden!

 

Quelle: Artikel in den Schleswiger Nachrichten vom 31.01.2022 und eigene Recherchen.

 
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