News Versäumte Vergangenheitsbewältigung: So antisemitisch war die DDR

News-Bot

klamm-Bot
25 April 2006
7.466
209
[N] Versäumte Vergangenheitsbewältigung: So antisemitisch war die DDR

Folgende News wurde am 09.08.2008 um 19:42:00 Uhr veröffentlicht:
Versäumte Vergangenheitsbewältigung: So antisemitisch war die DDR
Shortnews

In Trier eröffnet ab kommendem Mittwoch eine Ausstellung in der VHS, die den Namen "Das hat's bei uns nicht gegeben - Antisemitismus in der DDR" trägt. Insbesondere die mangelhafte Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der DDR stehen im Fokus dieser Ausstellung. Im Zentrum der DDR-Doktrin stand die Verfolgung der Arbeiterbewegung durch die Nazis. Die Juden, die wie keine zweite Gruppe unter dem NS-Regime zu leiden hatten, spielten nur eine Nebenrolle. So konnte sich ein antisemitischer Bodensatz in der DDR latent manifestieren. Dies steht entgegen der weitläufigen Meinung, in der DDR habe es so etwas nicht gegeben - ganz im Gegenteil, ganz nach dem Vorbild des großen Sowjetischen Bruders wurden dort "jüdische Kosmopoliten" und "zionistische Agenten" diskriminiert. Die Ausstellung läuft bis zum 7. September.
 
Zu erwartende Redner:

[...] Photon [...]
Hier! :LOL:

Ja, wie bereits im Kommentar geschrieben, ist das mal wieder totale Grütze, wie sie dümmer nicht sein könnte.

Ich habe in der Schule fast ein ganzes Jahr nur Drittes Reich durchgekaut. Und auch sonst hat es sich die DDR im Unterricht nicht nehmen lassen, immer mal wieder gegen den Kapitalismus und in dem Atemzug auch gleich Nationalsozialismus zu hetzen. Denn damals hieß es, dass Faschismus die "radikalste und militante Form des Kapitalismus sei" und somit die BRD viel näher einem H****r steht, als es im Sozialismus überhaupt möglich wäre. Immer wieder eine nette Anekdote, da der Teil von Stalin und Vietkong immer gern ausgespart wurde :LOL:

Jedenfalls wurde die Geschichte vor dem Dritten Reich, das Dritte Reich selbst und die Nachkriegsgeschichte mit dem "glorreichen Erwachen der Deutschen Demokratischen Republik" bis zum Abkotzen durchgekaut. Ein Wunder, dass ich überhaupt noch weiß, wer oder was Habsburger sind und was ein Limes ist. Begleitend dazu haben wir als kleine Rotzlöffel 2x von der Schule aus KZs besucht. Dort gab es viele Bilder und Geschichten zu hören, wie etwa, dass einem Juden (von anderen Opfern war schon damals nicht die Rede) die Hände auf dem Rücken zusammengebunden wurden und dann mit Hilfe einer Umlenkrolle die Arme so lange nach oben gezogen wurden, bis sie ausgekugelt waren. Oder dass Juden nie etwas zu essen bekamen, dafür aber Schuhe den ganzen Tag lang testen mussten bis die Sohlen abgelaufen waren. In der Schule wurden wir mehrfach ausgehorcht, wessen Großväter wohl Mitglieder der NSDAP gewesen waren und was diese Großväter wohl ihren Enkeln erzählen würden. Wie dem auch sei - ich habe schon sehr früh gelernt, die Fresse zu halten.

Das, was hier als "antisemitisch" bezeichnet wird, ist der Tatsache geschuldet, dass die DDR sich stets weigerte, auch nur einen Pfennig an Israel zu zahlen. Das begründete man offiziell damit, dass man das Erbe Hitlers nicht antreten wollte, sondern einen neuen deutschen Staat schuf, in dem ein Nationalsozialismus gar nicht mehr möglich ist und somit ein H****r keine Chance hätte. Es gab ja auch nicht die Not, wie zeitgleich in der BRD mit Existenzängsten, Arbeitslosig- und damit verbundener Perspektivlosigkeit. Folglich, so meinte man, gäbe es keinen Nährboden auf seiten der DDR. Was daran nun stimmt und was nicht, spielt keine Rolle. Aber zum damaligen Zeitpunkt kannte ich die Geschichte der Juden und des Dritten Reiches besser als meine Familiengeschichte.

Aber es ist wie immer: Der Sieger schreibt die Geschichte. Die "Wiedervereinigung" war nur eine Angliederung des Ostens an den Westen, nichts anderes. Daher ist der Westen der Sieger des kalten Krieges (und ist es noch immer, wenn ich mir das Lohngefälle West -> Ost anschaue und tausend anderer Sachen).

Nein Perlini, ich fühle mich nicht als Ostler angegriffen, auch nicht als "Chef-Nazi" von Klamm. Auch nicht in meiner freizeitlichen Funktion als Antisemit, Rassist oder meiner vollzeitlichen Beschäftigung als "brauner Pöbel". Es ist einfach eine Unverschämtheit, so einen Mist in die News zu schreiben. Die DDR hat unbestritten viel Scheiße gebaut. Aber dem Bildungssystem der DDR nun auch noch mangelhafte Aufklärung in puncto Drittes Reich vorzuwerfen, ist eine Lüge und nur Wasser auf die Mühlen des Pöbels, der "es schon immer wusste".

Schließlich muss es ja einen Grund haben, dass im Osten NPD und DieLinke so stark sind. Und das kann unmöglich damit zusammenhängen, dass dort die Arbeitslosigkeit enorm hoch ist, der Westen nach wie vor den Osten auslutscht, ganze Gemeinden veröden, weil die Jugend in den Westen zieht, ... - nein, das kann nur Schuld der DDR sein...

Ich könnte kotzen.

Gruß,
Photon
 
Nein Perlini, ich fühle mich nicht als Ostler angegriffen, auch nicht als "Chef-Nazi" von Klamm. Auch nicht in meiner freizeitlichen Funktion als Antisemit, Rassist oder meiner vollzeitlichen Beschäftigung als "brauner Pöbel". Es ist einfach eine Unverschämtheit, so einen Mist in die News zu schreiben. Die DDR hat unbestritten viel Scheiße gebaut. Aber dem Bildungssystem der DDR nun auch noch mangelhafte Aufklärung in puncto Drittes Reich vorzuwerfen, ist eine Lüge und nur Wasser auf die Mühlen des Pöbels, der "es schon immer wusste".
"Chef-Nazi von Klamm" - hier ist aber einer abgehoben.

Hast du eigentlich nur den Artikel gelesen oder auch die Quelle? Solltest du vielleicht mal machen.
Denn es ist weder eine "Unverschämtheit" noch eine "Lüge", daß die Aufklärung in Puncto Drittes Reich mangelhaft war. Das hat zwei Ursachen:

:arrow: Die DDR hat recht früh (50er Jahre) bei der Vergangenheitsbewältigung einen Schlußstrich gezogen. Eine Auseinandersetzung um die Schuld fand so nicht statt. Wie du schon geschrieben hast, führte diese Schlusstrichargumentation auch dazu, daß die DDR nie irgendwelche Zahlungen an im Ausland lebende Juden leistete. Ehemalige Nazis wurden registriert und so lang sie sich loyal zum Staate verhielten, unbehelligt gelassen.

:arrow: Punkt zwei ist genau der Sachverhalt, den die im Artikel erwähnte Ausstellung dokumentiert. Die Verbrechen des NS-Regimes wurden vom DDR-Regime für die "Klassentheorie" genutzt. Die Arbeiterklasse war DAS Opfer der (vom Finanzkapital gesteuerten) NS-Diktatur. Der Widerstand erfolgte außschließlich durch die kommunistische Arbeiterklasse (damals hieß der Märtyrer Ernst "teddy" Thälmann, heute Graf Stauffenberg). Die größte Opfergruppe, die Juden, wurden erwähnt und das Verbrechen an ihnen behandelt, aber im Focus stand klar die (kommunistische) Arbeiterklasse. Denn die DDR war laut Doktrin ein antifaschistischer Arbeiterstaat, und der Feind war der kapitalistische Westen, der viele Nazis deckte.

Diese zwei Punkte zeigen klar, daß die Aufklärung mangelhaft gewesen sein muß. Sie war - wie du ja darlegst - quantitativ nicht zu kritisieren, qualitativ gab es doch einige Mängel.

Aber in der Ausstellung geht es ja mehr um den Antisemitismus in der DDR. Und das es den gab bzw. gegen ihn nicht vorgegangen wurde, dürfte bei diesem antireligösen und antikapitalistischen (ein Hoch auf das Klischee) Staat wohl klar sein.

Zu guter Schluß, um einen Rahmen zur Pöbelei am Anfang zu schließen - ich bin wohl nur ein Opfer der Geschichtsschreibung der Siegermächte. :mrgreen:
 
Ergänzung: In dem von jumper2 verlinkten Artikel stehen natürlich auch Dinge, die man so gar nicht mitbekommen hat. Nun fragt man sich, wie so was passieren kann?

Ganz einfach: Nach dem Dritten Reich herrschte in Deutschland ein akuter Mangel an Männern. Muss wohl am Krieg gelegen haben, in dessen folge die meisten irgendwo verreckt sind. Jedenfalls wurde sowohl auf Seiten der DDR, als auch der BRD natürlich die Leute eingesetzt, die das entsprechende Amt am besten ausfüllen konnten. Und das waren nunmal Leute, die auch unter H****r gedient/gearbeitet hatten. So saßen im ZK der SED sehr viele hohe Nazi-Funktionäre ebenso wie im Westdeutschen Bundestag.

Erst später kam in der BRD der Radikalenerlass (wohl mehr wegen der RAF, aber in seinem Zuge wurde auch mit den ganzen noch nicht "entnazifizierten Nazis" abgerechnet. Viele wurden ihrer Posten enthoben, kamen dann in der Wirtschaft oder hinter den Kulissen zum Einsatz. In der DDR hat man sie weiter schalten und walten lassen, nur unter anderer Flagge und damit anderen Feinden. Die Methoden waren jedoch die Gleichen.

Aber dem Bildungssystem der DDR vorzuwerfen, sie hätten eine mangelhafte Aufklärungsarbeit geleistet, haut dem Fass wirklich den Boden aus.

Gruß,
Photon

"Chef-Nazi von Klamm" - hier ist aber einer abgehoben.
Ich wollte nicht gleich das Wort "Führer" auf meine Person anwenden...

:arrow: Die DDR hat recht früh (50er Jahre) bei der Vergangenheitsbewältigung einen Schlußstrich gezogen. Eine Auseinandersetzung um die Schuld fand so nicht statt.
Weil es keine Schuld gibt. Die Schuldigen wurden beim Nürnberger Prozess bestraft. Alle anderen wurden entnazifiziert - vom Kinde bis zum Greise. Alles, was darüber hinaus geht, kann man als Erbe annehmen oder ablehnen. Deutschland hat seine Kriegsschuld in Form von massenhaften Gebietsabtretungen, Knebelverträgen und dergleichen ebenfalls beglichen. Es gibt keine Schuld mehr, die abzudienen wäre. Und das ist mein Standpunkt, nicht der Standpunkt der DDR. Folglich hat es die DDR goldrichtig gehandthabt.

Als Deutsche haben wir nur einzig und allein die Pflicht, dass jemand wie H****r oder ein Stalin nie wieder das Ruder übernehmen kann. Das sind wir aber vor allem auch unserem eigenen Volk schuldig, die sinnlos an der Front ihr Leben für einen hoffnungslos überforderten und wahnsinnigen Mann gelassen haben.


:arrow: Punkt zwei ist genau der Sachverhalt, den die im Artikel erwähnte Ausstellung dokumentiert. Die Verbrechen des NS-Regimes wurden vom DDR-Regime für die "Klassentheorie" genutzt. Die Arbeiterklasse war DAS Opfer der (vom Finanzkapital gesteuerten) NS-Diktatur. Der Widerstand erfolgte außschließlich durch die kommunistische Arbeiterklasse (damals hieß der Märtyrer Ernst "teddy" Thälmann, heute Graf Stauffenberg). Die größte Opfergruppe, die Juden, wurden erwähnt und das Verbrechen an ihnen behandelt, aber im Focus stand klar die (kommunistische) Arbeiterklasse. [...]
Stimmt doch überhaupt gar nicht. Bei KZ-Besuchen war nur von Juden die Rede. Im Unterricht wurden alle anderen Opfer neben den Juden ebenso erwähnt. Der Focus lag allerdings auf den hingerichteten Kommunisten, das stimmt. Aber daraus kann man der DDR keinen Strick drehen, heute ist nur noch von Juden die Rede. Wieviele Schüler werden wohl wissen, dass in KZs auch Zigeuner, Kommunisten, Behinderte, Slaven und so weiter hingerichtet wurden, nebst Schwerverbrechern?

Ich habe schon im Osten gesagt: "Scheiß Siegergeschichte". Damals wurden die Bücher von den Russen geschrieben. Heute sage ich wieder "Scheiß Siegergeschichte", weil die Bücher von ... ach, lassen wir das. Ich halte besser die Fresse. Wieder mal.

Aber in der Ausstellung geht es ja mehr um den Antisemitismus in der DDR. Und das es den gab bzw. gegen ihn nicht vorgegangen wurde, dürfte bei diesem antireligösen und antikapitalistischen (ein Hoch auf das Klischee) Staat wohl klar sein.
Ach so? Na ich hätte in der Schule wohl kaum meinen legeren Spruch anbringen dürfen "Juden durch den Schornstein jagen". Was meinst Du wohl, was dann los gewesen wäre? Dass es vereinzelt bei Staasi-Verhören zu Aussetzern gekommen ist (wie im Link von jumper2 gepostet), mag ja sein. Wird es beim BND auch - nur hat die BRD den Kalten Krieg gewonnen, daher bleibt das noch alles unter Verschluss. Wäre es anderes gekommen, dann wäre ich mal gespannt gewesen, was da alles zum Vorschein gekommen wäre...

Zu guter Schluß, um einen Rahmen zur Pöbelei am Anfang zu schließen - ich bin wohl nur ein Opfer der Geschichtsschreibung der Siegermächte. :mrgreen:
So leid es mir tut perlini - Du bist eigentlich ein heller Kopf. Aber gelegentlich ziehst Du es vor, ihn nicht zu benutzen. Das ist schade, wirklich.

Gruß,
Photon