Recht und Gesetz

das_makro

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L
20 April 2006
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Findet ihr es nicht auch zum Teil erschreckend, wie wenig wir uns teilweise mit
dem Recht und Gesetz unseres Landes auskennen?
Ich bin jetzt auch keine Korifehe auf diesem Gebiet, weiß aber wo ich
nachschauen und kann (wenn auch nur mit Mühe) Gesetze zerlegen und
verstehe z.T ihren Sinn.
Nehmen wir doch mal den Notwehrparagraphen. Den sollte eigentlich "Jedermann"
kennen, weil es eben ein sogenannter Jedermannsparagraph ist, also ein
Recht, was jeder für sich in Anspruch nehmen kann.
Man muss ja nicht wissen dass es sich hierbei um den §32 STGB handelt aber
den Sinn eines solchen Paragaphen sollte jeder kennen.
Zum Beispiel sollte jeder wissen, dass die Notwehr zur Abwehr eines
gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffes auf sich oder einen Anderen dient.
Wenn man natürlich nicht weiß was gegenwärtig oder rechtswidrig bedeutet,
steht man ganz schnell im Knast. Endweder weil man überreagiert oder weil
man aus Angst was falsch zu machen garnichts gemacht hat.

Ich frage mich warum sich keiner mehr mit seinen Rechten und den daraus
resultierenden Pflichten beschäftigt. Wird es in Zeiten von günstigen
Rechtschutzversicherungen für unnötig befunden oder liegt es einfach an
unserer "Leck-Arsch"- Einstellung?
 
Zuletzt bearbeitet:
das_makro schrieb:
Ich bin jetzt auch keine Kroifehe auf diesem Gebiet,
8O
rofl1.gif
Sorry aber...
das_makro schrieb:
weiß aber wo ich
nachschauen und kann
Dann nimm doch für Deine "Kroifehe" auch mal den Duden zur Hand...
das_makro schrieb:
Zum Beispiel sollte jeder wissen, dass die Notwehr zur Abwehr eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffes auf sich oder einen Anderen dient.
Dann vergiß beim Nachschlagen nicht weiterzulesen. Denn wenn Du schon so groß hier rumtönst, solltest Du auch wissen, daß es bei anderen nicht Notwehr sondern Nothilfe heißt... :roll:

Ey, ist schon wieder Freitagabend?

LG,
yerusha
 
Zuletzt bearbeitet:
In den meisten Fällen braucht man kein Wissen über die Gesetze. In den wenigen Fällen, wo es dann doch mal schief geht, reagiert der durchschnitts Deutsche mit Empörung "das habe ich ja gar nicht gewusst! Das ist ja typisch, dass es solche komischen Gesetze gibt".
Alles andere erledigt der Anwalt und die Rechtsschutzversicherung.

Stellt sich natürlich die Frage, woran das liegt. Ich kann verstehen, dass sich niemand hinsetzt und alle Gesetzesbücher ließt, die hier ihre Gültigkeit haben. Das tue ich schließlich auch nicht und ich denke, dass soetwas eigentlich auch nicht zumutbar ist. Das liegt erstmal an dem unglaublichen Umfang, den wir an Gesetzestexten haben und zudem daran, dass niemand den Kram versteht. Viele Gesetze erhalten Sinn und Gültigkeit erst in der Auslegung. Daher müsste man sich zusätzlich sämtliche Urteile zu einem Gesetz angucken. Lösungen wären hier z.B., eine Broschüre herauszugeben, wo die wichtigsten Rechte und Pflichten für jeden Bürger verständlich beschrieben sind.
 
Jaaa.... mea culpa. Ich hab mein Edit oben wieder rausgenommen, aber jetzt bin ich komplett verwirrt. Ich hab's anders gelernt.

Aber mal zum Thema, mein erstes Posting war diesbezüglich ja weniger glorreich:

Woran liegt's denn, daß kaum einer sich damit auskennt? Tja, wann lernt man denn solche Dinge? Entweder wenn man nach dem Abitur irgendwann mal Jura studiert oder ein anderes Fach in dem man am Rande mit juristischen Fragen zu tun hat (und dann lernt man's auch noch falsch...)

Nur, nicht alle machen Abi und selbst die die es machen studieren danach nicht alle, schon gar nicht irgendwelche Fächer in der Richtung. Also müßte das System schon viel früher ansetzen, den Menschen solch ein Wissen zu vermitteln. Nämlich in der Schule. Aber da lernt man solche Dinge nicht. Genauso wie vieles andere, das man im Erwachsenenleben braucht. "Nicht für die Schule, sondern für's Leben lernen wir" - der Spruch ist absurd, weil genau das, was man für's Leben braucht, in keinem Schulunterricht drankommt. Dafür lernt man Sachen, die man später nie wieder braucht. Oder hat sich daran bis heute was geändert? ICH hab in der Schule Sachen gelernt von denen ich in den letzten 20 Jahren nie wieder was gehört habe. Aber als ich mit 18 ins eigenständige Leben gestolpert bin, hätte ich Wissen gebrauchen können, das mir keiner beigebracht hat.

Sorry, ich glaub ich krieg meine Gedanken nicht mehr gescheit zusammen... in meinem Alter sollte man keine Nächte mehr durchzocken.

@ das_makro: Sorry für mein erstes Posting!

LG,
yerusha
 
Zuletzt bearbeitet:
das_makro schrieb:
Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden (vgl. § 227 Abs. 2 BGB, § 32 Abs. 2 StGB).;)

wobei darauf zu achten ist dass die mittel die zum einsatz kommen nicht unverhältnismässig sind :mrgreen:
 
Tyrell schrieb:
[...] Ich kann verstehen, dass sich niemand hinsetzt und alle Gesetzesbücher ließt, die hier ihre Gültigkeit haben.
Naja, für die Rechtfertigungsgründe benötige ich kein Studium. Die muss man
kennen.
Das tue ich schließlich auch nicht und ich denke, dass soetwas eigentlich auch nicht zumutbar ist.
Naja, das sehe ich anders.
Das liegt erstmal an dem unglaublichen Umfang, den wir an Gesetzestexten haben und zudem daran, dass niemand den Kram versteht.
Die wichtigsten 10 Rechtfertigungsgründe müssten schon in der Schule
gelehrt werden.
Viele Gesetze erhalten Sinn und Gültigkeit erst in der Auslegung. Daher müsste man sich zusätzlich sämtliche Urteile zu einem Gesetz angucken. Lösungen wären hier z.B., eine Broschüre herauszugeben, wo die wichtigsten Rechte und Pflichten für jeden Bürger verständlich beschrieben sind.
In der Schule kann man das prima anhand von Fallbeispielen üben. Da braucht
man keine Kommentare und Urteile.

Ich finde das in diese Richtung viel zu wenig gemacht wird!


yerusha ich hab dich jetzt wieder lieb :)
 
das_makro schrieb:
Die wichtigsten 10 Rechtfertigungsgründe müssten schon in der Schule gelehrt werden.
Das ist es was ich oben in meinem nochmals editierten :ugly: Posting meinte. Und nicht nur diese Gründe. Wissen das man im Alltag braucht. Spontan fallen mir da noch weitere Sachen aus meiner naiven Jung-Erwachsenen-Zeit ein, die ich nie gelernt habe (und die z.T. auch mit unter "Recht und Gesetz" fallen, somit hier nicht ganz oT sind): Warum sollte man Versicherungen (PHV) abschließen? Was für Rechte und Pflichten habe ich als Arbeitnehmer, in der Ausbildung? Worum muß ich mich selbständig kümmern wenn ich von den Eltern wegziehe, z.B. Krankenversicherungsschutz, Hausratversicherung? Worauf achtet man wenn man Verträge abschließt, gleich welcher Art?

Und tausend Fragen mehr... Sowas gehört in die Schule. Und nicht zum Teil wirklich schwachsinnige chemische Formeln oder auswendig gelernte 12strophige Gedichte...

das_makro schrieb:
yerusha ich hab dich jetzt wieder lieb :)
knuddel.gif
yerusha geht jetzt schlafen damit sie nicht noch mehr solchen Unsinn verzapft...
 
yerusha, guter Einwurf.

Du meinst also eine Art "Lebenskunde". Ja scheinbar wird sowas von Hause
aus nicht mehr gelehrt. Ich meine mich daran zu erinnern, dass sowas
angedacht ist.
 
yerusha schrieb:
Wissen das man im Alltag braucht. [...] Sowas gehört in die Schule.
:clap: Völlig richtig! Warum das die großen Schreibtischtäter unseres Landes nicht einsehen weiß kein Mensch! :-?

Und wie hier schon geschrieben wurde, wüsste man sicher auch besser über die Gesetze unseres Landes Bescheid, wenn die Schule mehr für das Leben lehren würde. Bei uns wird zwar in der Oberstufe Rechtskunde angeboten, doch die Resonanz ist eher gering. Warum? Weil das nur stumpfes Pauken von Gesetzestexten ist. :( Die richtige Mischung konnte bisher leider noch niemand finden.

Tja, und nach der Schule? Hat da ernsthaft jemand Lust das deutsche Gesetz zu wälzen? Sicher nicht, denn schließlich sind wir nicht alles Anwälte und wollen auch sicher nicht alle Anwälte werden. Kein Wunder also, dass fast niemand mehr ein fundiertes Wissen über Recht und Gesetz hat.

Mal wieder wird deutlich, dass die Gründe dafür auch im Bildungssystem zu finden sind, aber auch in dem vorherrschenden Desinteresse vieler Menschen.
 
Zuletzt bearbeitet:
hfkb, so trocken wie du vielleicht meinst, ist das lernen von Gesetzen nicht.
Das ist nämlich das Leben.

Man nehme sich zum Beispiel eine Alltagsituation. Du bist in einem Geschäft
und siehst einen Mann, der gerade dabei ist sich Ware in die Tasche zu stecken, nachdem er das Sicherheitsgedönse abgerissen hat.

Die Frage im Unterricht kann nun lauten:

- Welche Vergehen begeht der Mann?
- Wo kann ich das nachlesen?
- Wie kann ich angemessen reagieren?
- Was kann/muss ich dabei beachten?

Wenn man das in solche Lagen verpackt, kann ein Unterricht in diese Richtung wirklich spaß machen.
 
das_makro schrieb:
[...] so trocken wie du vielleicht meinst, ist das lernen von Gesetzen nicht. [...]
Wenn man das in solche Lagen verpackt, kann ein Unterricht in diese Richtung wirklich spaß machen.
Das war jetzt lediglich auf unsere Schule bezogen. ;) Wir haben nämlich nur einen Lehrer, der Rechtskunde unterrichten kann.

Natürlich kann man das ansprechend verpacken, aber man kann es eben auch lassen!
 
Also wir hatten letztes Schuljahr Politik und Wirtschaft wo es dieses Jahr hauptsächlich um Gesetzte ging.
Doch wenn ich dann später irgendwo lese, dass es völliger Schwachsinn war den mir da mein Lehrer erzählt hat, wird mir klar warum keiner was von den Gesetzen weiß.
Also wenn das in der Schule vorkommt sollte auch richtig unterrichtet werden :roll:
woher soll dann der/die Schüler/in wissen, ob das jetzt richtig oder falsch war :roll:
War bei uns übrigens alles mündlich...
 
Zum Thema "Lebenskunde" fällt mir noch ein, in der 9. Klasse Gymnasium machte ich das erste Praktikum meines Lebens. Passend dazu gab es ein ganzes Schuljahr lang das Fach "Arbeitskunde". Das wäre damals prädestiniert dafür gewesen, den Schülern grundsätzliche Dinge über das Leben als erwachsener Mensch beizubringen - z.B. wie laufen Bewerbungsgespräche ab, wie schreibt man Bewerbungen, was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt und wozu werden vom Gehalt überhaupt so viele Kosten abgezogen... Vor allem weil ja nicht jeder nach der 10. Klasse weitermacht, gab auch genügend Schüler die die 10. Klasse Gymmi mit dem Realschulabschluß verließen und ihre Ausbildung anfingen (damals gab's noch Ausbildungsplätze :ugly: ) und das war nur ein Jahr später.

Stattdessen ging es ein ganzes Schuljahr nur darum, wer macht wo Praktikum und wie schreibt man darüber einen sauberen Bericht. Die Lehrerin hatte vermutlich selbst nicht so viel Peilung, das war nämlich eigentlich die Handarbeitslehrerin der Schule (noch so eine Überflüssigkeit, Handarbeiten wie stricken oder häkeln in der Schule zu lernen...).

Das ist 20 Jahre her, aber manchmal hab ich das Gefühl das ist nicht besser geworden. Zumindest haben heutige Jugendliche vermutlich genauso wenig Ahnung von dem was man später im Alltag wirklich wissen muß, wie wir damals.
 
yerusha schrieb:
Die Lehrerin hatte vermutlich selbst nicht so viel Peilung, das war nämlich eigentlich die Handarbeitslehrerin der Schule [...] .
Daran sieht man doch schon wieder, dass solche Fächer überhaupt nicht ernst genommen werden. :( Allerdings hat die Schule da wahrscheinlich nicht viel zu sagen, da die Lehrer doch vom Land zugeteilt werden!?

Aber ich muss sagen, dass wir damals in der 9. oder 10. Klasse ausführlich besprochen haben, wie man Bewerbungen und Lebensläufe schreibt und wie man sich bei einem Bewerbungsgespräch verhält. ;)

yerusha schrieb:
Zumindest haben heutige Jugendliche vermutlich genauso wenig Ahnung von dem was man später im Alltag wirklich wissen muß, wie wir damals.
Ja, damit hast du sicherlich Recht. Wie du bereits in einem vorherigen Post geschrieben hast, bleiben wichtige Dinge leider auf der Strecke. Hier scheinen die "Macher" der Lehrpläne und des Bildungssystems davon auszugehen, dass die Eltern diesen Teil leisten. :| Leider wissen die aber auch nicht immer weiter und geben ihr "Nicht-Wissen" gleich an die Kinder weiter. :-?
 
das_makro schrieb:
Naja, das sehe ich anders.
Dem entnehme ich, dass du alle zighunderttausend Seiten Gesetzestexte der Bundesrepublik gelesen hast. Diese Aussage halte ich für äußerst gewagt.

Und wenn ich Notwehr für angebracht halte, dann führe ich sie durch, weil ICH sie für angebracht halte und nicht, weil ein Gesetz sie für angebracht hält. In so einer Situation denke ich sowieso nicht darüber nach, was legal ist, sondern was in der Situation nötig ist.
 
hfkb schrieb:
Daran sieht man doch schon wieder, dass solche Fächer überhaupt nicht ernst genommen werden. :( Allerdings hat die Schule da wahrscheinlich nicht viel zu sagen, da die Lehrer doch vom Land zugeteilt werden!?
Naja, so genau weiß ich das natürlich nicht. Nur daß es wohl an der ganzen Schule keinen Lehrer gab der für so ein Fach wie "Arbeitskunde" qualifiziert war und irgend jemand mußte das ja wohl machen...

hfkb schrieb:
Aber ich muss sagen, dass wir damals in der 9. oder 10. Klasse ausführlich besprochen haben, wie man Bewerbungen und Lebensläufe schreibt und wie man sich bei einem Bewerbungsgespräch verhält. ;)
In welcher Art Schule warst Du? Realschule, Hauptschule, Gymnasium? Das Problem bei uns war, ich war auf'm Gymnasium und alle Lehrer sind davon ausgegangen, daß wir sowieso alle auf die Oberstufe gehen. Nach dem Motto "nach uns die Sintflut" sind sie vermutlich davon ausgegangen, daß man solches Wissen sicher noch in der Oberstufe erwerben kann.
Nur: erstens war die Oberstufe - zumindest bei mir - noch mehr auf Theorie etc. ausgelegt als die Mittelstufe und zweitens gab es ziemlich viele, denen 10. Klasse Gymnasium mit Mittlerer Reife damals gereicht haben. Somit wäre es schon dann doch 8. - 10. Klasse angebracht gewesen solches Wissen zu vermitteln.
 
hfkb schrieb:
Ich bin noch auf einem Gymnasium und komme jetzt in die 13. Stufe! ;)
Dann hast Du entweder Glück daß es trotzdem in der Mittelstufe drangekommen ist oder es hat sich in den letzten 20 Jahren doch einiges zum Besseren verändert oder beides :mrgreen: