Eintrag #263, 29.12.2009, 23:24 Uhr

Lagebestimmung (Teil 1)

Die Frage, die sich an jedem Jahresende stellt, lautet: Stehen wir besser oder schlechter da als zu Jahresbeginn? In den letzten Jahren lautete die Antwort in gleichbleibender Langweiligkeit: Schlechter als zu Jahresbeginn, aber besser, als damals befürchtet. Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem jederzeit alles passieren kann. Jede Weltregion birgt ihre eigenen Gefahren und überall brennen die Lunten am Pulverfaß. Meine Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kanzleramt

Na, wie lange macht sie es noch? Frau Mißerfolg, Frau Mißlungen, die arbeitscheueste Kanzlerin der Welt? Ich weiß, es kommt laut Sprichwort nichts Besseres nach, aber selbst der CDU dürfte es schwer fallen, eine(n) noch Schlechtere(n) zu finden. Sicher, Seehofer stünde bereit, aber den brauchen wir dringend, um Bayern und die CSU zu ruinieren. Dabei konnte die CSU einstmals vor lauter Kraft kaum laufen und in der CDU traten sich die möglichen Kanzlerkandidaten gegenseitig die Füße platt.

Wer in der CDU könnte noch? Roland Koch kann froh sein, daß eine Frau Ypsilanti sich eingebildet hatte, ihr Kopf sei dicker, härter und dümmer als eine Mauer, und die Mauer würde als die Klügere schließlich nachgeben. Dieter Althaus hat sich beim Skifahren aus dem Rennen geworfen, Peter Müller sich nach Jamaika gebracht und Ole von Beust liegt mit den Grünen im Bett. Da bleiben nur zwei Namen im Topf: Jürgen Rüttgers und Christian Wulff. Den einen braucht die CDU dringend, um die Bundesratsmehrheit und die Regentschaft in Nordrhein-Westfalen zu erhalten. Ständige Wechsel in NRW sind ungesund, das mußte schon die SPD feststellen. Rüttgers ist damit draußen, denn wenn er gewinnt, muß er NRW für die CDU halten, verliert er, darf er vielleicht Minister, aber keinesfalls Bundeskanzler werden. Bleibt also nur Wulff.

Wer löst den Kanzlersturz aus? Mit Sicherheit nicht die CSU, denn die hat genug eigene Probleme verursacht, ohne über das Personal zu deren Lösung zu verfügen. Seehofer ist fast so gefährdet wie Merkel, es fehlen jedoch die Köpfe für eine Nachfolge. Daß sich ein Dr. Markus Söder für befähigt hält, zeigt die ganze Misere der CSU. Die klassische Umsturzpartei FDP ist unter Westerwelle handzahm. Die Partei mußte elf Jahre ohne Dienstwagen auskommen, sie hat die nächsten Monate genug damit zu tun, den Unterschied zwischen eigenen Luftschlössern und der ausgemerkelten Realität zu begreifen.

Bleibt also nur die CDU selbst. Der Kanzlerwahlverein möchte seine Pfründe erhalten, eben das Kanzleramt. Die ach so glanzvolle Wiederwahl von Merkel ist eher der furchteinflößend formlosen SPD zu verdanken, als in auch nur der kleinsten eigenen Leistung begründet. Seit sich die Vorsitzende im Kanzleramt ausruht, verlieren die Landesverbände der Union bei den Wahlen gerne in zweistelligen Prozentzahlen. Sollte NRW verloren gehen, wird die CDU, sofern es darin überhaupt noch Leute mit Selbstachtung gibt, die Messer wetzen.

Aber selbst, wenn sich Rüttgers halten kann, ist Merkels Ruhesessel keinesfalls sicher. Was diese Frau in den letzten vier Jahren versäumt hat, könnte selbst ein Otto von Bismarck kaum in dieser Zeit wieder aufholen. Der Eine, der es geschafft hat, benötigte dafür ein Ermächtigungsgesetz und darf heute nicht als positives Beispiel genannt werden. Die CDU ist ein Kanzlerwahlverein, solange dies der größten Menge an Parteifreunden die Dienstwagen sichert. Sollte es im Volk unruhig werden, wird daraus schnell ein Kanzlerinnensturzverein. In der CDU herrschen die Regeln des Mikado, wonach verliert, wer sich zuerst bewegt. Mittlerweile gibt es jedoch genügend Leute, die ihre Karriere auch dank Merkel hinter sich haben und den Dolch längst im Gewande tragen. Wer es zum Cäsaren nicht mehr schafft, ist wenigstens ein brauchbarer Brutus.

Die Frage ist nur, wann sieht sich die träge Partei genügend gefährdet, um sich zu einem Befreiungsschlag aufzuraffen? Merkel profitiert von der Beschränktheit ihrer Mitarbeiter. Erstklassige Chefs... Sie kennen den Spruch sicher. Gehen Sie einfach davon aus, daß Merkel das Beste ist, was die CDU zu bieten hat, dann wissen Sie, wie der Rest der Partei aussieht. Ein Sturz durch die Opposition ist nahezu ausgeschlossen. Von Steinmeier ist nichts zu sehen und Gabriel besitzt die Bissigkeit eines Goldhamsters. Bei den Grünen eifert Trittin der Geruhsamkeit eines CDU-Pofalla nach, Künast ähnelt einem Papagei, der losschimpft, sobald man das Tuch vom Käfig nimmt und das Beste, was man über Roth sagen kann, ist ihren Vornamen "Claudia" anzuführen. Und die SED? Die hat schon einmal eine DDR in den Untergang geführt, die weiß höchstens, wie es nicht klappt
 
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