Wie schnell doch die Zeit vergeht. Nun ist es schon ganze neun Jahre her. Nach fast drei Monaten im Krankenhaus wurde meine viel zu früh verstorbene Frau Tanja von einer Sepsis innerhalb weniger Tage dahingerafft.
Der erste Trost für mich war zu wissen, das Tanja, wenn sie überlebt hätte, ein lebenslanger Pflegefall gewesen wäre. Für Tanja wäre dies jedoch ein Tod auf Raten gewesen. Schon als sie auf der Intensivstation war und für vieles Hilfe brauchte, war ihr das immer unangenehm, sie war einfach ein Mensch, der lieber anderen geholfen hat als Hilfe anzunehmen.
Nun, in diesen neun Jahren hat sich viel verändert. Kontakte zu unseren gemeinsamen Bekannten wurden weniger, inzwischen weiß ich das dies oft einfach an zuviel gegenseitiger Rücksichtnahme lag. Die Bekannten meldeten sich nicht mehr so häufig weil sie Bedenken hatten gerade verheilte Wunden wieder aufzureißen und ich meldete mich nicht weil ich die Bekannten nicht mit meinen Problemen belasten wollte.
In Ettlingen fühlte ich mich mit der Zeit immer mehr beobachtet und habe daher die Wohnung fast nur noch verlassen wenn es gar nicht mehr anders ging. Das war eben der Nachteil als Ex-Organist und Ex-Kneipenwirt auf meiner Seite und beliebte Mitarbeiterin des größten örtlichen Supermarkts auf deiner Seite, kannten uns sehr viele Leute, und so wurde das Getuschel von wegen "bin ja gespannt wie er es verkraftet" in meinen Ohren immer lauter.
Bevor ich unserer Heimat jedoch den Rücken kehrte war ich noch ein paar Mal an unserer Lieblingsstelle am Rheinufer und an verschiedenen Ecken im Schwarzwald und erinnerte mich an schöne Momente die wir dort gemeinsam hatten.
Vor fünf Jahren verbrachte ich Tanjas Todestag dann in Norwegen, ganz weit oben in der Nähe von Tromsø. Diese Reise, im tiefsten Winter bis weit über den Polarkreis, eventuell sogar ans Nordkap, wollten wir eigentlich gemeinsam machen um die wunderbare Aurora Borealis mit eigenen Augen zu sehen. Tja, was das angeht habe ich das Ziel nicht erreicht, an den beiden Tagen mit Nordlicht öffnete der Himmel seine Pforten und bescherte uns Neuschnee. Davon abgesehen war dies jedoch ein traumhafter Urlaub der Tanja auch sehr gefallen hätte.
Ziemlich spontan war ich dann sogar noch einmal in Norwegen, wobei hier schon so viele Zufälle zusammen kamen das man schon von einer Fügung sprechen kann.
Kurz nach Corona, die gesamte Reisebranche lag quasi noch am Boden und die Kreuzfahrtindustrie warb mit sensationell günstigen Preisen. In der Anzeige waren Geiranger und Flåm erwähnt, weshalb ich ganz spontan buchte. Was mir dann erst auf dem Schiff richtig bewusst wurde war, das Tanja und ich fast auf den Tag genau 25 Jahre vorher mit Wohnmobil auf der Fähre ebenfalls durch den Geirangerfjord fuhren. Für mich eindeutig der emotionalste Moment dieser Reise.
Wie man merkt bin ich, trotz teilweise widriger Umstände kein Griesgram geworden.
Zwar wohne ich jetzt am anderen Ende der Republik, aber die Entscheidung war goldrichtig. Denn hier durfte ich inzwischen Menschen kennenlernen, denen ich als Mensch wichtig bin und die meinen Weg zurück in ein einigermaßen normales Leben tatkräftig Unterstützen. 🤗