Eintrag #265, 29.12.2009, 23:30 Uhr

Lagebestimmung (Teil 3)

Der Staat darf sich nicht mehr leihen, als er investiert? Na, toll! Das betrifft aber nur die Neuverschuldung, denn der Staat betreibt Wechselreiterei. Schulden der Vergangenheit werden nur in neue Schulden übergeführt, nicht abgetragen. Das Perpetuum Mobile funktioniert ganz einfach: Der Staat leiht sich Geld. Diese Schulden stehen bei den Kreditgebern als Guthaben in den Büchern. Diese Kreditgeber sind die Staatsbürger, also wiederum der Staat. Und weil die Bürger des Staates dank der Staatsschulden größere Guthaben aufweisen, ist der Staat reicher geworden und kann sich weiteres Geld leihen. Das Ergebnis ist ein Kartenhaus, riesenhaft aufgebläht, aber inhaltsleer und jederzeit vom Zusammenbruch bedroht.

Das Spiel, das Kartenhaus funktioniert nur, solange niemand sein Geld zurückfordert. Das Geld, das der Staat bekommt, verschwindet förmlich in einem schwarzen Loch. Den Beträgen im Schuldbuch stehen keinerlei Werte gegenüber, die mit diesem Geld geschaffen worden sind. Der Versuch, die Schulden zu vollstrecken, offenbart die ganze Substanzlosigkeit dieses Kartenhauses. Der Gläubiger des Staates ist zugleich der Bürge für diese Schulden. Die Hand, die Staatsschulden eintreiben möchte, greift durch den Nebel und landet in der eigenen Hosentasche.

Auf diesem Kartenhaus, auf dem Fundament dieses Luftballons, ruht unsere Wirtschaft. Sollte der Luftballon platzen, zerstört die Explosion alles, was auf diesem Ballon steht. Die 1,7 Billionen bundesdeutscher Staatsschulden sind nur ein Sandkörnchen im Trillionenmeer der Finanzderivate. Alles Geld der Steuerzahler reicht nicht aus, um die Banken zu retten, wenn diese Derivate hochgehen.

Dollar

Die grüne Krätze ist zu einem Ozean angewachsen, der wie das Weltmeer an alle Grenzen schwappt. Um es banal auszudrücken: Perlen sind wertvoll, weil sie selten und nicht beliebig erhältlich sind. Sandkörner sind wertlos, weil es sie in großen Mengen gibt und man überall ein paar Schaufeln voll einsacken kann. Der Dollar ist gerade dabei, vom Status der Perlen in den Status der Sandkörner überzugehen. Wobei dieser Schritt nur noch im Geist der Betrachter vollzogen werden muß, denn die Dollarmassen liegen längst überall herum. Aber selbst USA-Hasser, die terroristische Anschläge planen, lassen sich noch immer gerne in Dollars bezahlen.

Das Billionen-Defizit der US-Regierung läßt sich nur aus der Druckerpresse finanzieren. Damit wird noch mehr Sand in die Wüste getragen... Wie lange kann sich der Dollar noch als Weltleitwährung halten? Das US-Militär ist ausgeblutet, die Supermacht kann damit nicht mehr ihr Geld beschützen. Ein Imperium, dessen Geld seinen Wert verloren hat, ist kein Imperium mehr. Auf dem Höhepunkt seiner Macht hat Rom mit lauterem Gold und Silber bezahlt, im Niedergang waren die wertlosen Münzen gerade noch ein bißchen versilbert. Auf dem Höhepunkt des US-Imperiums war der Dollar gedrucktes Gold, heute ist er nur noch wertloses Papier.

Bricht der Dollar, bricht nicht nur die US-Macht zusammen, sondern auch der Welthandel. Ich habe weiter oben geschildert, daß wir alle am Ende einer Versorgungskette hängen. Diese Versorgungskette wird durch Geld geschmiert, derzeit noch durch Dollars. Dieses Geld läßt alles fließen, vom Öl bis zum Reiskorn. Wird das Schmiermittel zu Sand, bleibt das Getriebe stehen. Versorgungsmängel führen zu sozialen Unruhen... Mit nur 15 Millionen Migranten sind wir in der BRD noch gut bedient, in den USA sind Schwarze, Latinos und Asiaten längst in der Überzahl. Das patriotistische Getue, bei dem überall die Fahne hängt und bei jeder Gelegenheit die Hymne gesungen wird, schweißt Nationalitäten nicht zu einer Nation zusammen. Ein waffenstarrendes Land, das hungert, ist ein Pulverfaß für einen Bürgerkrieg.

Wird das schon 2010 passieren? Der Dollar ist höchst gefährdet, weil es zu viele davon gibt. Was die Weltwirtschaft befördert hat, ist zur grünen Krätze geworden, welche die Weltwirtschaft nach und nach zerstört. Alles, was die Handelsströme noch florieren läßt, ist der Glaube der Vergangenheit. Der Dollar ist wertvoll, solange die Menschen an seinen Wert glauben. Schwindet der Glaube, ist der Dollar erledigt. Wer als erster den Glauben verliert, kann mit seinen Dollars noch Sachwerte ergattern, wer bis zuletzt an den Dollar glaubt, verliert alles.
 
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