Allerdings zeigen die Dumm-Quatsch-Tribunale kaum noch Wirkung, und auch das ist eine Parallele zu Freisler. Goebbels schaffte es nicht mehr, die Moral aufzurichten, nachdem im Westen, im Süden und im Osten die Feinde auf dem Vormarsch waren. Da mußte Freisler zeigen, was mit denen passiert, die nicht mehr an den Endsieg glauben. Wer nur mal vor die Tür gehen oder den Pausenhof einer Schule anschauen muß, um zu sehen und zu hören, wie es um die Integration bestellt ist, dem kann das Fernsehen noch so viele Positivbeispiele andienen.
Dumm-Quatsch-Tribunale in öffentlich-rechtlichen Anstalten zeigen deutlich, daß das Fernsehen mehr und mehr zum Propaganda-Medium geworden ist. Es ist natürlich ein Privileg, Tausende Euro dafür zu bekommen, daß man vor laufender Kamera ein wenig mit angeblich interessanten Leuten plaudert. Für dieses Privileg sind Moderatoren gerne bereit, sich zu prostituieren, ihre Seele dem Teufel zu verkaufen. Andere müssen für dieses Geld richtig arbeiten, das macht diese Plauderer zahm und es sorgt dafür, daß die Wünsche der Regierung bereitwillig erfüllt werden, seien sie nun ausgesprochen oder nicht.
Die Kunst einer Regierung besteht nicht darin, Befehle zu erteilen, sondern darin, vorauseilenden Gehorsam zu erzeugen. Mao Tse-Tung hat das so ausgedrückt: Einen bestrafen, hundert erziehen. Der Sturz aus dem Fernseh-Olymp ist möglich, das wurde an Eva Herman vorgeführt, an Margarethe Schreinemakers und an Hans Meiser. Eigene Ideen, ja eine eigene Meinung ist unerwünscht, bezahlt wird nur Rückgratlosigkeit. Das hat im Dritten Reich bis 1945 funktioniert, das hat in der DDR bis 1989 funktioniert, das funktioniert auch wunderbar in Merkel-Deutschland.
Wie lange noch? Das ist ungewiß, aber es gibt Hoffnung, weil es so einfach ist: Abwahl per Fernbedienung. Der echte Friedman wurde ins hinterletzte Fernseh-Sibirien verbannt, seine Nachahmer werden ebenfalls dort landen. Dummes Gequatsche nervt auf die Dauer, folglich verschwinden die Nervensägen. Wir Zuschauer werden dadurch nichts verlieren, es sei denn, das Fernsehen findet eine noch niveaulosere Variante der “Unterhaltung”.
© Michael Winkler