Eintrag #185, 17.07.2007, 11:55 Uhr

die kluft wird immer breiter

kommentar aus dem "marktspiegel" von klaus becker vom 15.07.2007

es gibt ein neues thema, das die gemüter zur zeit erhitzt und bei weitem nicht nur in politischen kreisen dikutiert wird. es geht um zuwanderung, um integration - und gerade wir hessen haben ja bei einem entscheidenden landtags-wahlkampf erlebt, wie sehr diese fragen die bürger jenseits aller parteigrenzen bewegen und auch beunruhigen. denn jeder macht seine eigenen persönlichen erfahrungen, und die meinungen der meisten sind viel stärker, durch persönliche erfahrungen und erlebnisse geprägt, als durch alle propaganda-sprüche der parteien.

und doch hat man den eindruck, auch die jüngste debatte werde zunächst übewiegend oder gar ausschließlich in funktionärs-kreisen geführt. da werden uns in fernseh-sendungen leute präsentiert, wortgewandt und in jeder hinsicht tatsächlich voll integriert, meister des vokabulars, das in den medien gut ankommt. die erfahrungen der bürger hingegen werden ausgeblendet oder gar als "vorurteile" diffamiert.

wir haben zum beispiel erfahrungen gesammelt mit einem türkischen praktikanten, mit dem wir sehr gut zusammen gearbeitet haben. er war schulisch durchaus erfolgreich, aufgeweckt und scheinbar voll in unserer gesellschaft integriert.

eines tages kam er und erzählte uns, dass er heiraten wolle. keinen hat es überrascht, denn wir wussten, dass er in einer festen beziehung lebt und eine deutsche verlobte hatte. doch er teilte uns mit, dass seine eltern für ihn eine andere braut ausgesucht hätten: eine junge, entfernte verwandte aus der türkei. die werde er nun heiraten. er war gar nicht glücklich darüber, weil er einsah, dass ihn das weit zurückwerfen würde. seine kinder würden türkisch erzogen, weil seine zukünftige frau keine andere sprache beherrschte. "jetzt fängt der ganze salat wieder von vorne an", so sein trockener kommentar.

aber er sei eben türke, werde das tun, was seine eltern von ihm verlangten. wir wissen nicht, wie sich die zukunft unseres jungen praktikanten gestaltet hat. aber wir konnten einen intensiven blick auf das werfen, was man "gescheiterte integration" nennt. so etwas kommt in den offziellen debatten nicht vor, wird hinter unendlichem funktionärs-gelaber versteckt. aber es ist die wirklichkeit, die die bürger in diesem land erleben.  die politiker können glücklich sein: sie blenden die wirklichkeit aus und die meisten medien unterstützen sie dabei.

und vergrößern so weiter die kluft, die sich in diesem land zwischen politischem gerede und der täglichen erfahrung der bürger auftut und immer breiter wird.
 
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