Eintrag #158, 12.07.2021, 17:54 Uhr

Die Woche - im Schnelldurchlauf - Teil 2,5

 

Erst nach 11 Uhr wachte ich dann auf und hatte sofort den Gedanken, irgendwas ist anders...

Ich schaute mich um, eigentlich alles ganz normal. Trotzdem fühlte ich mich irgendwie seltsam.

Nun hob ich den Kopf ein wenig an und wußte sofort, was anders war. Umgehend drehte sich mir alles und ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.

In dem Moment, in dem ich klingelte gab auch die Maschine Alarm und innerhalb von einer Minute hatte ich fünf, sechs Leute um mich herum, davon zwei Ärzte. Der eine hörte meine Lunge ab und stellte fest, das er am rechten Lungenflügel keine Atemgeräusche hört, Paralell dazu wurde ich von der Dialyse abgeklemmt und eine Schwester musste in Fünferschritten die Sauerstoffsättigung im Blut ansagen. Der letzte Wert bevor mein Bett den Raum verließ war 55 %. (Normal sind 96 bis 98 %). Das nun folgende kennt der geneigte Leser durch Vorabendserien wie Dr. Kleist, Dr. House, und andere Krankenhausserien. Zu dritt ging es im Laufschritt über lange Flure, die jüngste Schwester mit dem Fahrstuhlschlüssel voraus, ab auf die Intensivstation wo wir bereits erwartet wurden. Direkt an der Tür, mein Bett bewegte sich noch durch das gesamte Zimmer, bekam ich eine Atemmaske über Mund und Nase, die Sättigung war zum Glück bei 55 % geblieben. Durch die Maske stieg sie nun leicht an, stockte jedoch bei 70 %. Am rechten Lungenflügel immer noch kein Atemgeräusch. Der Lungenspezialist vom benachbarten Krankenhaus war informiert und auf dem Weg zu mir. Währenddessen wurde im Ultraschall festgestellt, das es glücklicherweise keine Lungenembolie war, der Lungenflügel war also nicht in sich zusammengefallen, er wurde allerdings auch nicht mit frischem Sauerstoff versorgt.

Noch bevor der Spezialist eintraf wurde dann noch eine andere Form der Beatmung ausprobiert. Eine Maschine die den Sauerstoff aktiv, mit sanftem Druck in die Lungen presst. Für den Patienten zunächst sehr gewöhnungsbedürftig, muss man sich doch mit dem Atmen an den Rhythmus der Maschine anpassen, jedoch äußerst effektiv. Innerhalb von fünf Minuten war meine Sättigung wieder über 90 % und auch am rechten Lungenflügel waren wieder deutliche Atemgeräusche vernehmbar, der anklopfende Sensenmann wurde somit wieder nach Hause geschickt.

Noch am selben Abend gegen 19 Uhr wurde ich wieder auf meine angestammte Station zurückverlegt.

Doch woran lag das ganze nun? Hier können nur Vermutungen angestellt werden. Die meiner Ansicht nach wahrscheinlichste ist, das dies alles eine Nachwirkung der Komplikationen bei dem Eingriff von Donnerstag war. Schließlich wurde mir hier über einen sehr langen Zeitraum auf die rechte Halsseite gedrückt in dem auch die Luftröhre zum rechten Lungenflügel läuft. Dafür würde in jedem Fall sprechen, das es ab dem Zeitpunkt besser wurde ab dem mir Sauerstoff in die Luftröhre und somit in die Lunge gepresst wurde.

Bevor jetzt irgendwer auf die Idee kommt man müsse das Krankenhaus verklagen weil sie mein Leben aufs Spiel gesetzt haben.

 

NEIN

 

muss man nicht und kann man nicht. Schließlich wurde ich vor dem Eingriff am Donnerstag darüber aufgeklärt welche Komplikationen während und auch nach der Operation auftreten können. Und Atemnot ist hier eindeutig mit dabei, was ja auch ganz verständlich ist. Die Alternative zum Hals drücken beim Eingriff am Donnerstag wäre übrigens verbluten gewesen, da ist mir das, was nun ablief doch deutlich lieber.

Trotzdem wird man nachdenkich, man war dem Tode relativ nah, was war denn während dieser Zeit? Hat man, wie immer wieder berichtet wird, die Bilder seines Lebens nochmal im Schnelldurchlauf vor sich? Oder doch etwas anderes? Inzwischen kann ich ja von mehreren solcher Erlebnisse berichten. Im Gegensatz zum letzten Ereignis dieser Art vor etwa 10 Jahren bei dem ich dem Tod wesentlich näher war als dieses Mal, hatte ich diesmal keine Gedanken an die Vergangenheit, eher im Gegenteil, mir ging eher durch den Kopf was ich mir für die Zukunft noch alles vorgenommen hatte, und das es das jetzt doch nicht gewesen sein kann, dann wäre doch alles, was liebe und fleißige Hände in letzter Zeit für mich getan haben umsonst gewesen.

 

Das Wochenende vierlief dann recht ruhig, Samstag entließen sich meine beiden Mitpatienten auf eigenen Wunsch selbst, der eine ein junger Mann bei dem es nach der Covid19-Impfung zu Schwindel gekommen war und der Meinung war 24 Stunden reichen als Überwachung aus. Der andere ein sehr netter umgängicher Mensch mit dem ich auch Telefonnummern getauscht habe, der meinte die Untersuchungen die noch gemacht werden sollen gehen auch ambulant und er sitzt lieber mit seiner kleinen Enkelin im Garten und beobachtet Vögel statt hier im Krankenhaus zu liegen.

Das zweite Bett wurde Nachts um 3 wieder belegt, das andere Sonntag Nachmittag, davon eventuell im nächsten Blog.

 
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