Zehntausende Asylbewerber freiwillig in Heimat zurückgekehrt

28. Dezember 2016, 16:38 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Rückkehranreize, Abschiebungen, Einreiseverweigerungen an den deutschen Grenzen: Die Behörden von Bund und Ländern haben im Jahr nach dem großen Flüchlings- und Asylbewerberandrang einiges unternommen, um die Migrationssituation zu beherrschen.

FREIWILLIGE AUSREISEN: Deutschland bewilligte dieses Jahr nach Angaben des Innenministeriums gut 54 000 entsprechende Verfahren für einen Neustart in der Heimat. 2015 gab es 35.4 tatsächliche freiwillige Rückreisen von Asylbewerbern, es handele sich also um eine «erhebliche Steigerung», sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch. Für die nunmehr 54.123 Rückkehrverfahren (Stand 27.12.2016) seien 21,5 Millionen Euro bereitgestellt worden. Zunächst hatte die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwoch) darüber berichtet.

Ein Großteil der freiwillige zurückreisenden Asylbewerber stammt aus Ländern des Westbalkans und habe nur geringe Chancen auf ein dauerhaftes Bleiberecht gehabt, berichtete die Zeitung unter Verweis auf Schätzungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Menschen hätten Geld vom Staat erhalten und dürften so in vielen Fällen ihrer Abschiebung zuvorgekommen sein. Der Ministeriumssprecher sagte, je früher ein abgelehnter Asylbewerber freiwillig heimgehe, desto höher falle die finanzielle Hilfe aus. Die Mittel des Programms «Starthilfe plus» sollten 2017 noch einmal etwas erhöht werden und «mit den Zielen der deutschen Entwicklungspolitik einhergehen».

Der CDU-Innenexperte Armin Schuster warnte davor, dass abgelehnte Asylbewerber die Rückkehrförderung von Bund und Ländern missbrauchen könnten. Dies dürfe «nicht zum Geschäftsmodell werden», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Migranten mit geringen Aussichten auf Asyl sollten gar nicht erst nach Deutschland einreisen können. «Es ist ökonomisch unklug, Asylbewerber, deren Asylantrag aller Wahrscheinlichkeit nach abgelehnt wird, einreisen zu lassen, um ihnen nach Bearbeitung ihres Antrags Geld für die Rückreise in die Hand zu drücken.»

Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka forderte indes, die Möglichkeiten zur freiwilligen Rückkehr weiterzuentwickeln. «Wir sollten dieses Instrument ausbauen, da die Organisation der freiwilligen Rückkehr unterm Strich weniger aufwendig ist als polizeibegleitete Abschiebeflüge.» Wer beim Neustart in seinem Heimatland gefördert werde, habe keinen Anlass zur erneuten Ausreise.

ABSCHIEBUNGEN: Die Anzahl der Abschiebungen liegt laut «Süddeutscher Zeitung» mit geschätzt 25.000 in diesem Jahr nicht einmal halb so hoch wie die der freiwilligen Rückreisen. Wie «Die Welt» in der vergangenen Woche unter Berufung auf das Bundesinnenministerium berichtet hatte, wurden im gesamten Vorjahr 20 888 Abschiebungen gezählt.

Die CSU fordert nun finanzielle Nachteile für Bundesländer, die zu wenig abschieben. «Wenn sich bestimmte Länder weiterhin weigern, geltendes Recht zu vollziehen, ist die Beteiligung des Bundes an den Flüchtlingskosten gegenüber diesen Ländern zu kürzen», zitiert die «Passauer Neue Presse» (Mittwoch) aus einem Papier der Landesgruppe im Bundestag, über das bei der Klausur Anfang Januar entschieden werden soll. Mangelnder Vollzug gefährde nicht nur die Akzeptanz des Rechtsstaats, sondern sei auch Anreiz für Menschen, gezielt nach Deutschland zu kommen

ZURÜCKWEISUNGEN: Die Polizei verweigerte nach einem Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung» an den deutschen Außengrenzen in diesem Jahr etwa 20.000 Flüchtlingen die Einreise. Damit habe sich die Zahl der Zurückweisungen an den Landesgrenzen, Flughäfen und Seehäfen im Vergleich zum Vorjahr weit mehr als verdoppelt, schreibt das Blatt unter Berufung auf Zahlen der Bundespolizei. Von Januar bis Ende November durften demnach 19 720 Menschen nicht nach Deutschland einreisen. 2015 war 8913 Migranten die Einreise verweigert worden.

Im September 2015 hatte die Bundesregierung auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsandrangs wieder Grenzkontrollen eingeführt. In der Tendenz sind die Zurückweisungen dem Bericht zufolge stark rückläufig - wie auch die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge. Das hänge auch damit zusammen, dass die Bundespolizei seit Jahresmitte Kontrollen nur noch an der Grenze zu Österreich durchführt. Bis November seien hier 15 019 Menschen und damit 76 Prozent aller Flüchtlinge abgewiesen worden. Die größte Gruppe sind afghanische Staatsbürger (3695), es folgen 2142 Syrer, 1794 Iraker und 1237 Nigerianer.

Links zum Thema
"SZ"-Bericht
Migration / Flüchtlinge / Asyl / Deutschland
28.12.2016 · 16:38 Uhr
[11 Kommentare]
Tod in Port d'Andratx
Palma (dpa) - Auf Mallorca hat die Polizei Medienberichten zufolge in einer Wohnung im Hafenort Port d'Andratx einen traurigen Fund gemacht: In der Wohnung einer Apartmentanlage am Meer fanden Beamte die Leiche eines 79-jährigen Deutschen, wie Inselmedien übereinstimmend unter Berufung auf die Polizei berichteten. Der Mann war demnach offensichtlich […] (01)
vor 12 Minuten
Evanescence-Frontfrau Amy Lee
(BANG) - Amy Lee von Evanescence ist begeistert, dass ihr Sohn ein Fan von Metal-Musik geworden ist. Die Frontfrau der Rockband erzählte, dass die gemeinsamen Auftritte mit Metallica auf deren M72-Tour durch Australien und Neuseeland noch bedeutungsvoller wurden, als sie erwartet hatte. Die Erlebnisse hätten sie an ihre eigene Jugend und ihre erste […] (00)
vor 1 Stunde
Nubert – High-End-Klangsteuerung mit Streaming-Komfort
Nubert erweitert sein Elektronik-Portfolio und präsentiert auf der High End Vienna 2026 gleich vier neue Komponenten: die Streaming-Vorstufe nuControl X-2, die passende Endstufe nuPower A-2 sowie die kompakten Geschwister nuControl X-c und nuPower D-c. Unter dem Namen Ambient Line verbindet die neue Elektronik-Generation leistungsfähiges […] (00)
vor 4 Stunden
be quiet! zeigt auf der Computex 2026 sieben neue Produkte – aber schweigt zu Preisen und Release
be quiet! fährt auf der Computex 2026 in Taipeh die ganz große Flotte auf: sieben neue Produktlinien, vom digitalen 1600-Watt-Netzteil über AiO-Wasserkühlungen mit IPS-Display bis zum Einstieg ins Mauspad-Geschäft. Die Schau ist beeindruckend – doch zwei entscheidende Fragen lässt der deutsche Premium-Hersteller komplett offen: Was sollen die ganzen […] (00)
vor 2 Stunden
John C. Reilly und Leonardo DiCaprio
(BANG) - John C. Reilly versuchte einst, Leonardo DiCaprio davon zu überzeugen, die Rolle in 'Titanic' abzulehnen. Der Schauspieler erinnerte sich daran, wie er mit seinem 'Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa'-Kollegen zusammensaß und ihm stattdessen empfahl, die Hauptrolle in 'Boogie Nights' anzunehmen. Reilly war überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit […] (00)
vor 1 Stunde
Wetter
Zürich (dpa) - Trotz vielerorts erwarteter Temperaturen über 30 Grad Celsius dürfen Fans bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko keine leeren Wasserflaschen mit in die Stadien nehmen. «Die FIFA setzt sich für den Schutz der Gesundheit und Sicherheit aller Spieler, Schiedsrichter, Fans, Freiwilligen und Mitarbeiter ein. Die FIFA hat beschlossen, […] (02)
vor 50 Minuten
DAX startet Juni im Wartemodus: Warum Konjunkturdaten und Iran-Konflikt die Börse lahmlegen
DAX hält Atem an: Juni beginnt ohne klare Richtung Zum Auftakt des Juni 2026 zeigt sich der DAX unverändert – ein deutliches Zeichen für die Unsicherheit, die derzeit an den Börsen herrscht. Anleger gehen heute Morgen äußerst vorsichtig in den Handel, nachdem die vergangenen Wochen von widersprüchlichen Signalen geprägt waren. Der deutsche Leitindex […] (00)
vor 33 Minuten
Juist: 17 km Insel und drei Tage Partystimmung
Juist, 04.06.2026 (lifePR) - Die zweite Ausgabe des Juistivals hat begeistert: Gäste und Insulaner feierten gemeinsam drei Tage lang bei Open-Air-Konzerten auf der Nordseeinsel Juist zu Christi Himmelfahrt von Donenrstag, 14.05., bis inkl. Samstag, 16.05.2026 Die Organisatoren sind rundum zufrieden, haben sie doch ein Festival auf die Beine gestellt, […] (00)
vor 1 Stunde
 
Unterkunft für Asylbewerber
Luxemburg (dpa) - Die Leistungskürzungen in Deutschland für abgelehnte Asylbewerber verstoßen […] (00)
Seniorin mit Helferin (Archiv)
Berlin - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant im Zuge der Pflegereform […] (01)
Gewitterfront über Baden-Württemberg
Berlin (dpa) - In Teilen Deutschlands wird es ungemütlich: Im Südwesten sind kräftige […] (00)
Bundeswehr-Soldaten (Archiv)
Berlin - Grünen-Chefin Franziska Brantner sieht in europäischen Nachbarländern eine […] (32)
Prime Video erzählt die Geschichte eines Schneeballsystems
Die neue indische Serie «The Pyramid Scheme» begleitet einen jungen Mann, dessen Traum vom […] (00)
Fußball: Nationalmannschaft, vor der WM-Endrunde
Chicago (dpa) - Kai Havertz kann endlich als WM-Nachzügler loslegen. «Ich freue mich […] (00)
MacBook Neo erobert die Verkaufscharts zum Marktstart
Ein aktueller Bericht des Marktforschungsunternehmens IDC zeigt, dass […] (00)
Mittelalter‑Strategie erwacht erneut – Die Gilde – Europa 1410 erscheint im Juli
Hört, hört, angehende Händler, gerissene Strippenzieher und aufstrebende […] (00)
 
 
Suchbegriff