Eintrag #129, 30.04.2021, 11:03 Uhr

Bauernregel #120

Morgen, 01.05. war früher der Gedenktag für Walburga, daher feiern wir heute Walpurgisnacht. Worauf sich auch so einige Bauernregeln beziehen.

 

Regen in der Walpurgisnacht hat stets ein gutes Jahr gebracht.

Walpurgisfrost ist schlechte Kost.

Sturm und Wind in der Walpurgisnacht hat Scheune und Keller vollgemacht.

In der Walpurgisnacht Regen bringt uns reichen Erntesegen.

Ist die Hexennacht voll Regen, wird’s ein Jahr mit reichlich Segen.

Jetzt wirds ganz verhext:

Auf ihren Besen mit bösem Sinn reiten die Hexen zum Blocksberg hin. (Blocksberg = Brocken/Harz)

 

Die Bauernregeln sind sich also quasi einig, das in der kommenden Walpurgisnacht besser schlechtes Wetter, aber kein Frost, herrschen sollte um am Ende des Jahres eine gute Ernte einfahren zu können.

Wie aber entstand nun die Walpurgisnacht und die Legenden die sich um sie ranken?

 

Der Name des Festes leitet sich, wie oben bereits geschrieben, von der Hl. Walburga ab, deren Gedenktag bis ins Mittelalter am Tag ihrer Heiligsprechung 01.Mai (vermutlich 870 durch Papst Hadrian II.) begangen wurde.

Walburga wurde um das Jahre 710 als eines von vielen Kindern einer wohlhabenden südenglischen Familie in Devon (Wessex) geboren. Es wird angenommen, das ihre Familie dem Adel angehörte, die Vermutung Walburga sei die Tochter von König Richard dem Angelsachsen und seiner Frau Wuna kann jedoch nicht sicher belegt werden. Früh zur Waise geworden, wurde sie bereits im Alter von 10, 11 Jahren ins Kloster Wimborne in Dorset aufgenommen. Hier verbrachte sie rund 26 Jahre und wurde ausgebildet. Nachdem ihr Bruder Wunibald der mitsamt dem zweiten Bruder Willibald schon früh von England auf Festland übersiedelte, Walburga bei einem Besuch in der Heimat für die Mission (in Deutschland das damals noch heidnisch geprägt war) gewinnen konnte, überquerte sie, vermutlich im Jahr 746 ebenfalls den Ärmelkanal.

Die Überfahrt nach Antwerpen verlief sehr stürmisch, Walburga jedoch kniete, ins Gebet versunken auf dem Deck bis das Schiff lädiert aber sicher den Hafen von Antwerpen erreichte. Walburga gilt seither als Schutzpatronen der Seeleute und Schutzheilige gegen Sturm. Ihre erste Station war ein Kloster in Tauberbischofsheim in dem sie bis zum Tode ihres Bruders Wunibald blieb. 761 übernahm sie das etwa 10 Jahre vorher von ihm gegründete Männerkloster in Heidenheim und fügte ihm alsbald ein Frauenkloster hinzu. Solche Doppelklöster waren in damaliger Zeit sehr mächtig weshalb Walburga zu einer der einflussreihsten Frauen des christlichen Europas wurde.

In Walburgas Biografie, die jedoch erst etwa 200 Jahre nach ihrem Tod erschien, wird von Krankenheilungen sowie zwei Wundern berichtet die Walburga in dieser Zeit gewirkt haben soll. Daher gilt sie neben vielerlei anderen Zuständigkeiten auch als Schutzheilige gegen Krankheiten und Seuchen, Tollwut, Hungersnot und Missernte sowie als Patronin der Kranken und der Wöchnerinnen, aber auch der Bauern.

Nicht genau belegbar ist wiederum ihr Todesjahr, identisch ist in allen Quellen das Datum, der 25. Februar, entweder 779 oder 780.

So viel zu Walburga, nun verbinden wir sie noch mit dem Hexentanz auf dem Brocken.

Wie bereits erwähnt wurde ihr Gedenktag bis ins Mittelalter am 01. Mai, dem Tag ihrer Heiligsprechung begangen.Die Walpurgisnacht war also die Vigilfeier (Vigil, auch Matutin genannt, war das Nachtgebet zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen und diente der spirituellen Vorbereitung auf das jeweilige Fest). Als "Tanz in den Mai" fand diese Vigilfeier in der Nacht zum Arbeitsfreien Maifeiertag bis heute auch Verbreitung als weltliches Fest.

Die neun Tage vor dem 1. Mai wurden als Walpurgistage bezeichnet, das Läuten der Glocken zur Abwehr der angeblichen Hexenumtriebe wird örtlich auch "Walpern" bezeichnet.

Aufgrund von Beschreibungen des Hexensabbat gilt die Nacht vom 30. April zum 1. Mai als die Nacht, in der die Hexen am Blocksberg (Brocken/Harz) und anderen erhöhten Stellen ein großes Fest abhielten. Populär wurde die Bezeichnung Walpurgisnacht hierfür durch Goethes Faust I. im Jahre 1808, frühe Belege für diese Bezeichnung finden sich aus dem 18 Jhd.

Viele frühe Walpurgisriten finden sich heute als Maibräuche wieder, so z.B. das nächtliche Peitschenknallen um die Hexen vom eigenen Hof fernzuhalten, dazu gehört auch das Auslegen von Besen und Maibüschen.

Das aufstellen von Maibäumen (meist Birken) als Fruchtbarkeitssymbol wurde in einigen Gegenden wie z.B. dem Wendland ergänzt um Brautstein genannte Monolithen die man als versteinerte Brautpaare ansah. Es soll Sitte gewesen sein, das in der Walpurgisnacht Mädchen mit entblößten Genitalien über diese Steine rutschten um sich dabei ihren Liebhaber zu wünschen.

Ebenso sollen Maifeuer das Böse (und somit auch die Hexen) fernhalten, Ich könnte hier noch zig andere Beispiele anführen, das Wesentliche dürfte jedoch klar geworden sein.

 
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