Was versteht man genau unter "aus ökonomischer Sicht"?

Tess.Louise

Zahlen Junkie :)
ID: 362642
L
19 August 2009
109
8
Guten Tag allerseits,

habe im Moment ein kleines Problem und zwar studiere ich im 2. Semester Wirtschaftswissenschaften, wobei man sich erst nächste Jahr auf BWL oder VWL spezialisieren kann.

Da VWL nicht gerade meine Stärke ist, habe ich bei der anstehenden wissenschaftlichen Hausarbeit BWL als Präferenz angegeben. Gestern trudelte dann die Email mit dem VWL Thema ein - Bingo :biggrin:

Da heißt es jetzt "Bewerten Sie die Zielsteurungskonzepte der Schweizer Arbeitslosenversicherung aus ökonomischer Sicht" - nochmal Bingo.

Mal die Tatsache außer Acht gelassen, dass ich wahrscheinlich eine Weile brauchen werde um herauszufinden was Zielsteuerungskonzepte sind, wollte ich jetzt erst mit den einfachen Dingen anfangen.

Meine Frage lautet deswegen was - ganz genau - mit den Worten "aus ökonomischer Sicht" normalerweise verlangt wird und dann im Bezug auf die Evaluation einer Arbeitslosenversicherung.

Ich würdet mir damit unheimlich weiterhelfen.
Vielen Dank und schöne Grüße
Tess
 
Dann kratz ich mal mein Wissen zusammen und versuche es mit einer "Übersetzung" (ich hasse übrigens Fremdwörter wenn es dafür deutsche Wörter gibt):

Bewerten Sie die Zielsteuerungskonzepte der Schweizer Arbeitslosenversicherung aus ökonomischer Sicht
konzept = Plan oder Vorgabe, sogar eine Vorstufe einer Theorie

ökonomisch = Wirtschaftlichkeit

Also auf gut (hoch-)deutsch
"Bewerten sie die Zielvorgaben der .. aus wirtschaftlicher Sicht"

Daraus folgt das man die Zielvorgaben kennen muss, und dann halt ermitteln wie die sich mit den wirtschaftlichen Verhältnissen vertragen.
Über die ALV in der Schweiz findet man was bei Wiki, und der Rest ist dann das warum jemand studiert.. :mrgreen:
Wenn also die Zielvorgaben sind den Beitrag möglichst niedrig zu halten, aber dadurch nicht mehr Leute vermittelt werden können ist es negativ zu bewerten.
Andererseits führt ein zu hoher Beitrag wiederum für Arbeitgeber zu hohen Lohnnebenkosten und dann wird auch keiner vermittelt.

Hth
Greets
Norbert
 
Danke für deinen Beitrag Norbert. Das hilft wirklich :D

Also das ich das richtig verstanden habe, im Endeffekt läuft die Arbeit auf eine Soll - Ist Analyse hinaus? Meine Aufgabe wird es dann sein herauszufinden, dass Schweizer zum Beispiel im Durchschnitt nach 6 Monaten wieder einen Job haben, dann analysiere, ob sie das auch tatsächlich hinbekommen haben und zum krönenden Abschluss noch erkläre was für Mittel / Wege eingesetzt wurden um das Ziel zu erreichen, dass ich auch tatsächlich auf meine 40 Seiten komme :biggrin:

Wenn das so ungefähr hinkommen sollte, dann kann ich jetzt auf jeden Fall ein klein wenig beruhigter schlafen :mrgreen:

Nochmals merci
Tess
 
.. dass ich auch tatsächlich auf meine 40 Seiten komme :biggrin:
Schriftgröße 14 lässt sich sehr gut lesen, 1,5 zeilig und min 2,5 cm Rand überall.. dann sollte das zu schaffen sein.
Wenn das so ungefähr hinkommen sollte, dann kann ich jetzt auf jeden Fall ein klein wenig beruhigter schlafen :mrgreen:
Da bin ich froh das ich helfen konnte, meine Tochter studiert auch gerade und die hat sich "Integrierte Sozialwissenschaften" ausgeguckt, die hat von allem was. Da fällt es mir schwerer zu helfen.

Aber Du schaffst das bestimmt.... nur immer dran denken:" Wenn es die letzte Minute nicht gäbe würden einige Sachen nie fertig" (von Mark Twain)

Schönes WE
Greets
Norbert
 
Wird haben da auch unsere Vorgaben - 12 ; Times New Roman - und selbst wenn die nicht wäre, ist da noch die Vorgabe mit 50.000 Zeichen, mit der nicht einmal Schriftgröße 20 etwas bringen würde :biggrin:

Naja, dann eben Absatz und Co mit Leerzeichen entstehen lassen :D
vllt. ein wenig zu kompliziert zu formatieren :ugly:


sorry für OT !!!
 
Da heißt es jetzt "Bewerten Sie die Zielsteurungskonzepte der Schweizer Arbeitslosenversicherung aus ökonomischer Sicht" - nochmal Bingo.
Ich würde daraus folgendes verstehen:

Die Schweizer haben sich Ziele bei der Arbeitslosenversicherung gesetzt, also z.B. eine Maximalsumme der Zahlungen oder ähnliches. Um das zu erreichen, haben sie Pläne gemacht und Konzepte erstellt, wie man zu diesem Ziel kommen will. Die kosten vermutlich Geld. Zum Beispiel Fortbildungen für Langzeitarbeitslose, mehr Betreuer etc. Und Du sollst jetzt bewerten, ob das ökonomisch sinnvoll ist oder nicht. Ob es sich quasi rechnet, weil man später mehr einspart als man jetzt investiert.

Marty
 
Ich würde daraus folgendes verstehen:

Die Schweizer haben sich Ziele bei der Arbeitslosenversicherung gesetzt, also z.B. eine Maximalsumme der Zahlungen oder ähnliches. Um das zu erreichen, haben sie Pläne gemacht und Konzepte erstellt, wie man zu diesem Ziel kommen will. Die kosten vermutlich Geld. Zum Beispiel Fortbildungen für Langzeitarbeitslose, mehr Betreuer etc. Und Du sollst jetzt bewerten, ob das ökonomisch sinnvoll ist oder nicht. Ob es sich quasi rechnet, weil man später mehr einspart als man jetzt investiert.

Marty

Hallo Marty,

danke für die Antwort. Dein Interpretationsansatz hört sich wirklich sehr sinnvoll an.

Aus deiner Sicht würde es dann so sein, dass ich die Schweizer Arbeitslosenversicherung von heute mit der von vor 15 Jahren vergleichen soll (Reform des Arbeitslosenversicherunggesetztes mit der Schaffung des Pendant zum den Deutschen Jobcentern).
Dort werde ich dann wahrscheinlich eine effizientere Arbeitsvermittlung feststellen können, zum Beispiel, dass die Wiedereingliederungzeit von 10 Monaten auf 7 Monate zurückgegangen ist.
Und das eingesparte Geld durch die 3 Monate (Arbeitslosengeld; Weiterbildungsmaßnahmen etc.) muss ich dann gegen die Kosten aufrechnen die das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum verursacht.
Ist das so richtig?

Soziale Komponenten spielen bei der ökonomischen Sicht keine Rolle oder oder kann man das noch in einer Form mit einbauen, da die schnellere Vermittlung auch sicher positive Auswirkungen auf der Vermittelten haben wird.

Danke für die Unterstützung
Tess
 
Edit
//Die Frage hat sich schon wieder erledigt. Habe nun sehr schnell festgestellt, dass ich die Arbeit eher für meinen Doktor später nehmen sollte :D //

Guten Morgen allerseits,

ich hätte noch einmal eine wichtige Frage, die an alle gerichtet ist. Und zwar ist mir gestern Abend vor dem schlafen gehen noch eine neue Betrachtungsweise gekommen.

Wollte eigentlich untersuchen wie viel schneller Arbeitslose wiedereingegliedert werden mit den arbeitsmarktlichen Maßnahmen (AMM) und dann die Einsparungen den Kosten für die AMM gegenüberstellen.
Allerdings ist jetzt folgende Überlegung im Spiel. Nehmen wir an Frau Müller macht einen Sprachkurs und bekommt dann den Job im Reisebüro. Herr Meier, der den Job sonst durch seine bereits vorhandenen Kenntnisse bekommen hätte, geht in diesem Fall dann leer aus.

Was ich damit sagen möchte, ist, dass auf mikroökonomischer Sicht die AMM für die Agentur ein Erfolg war (Frau Müller hat wieder einen Job), aber auf makroökonomischer Ebene war die AMM somit nicht sinnvoll - abgesehen von der Tatsache, dass nun eine weitere Person im Land eine Sprache besser beherrscht.

Meint ihr die Fragestellung lässt es zu, dass ich diese makroökonomischen Effekte untersuchen kann? Da gibt es bestimmt Modelle, mit denen man den Nutzen berechnen kann.
Bin mir eben nur nicht sicher, ob der Begriff "aus ökonomischer Sicht" auch die makroökonomische Sicht only zulässt.

Ihr wisst gar nicht wie sehr ihr mir mit einer Antwort helfen würdet, da mein Dozent bei jeglichen Fragen total abriegelt. Vielen Dank im Voraus.

Lg Tess
 
Zuletzt bearbeitet:
Mal aus Unternehmessicht:

Es geht für dich zu analysieren, wieviel Europ eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt kostet (von der Betreuung, über das AL-Geld und sonstige Kosten).
Diese Kosten sollten klein sein. Wird nur 6 Monate AL-Geld gezahlt, weil der Arbeiter dann vermittelt wurde, so können die Fortbildungskosten auch höher sein. Wird aber im Schnitt 12 Monate gezahlt, so sind die restlichen kosten niedrig zu halten.

Evtl. solltest du mal bei der ARGE anfragen, dann hast du schonmal Zahlen, die du vergleichen kannst.
 
Mal aus Unternehmessicht:

Es geht für dich zu analysieren, wieviel Europ eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt kostet (von der Betreuung, über das AL-Geld und sonstige Kosten).
Diese Kosten sollten klein sein. Wird nur 6 Monate AL-Geld gezahlt, weil der Arbeiter dann vermittelt wurde, so können die Fortbildungskosten auch höher sein. Wird aber im Schnitt 12 Monate gezahlt, so sind die restlichen kosten niedrig zu halten.

Evtl. solltest du mal bei der ARGE anfragen, dann hast du schonmal Zahlen, die du vergleichen kannst.

Danke für deine Antwort. Mir wirft sich bei dieser Betrachtungsweise inzwischen allerdings die Frage auf, ob es möglich ist alle Aspekte zu erfassen, die nötig sind um eine entsprechende Analyse durchführen zu können.

In einem ersten Schritt wäre es notwendig herauszufinden was der durchschnittliche Jobsuchende in einer bestimmten Zeiteinheit kostet, wofür der Durchschnitt von folgenden Daten benötigt werden würde:
  • Höhe des Arbeitslosengelds
  • Kosten der Kursteilnahme
Hinzu kommen allerdings auch die Kosten der Verwaltung etc. , die meiner Meinung nach nicht verlässlich ermittelt werden können, da sie ebenfalls ständigen Änderungen unterworfen, diese sich allerdings noch nicht sofort zurechnen lassen können. Beispielsweise wollen die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren ihre Belegschaft dieses Jahr von 3.000 auf 4.000 erhöhen. Wie kann ich dem am besten Rechnung tragen?

In nächsten Schritt müssten man, so wie ich es verstanden habe, vergleichen wie hoch die Einsparungen sind, die dadurch generiert wird, dass die Gruppe, die an den Wiedereingliederungsmassnahmen teilnimmt, zum Beispiel 2 Monate früher wieder einen Job hat, als Menschen, die dort nicht teilnehmen. Dort müsste ich ja dann folgendes berücksichtigen:
  • Einsparungen an Arbeitslosengeld, das nicht mehr ausbezahlt werden muss
  • Zusätzliche Einnahmen, die durch Einzahlung in die ALV entstehen
  • Ressourcen (Verwaltung etc.) die anderweitig verwendet werden können

Habe ich noch Aspekte vergessen, die unbedingt mit einbezogen werden sollten?

Liebe Grüße
Tess
 
Mal kurz drüber geschaut:

1. Die Verwaltungskosten sind immer gleich, egal wielang und wieviele AL da sind.
2. Es interessiert weniger, wie lang die Zeiteinheit ist, die ein AL in Vermittlung ist, hier interessieren nur die Gesamtkosten, die entstehen.
Wenn 1 MRD zur Verfügung stehen und davin 200 Mio in die Verwaltung gehen (laufende Kosten), so musst du meiner Meinung nach analysieren, wie die restlichen 800 Mio angelegt sind. (Wirtschaftlich oder nicht)
Kostenermittlung sollte wiefolgt aussehen:
Laufende kosten (AL-Geld)+ notwendige Förderung
Nun gibt es einen statistische Wiedervermittlungsdauer.
Somit kannst du Kosten/Wiedervermittlung errechnen. (Startwert)

Was machst du damit?
- Verwaltungskosten senken, Vermittlungsdauer wir erhöht
Daraus: Kompensieren die Verwaltungseinsparungen die Mehrkosten (längere Vermittlugnsdauer, weniger ALV-Einahmen)
- Verwaltungskosten erhöhen
Daraus: Vermittlungsdauer wird verringert, können die Mehrkosten der Verwaltung durch eine schnellere Vermittlung wieder rausgeholt werden?

Um auf dein Thema zu kommen: Du solltest den Istzustand mit dem Idealwert (Wenigsten kosten der Gesamtvermittlung des Arbeitslosen) vergleichen. Statistiken dazu wird es geben.
Ist der Istzustand nach am Soll, so ist deine Frage beantwortet. Ist diese weit entfernt, so solltest du noch Verbesserungsmaßnahmen vorstellen.

Und nun mach dir deine Gedanken!
 
Hi Tess,

ich finde das ursprüngliche Thema leichter als das, welches Du dann neu aufgeworfen hast. Wie ich die erste Fragestellung behandeln würde: Zahlen sammeln von Vermittlungskosten/Arbeitsloser vor Einführung der Zielmaßnahmen und hinterher. Beides dürfte als statistische Daten vorliegen, muss also weder geschätzt noch hypotetisch ermittelt und damit fehleranfällig sein, was die Vergleichbarkeit erhöht. Die gegenüber gestellten Zahlen liefern ja die Antwort auf die Frage nach der "ökonomischen Sicht" bzw. ergeben die Bewertung. Eventuell kann man hier noch einzelne Maßnahmen hervorheben, die besonders erfolgreich sind, bzw. solche, die wenig bringen (um auf die 40 Seiten zu kommen). Damit ist das Thema recht scharf abgegrenzt und muß nicht endlos aufgeblasen sein.

Das zweite vorgeschlagene Thema ist wesentlich umfangreicher, nicht nur was die Rechnerei betrifft. Während das erste gezielt makroökonomisch orientiert ist, fällt es Dir beim zweiten schwerer, die Grenzen zu ziehen. Ich würde beim Thema bleiben und es einfach übersichtlich halten. Im zweiten Semester geht es wohl im wesentlichen darum wissenschaftlich zu arbeiten, also zu erheben bzw. zu analysieren usw. und vielleicht noch nicht darum ein riesiges Thema komplett zu behandeln (was auf 40 Seiten ohnehin nicht möglich scheint).

Lg.