Eintrag #154, 08.06.2021, 01:29 Uhr

Bauernregel #144 (24.05.)

Am 24.05. ist der Gedenktag von Esther. Die Bauernregel lautet:

 

Lein, gesät an Esthern, wächst am allerbesten.

 

Besteigen wir also die Zeitmaschine und reisen etwa 2500 Jahre zurück ins 5 Jahrhundert VOR Christus. Die Esther um die es geht ist mehrfach aussergewöhnlich. Nicht nur das sie, obwohl nicht katholisch (was ja auch gar nicht geht) sondern Jüdin, nicht nur in der Katholischen und Lutherischen Kirche-Missouri Synode (die zweitgrößte Lutherische Kirche der USA), sondern auch in der orthodoxen Kirche (vorletzter Sonntag im Advent) einen Gedenktag hat, ist Esther obendrein äußerst präsent in der Bibel, genauer im AT erwähnt. Sie ist bei Auswahl der Schriften gar so wichtig, das es im AT das Buch Ester gibt! Ebenso aussergewöhnlich ist das Esther als Jüdin zur Persischen (Iranischen) Königin wurde.

Um die Ereignisse einschätzen zu können nun Basiswissen über das AT. Im Gegensatz zum NT das bei allen Christlichen Kirchen gleich ist (auch der islamische Koran ist in weiten Teilen dem NT ähnlich) ist das AT das auf dem Tanach, der Sammlung der Heiligen Schriften des Judentums aufgebaut ist, bei jeder Konfession ein wenig anders. Der Protestantismus teilt die 24 Bücher des Tanach auf 39 auf, in der Katholischen und der Orthodoxen Version sind zusätzlich noch Schriften aus der Septuaginta, dem Griechischen alten Testament enthalten. Daher kommt das Katholische AT auf 46 und das Orthodoxe auf bis  zu 51 Bücher. Das Buch Ester ist in allen enthalten. Die enthaltenen Schriften sind vermutlich in einem Zeitraum von etwa 5000 Jahren entstanden. Die ältesten Texte des AT sind also etwa 7000 Jahre alt. Dies macht deutlich, das die früher häufige Sichtweise das AT wäre ein Geschichtsbuch mit dem Wissen von heute nicht mehr Zeitgemäß ist. Vielmehr müssen die Schriften altersmäßig einsortiert und gedeutet werden, eine 1:1 Umsetzung wie in einem Geschichtsbuch ist somit ein Ding der Unmöglichkeit. Dementsprechend haben sich die Predigtgewohnheien in der Katholischen Kirche auch gewandelt, früher wurde wesentlich häufiger und vor allem leidenschaftlicher über die Schriften des AT gepredigt als heute.

Wenn man zu diesem Basiswissen noch bedenkt das die germanischen Heldensagen oder die Edda (Isländische Sammlung Skandinavischer Götter- und Heldensagen aus dem 13. Jhd.) wesentlich später als die Schriften des AT entstanden, kann davon ausgegangen werden, das auch in den Schriften des AT Historisch Belegbare Ereignisse mit Mythen vermischt wurden.

Das Buch Esther existiert in einer Hebräischen und zwei Griechischen Versionen.

Die Geschehnisse des Buchs Esther lassen sich, recht kompakt zusammenfassen.

Die Persische Königin Waschti fiel in Ungnade worauf sie vom Hof verjagt wurde. König Ahasveros lies sich Jungfrauen kommen um aus ihnen die neue Königin auszusuchen. Esther wurde aufgrund ihrer Anmut ausgewählt wobei sie ihre Jüdische Herkunft verschwieg.

Schnitt, neue Personen: Mordechai, Esters Vetter Wache am Tor des königlichen Hofes und Haman, höchster Regierungsbeamter und Vertrauter des Königs, Nachkomme aus dem Volk der Amalekiter die den Juden seit dem Exodus, also dem Auszug aus Ägypten feindlich gesinnt waren. Aus Wut weil Mordechai sich weigert sich vor ihm zu verbeugen nutzt Haman seine Vertrautheit mit dem König aus und überzeugt diesen den in Persien lebenden Teil des Jüdischen Volkes zu vernichten da sie nicht zu den anderen Völkern passen. Daraufhin wird der Genozid an den Juden mit königlichem Siegel für den 13. des 12 Monats (heute Ende Februar/Anfang März) im Ganzen Reich verkündet, Die gesamte Jüdische Bevölkerung samt ihren Kindern war an diesem Tag Vogelfrei und durfte vernichtet werden.

Daraufhin offenbart sich Ester dem König, beichtet ihre und Mordechais Herkunft und überzeugt ihn, das Haman sein Vertrauen ausnutzte. Das stärkste Argument war ein durch Mordechai und Esther verhinderter Putsch auf den König. Eine Rücknahme eines einmal mit königlichem Siegel verkündeten Dekrets ist jedoch nicht möglich, daher wurde ein zweites Dekret erlassen das der Jüdischen Bevölkerung erlaubte sich am Geltungstag des ersten Dekrets gegen Angriffe zu verteidigen. Ergebnis dieses Wahns waren etwa 76.000 Tote am Geltungstag der Dekrete.

Im Gedenken an ihre Rettung durch Ester feiern die Juden heute das Purimfest.

Nun kommen wir zur Historischen Einordnung der Geschehnisse. Der im AT Ahasveros genannte Persische König ist allgemein besser bekannt unter dem Namen Xerxes I. (auf Hebräisch, der Bibelsprache also Achasweros). Bei diesem ist jedoch weder eine jüdische Frau, noch eine in Ungnade vom Hof verjagte Königin Waschti nachweisbar. Auch weitere Ereignisse der Erzählung passen nicht ins historische Umfeld.

Für die Filmindustrie ist das Thema Waisenmädchen wird zur Königin und rettet so ihr Volk natürlich ein gefundenes Fressen weshalb die Geschichte um Königin Esther sechs Mal verfilmt wurde.

 
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