Eure Meinung zu Ultras im allgemeinen

Sang_il

Well-known member
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24 April 2006
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Hallo,
ich wollte einmal etwas über den Hamburger Tellerrad gucken und mal bei Euch rumfragen, wie ihr zu dem Thema Ultras steht (Egal ob Fussball oder Handball).

Einige sagen ja, die Ultras zerstören die kreativität des einzelnen, oder sind zu radikal.

Vielleicht seid ihr ja selber Mitglied bei Ultras XY
Wie steht ihr zu dem Vorfall von z.B. der Schickeria München?
 
Wenn wir mal ehrlich sind, gäbe es in den meisten deutschen Stadien ohne die Ultrabewegung keine Stimmung mehr. Zumindest kenn ich das aus Stuttgart. Bevor das CC im Jahre 1997 gegründet wurde, war im Stuttgarter Stadion absolut tote Hose.

Von daher bewundere ich die Arbeit der Ultras schon ziemlich, da sie in ihren Anfangsjahren sicherlich aus fast nichts etwas auf die Beine stellen mussten und das haben sie sehr gut hinbekommen.

Zu dem Punkt sie würden die Kreativität des einzelnen stören:
Da können die Ultras meiner Meinung nach nicht mal was. Es gibt derzeit einfach zu viele Kiddies die die Ultras total anhimmeln und genau wie die Ultras sein wollen. Dabei wird ihnen von den Ultras zumeist nichtmal direkt was vorgeschrieben. Es gibt doch soviele Leute die nicht nur im Stadion sondern auch hauptsächlich in der Schule groß rumprotzen sie wären der größte Ultra, dabei sind sie es überhaupt nicht. Ich denke die meisten haben gar keine eigene Kreativität, da für sie der Ultraskult so vorangeschritten ist. Sie leben sich gar nicht aus, da sie die Ultras anhimmeln.
Da kann man nun natürlich sagen die Ultras wären dran Schuld weil es sie gibt aber ich denke das ist jedem sein eigenes Ding. Wenn man seine eigene Kreativität ausleben will, gibt es auch einen Weg.

Zur Schickeria: Zu denen kann ich nicht viel sagen. Ich weiß nur das bei Auswärtsspielen der Bayern bei uns in Stuttgart immer nur ca. 150-200 Mann im unteren Bereich der Blocks mitmacht und ansonst tote Hose ist. Ich denke die Schickeria hat sicherlich einen sehr schweren Stand, da sie um sich rum nur Erfolgsfans haben. Deshalb denke ich, dass sie auch nie wirklich viel erreichen werden. Auch wenn sie an sich eine recht starke Gruppe sind, werden sie unter den ganzen "Sympathisanten" und Erfolgsfans wohl nie richtig akzeptiert sein. Das ist denke ich das Problem der Schickeria.
 
Und die Frankfurter sind der inoffizjeler Meister in Thema stimmung in Deutschland persöhlich am lächerlichsten finde ich die Bayern auch wen das ansichtsache sein wird
 
Ok. Hatte bei der Überschrift zuerst etwas "Anti-Ultramäßiges" erwartet. Wohlmöglich weil Fussballfans ja eh nur Verbrecher sind...

Hier in Hamburg beobachte ich auch immer die Stimmung im gesamten Stadion und neben der Nordtribüne (inkl. Ultra Block und Stehrang) geht max. im Langnese Familien Block ( :D ) etwas. Ohne die CFHH wäre hier doch kaum was los. Auch wenn es sicherlich noch einige sehr engagierte andere Fanclubs gibt. Die aber in Wirken und Aktionen sehr verschieden sind...

Naja.. ohne Ausschweifen zu wollen: Ich begrüße Ultras. Und der Fussballfan - nicht der neumodische Eventfan, Politiker - tut dies auch.

Ich bewundere nebenbei die Hamburger Choreos. Deutschlandweit sicherlich Spitzenreiter. Vl schafft man es auch noch irgendwann einmal mehr als nur Die Nord miteinzubeziehen...
 
Krille schrieb:
Ok. Hatte bei der Überschrift zuerst etwas "Anti-Ultramäßiges" erwartet. Wohlmöglich weil Fussballfans ja eh nur Verbrecher sind...

Ich kann ja mal versuchen, diese Rolle zu übernehmen :D

Bin seit vielen Jahren Besucher der Dortmunder Südtribüne und kenne die oft sehr unsachlich geführte "Ultra"-Debatte sehr gut. Obwohl ich diesen Fanclubs nicht prinzipiell negativ gegenüber stehe, gibt es aus meiner Sicht einen Hauptkritikpunkt: Die Fanclubs, die sich das Attribut "Ultra" zuschreiben, stellen oft einen Absolutheitsanspruch an den Begriff "Fan" und die Aufgabe des "Supports" im Stadion, der ihnen bzw niemandem zusteht.

Wiewohl es zutrifft, dass in zahlreichen Stadien durch gezielte Ultra-Choreographien oder deren Capos und Mitglieder eine oft sehr stimmungsvolle Atmosphäre aufkommt, trifft es nicht zu, dass ohne diese Gruppen "nichts los" wäre. Das ist eine oft nicht ganz uneigennützig getroffene Aussage des oder der führenden Ultra-Fanclubs, die nicht selten einer starken Geltungssucht entspringt. Besonders albern wird es, wenn sich verschiedene Fanclubs um die "Vorherrschaft im Block" streiten oder auch innerhalb eines Fanclubs Streitigkeiten a la "wer ist hier eigentlich mehr ultra, du oder ich" ausbrechen. Dann wird deutlich, dass der Verein in den Hintergrund rückt und es in Wahrheit um einen "Verein im Verein" geht.

hampf schrieb:
Es gibt derzeit einfach zu viele Kiddies die die Ultras total anhimmeln und genau wie die Ultras sein wollen.

Generell ist zu bemerken, dass Ultra-Vereinigungen zwar Mitglieder aus allen Altersgruppen beherbergen, im Schnitt aber recht jung aufgestellt sind. Viele dieser "Kiddies", die oft am lautesten über "Modefans" schimpfen, sind selbst noch so jung, dass von ihnen oft gebrauchte Phrasen wie "früher war alles besser" oder "der Verein verliert an Tradition" unfreiwillig komisch klingen. Tatsache ist jedenfalls, dass sich oft sehr junge Fans im Fanblock, der oft als Knotenpunkt oder Seele des Fanlebens dargestellt wird, austoben. Wenn diese älter werden, wandern sie oft auf die Sitztribüne und überlassen der nächsten Generation das Feld. Über die Selbstverliebtheit und das "sich wichtig nehmen" können sie dann mit einer guten Portion Selbstironie mit dem Auge zwinkern. So ist es jedenfalls in Dortmund, ich kenne da viele Beispiele.

Sehr gefährlich und wohl auch der umstrittenste und am hitzigsten diskutierte Punkt ist immer die Diskussion um "Modefans", "Erfolgsfan", "Mitläufer" etc. Da gibt es viele Wörter.

Auch hier kann man oft ein scheinbar paradoxes Phänomen erleben: Besonders die, die noch gar nicht so lange mit dem jeweiligen Club mitfiebern, müssen sich am lautesten gegenüber den vermeindlichen "Modefans" abgrenzen. Älteren Fans hingegen ist bewusst, dass eine Zu- und Abnahme des Fanvolumens ein völlig normaler Vorgang ist.

Zwar gibt es besonders treue und weniger treue Fans, was ich gar nicht bezweifeln will. Es ist jedoch ein Irrglaube, zuströmende Fans seien generell eine Verwässerung. Man sollte sich klarmachen, dass quasi die gesamte Fankultur an sich auf einem steten Wachstum hervorgegangen ist, und besonders die Entwicklung von Fangesängen eine nicht programmierbare Eigendynamik besaß, und nur äußerst selten die Komponente einer von außen herbeigeführten Gesangsvorlage ins Spiel kam. Die Fan- und Gesangskultur hat sich ganz von alleine entwickelt und ist von "neuen Fans" übernommen worden, lange bevor organisierte Stimmungskommandos in ihrer heutigen Form existierten.

Den jeweiligen Einfluss und der Absolutheitsanspruch der verschiedenen Ultra-Gruppen kenne ich nicht zur Gänze, mir sind nur einige Beispiele vertraut. Deshalb kann ich auch kein Gesamtfazit ziehen. Deshalb belasse ich es bei diesen Beobachtungen und würde mich freuen, wenn ihr diese aus eurem Blickwinkel kommentieren würdet.
 
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