Dank Fußballspieler höre ich keine Nachrichten mehr

Hellstorm

Minima de malis
ID: 110419
L
11 August 2006
293
43
Mal kurz gefragt:
Muss es sein, dass im Radio fast alle 5 Minuten wieder die Nachricht über den Tod von Robert Enke kommt?
Mittlerweile bin ich schon so genervt, dass ich das Radio aus habe und nur noch Musik über last.fm oder Winamp höre.
Es mag für einige sicherlich eine wichtige Nachricht sein, aber ist sie wirklich so wichtig, dass im Radio nichts anderes mehr kommt? Scheinbar zumindest bei NDR1 NDS.
Wenn man dann noch ein Interview einer Mutter hört, die sich fragt wie sie das ihrem Sohn beibringen soll, hab ich echt das Gefühl, die Welt wird deswegen untergehen.

Wenn irgendwo sich jemand vor nen Zug schmeißt, hört man meistens höchstens in den Regionalnachrichten was davon. Kaum ist es jemand, den man mal im Fernsehen sieht, ist es Wochenlang Nachrichtenthema Nr. 1.

Aber sowas lässt sich halt besser verkaufen; auf Kosten von Leuten die nicht alle 5 Minuten das Selbe hören wollen.

Oder seht ihr das anders?
 
Ich frag mich jetzt nur waum du die Frage hier stellst und nicht bei dem Radiosender? Wenn es dich gar nicht interessiert schalt halt auf 'nen anderen Sender oder aus.

Andere interessiert es evtl. mehr und die sind froh über die Berichterstattung...

Gruß Aru
 
Radio ist aus. ;)
Und andere interessiert es so sehr, dass sie alle 5 Minuten das gleiche hören möchten? Naja gut stimmt, für die WM siehts jetzt etwas schlecht im Tor aus...
 
Ich versteh Hellstorms Kritik schon. Warum wird ein ernstes gesellschaftliches Problem erst dann öffentlich diskutiert, wenn es einen Promi betrifft?

Jedes Jahr nehmen sich ca. 17.000 Menschen in Deutschland das Leben. Zigtausende leiden an Depressionen. Ich spekulier jetzt lieber nicht darüber, wieviele Leute selbstmordgefährdet sind. Über die spricht man nicht.

Warum sind wird so blöd, daß wir immer erst ne Gallionsfigur brauchen, um daran ne gesellschaftliche Diskussion aufzuhängen? Warum ist uns jedes Mitgefühl gegenüber unbekannten, schwächeren Mitmenschen abhanden gekommen?

Wir interessieren uns doch nen Dreck dafür, wenn Lieschen Müller, die Frikadellenbraterin von McDonald's 3 Orte weiter, von ihrem Mann verlassen wurde (für ne aufgebrezelte Jungschnepfe) und damit nicht nur den Ernährer ihrer kleinen Familie verloren hat, sondern sich auch von der Liebe und dem Leben enttäuscht sieht, so daß sie nicht mehr leben möchte. "Kopf hoch, das wird schon wieder!" "Ach, sei froh, daß du den los bist! Ist doch eh der letzte Ar**h." sind dann meist die "gutgemeinten" Ratschläge von denen, sie meinen, sie persönlich zu kennen. Wenn Lieschen Müller gnz viel Glück hat, hat sie ne wirklich gute Freundin, bei der sie sich ausheulen kann, und die vllt. nen wirklich brauchbaren Tip hat, mit der Situation umzugehen oder ihr anderweitig helfen kann.

Erst wenn jemand, den wir nur aus dem Fernsehen kennen, sich als jemand erweist, der eben auch Probleme hat(te), ist plötzlich unser Interesse geweckt. Ob das nun Lady Di war, um deren Tod ein Wahnsinns-Medienspektakel gemacht wurde, Michael Jackson, bei dem das ja ganz ähnlich lief (und dann regen sich alle über diesen Hype auf, den sie selber mit verursachen) oder jetzt ein Robert Enke, der trotz seiner Popularität wohl furchtbar allein war.

Die Klatschblätter (Yellow Press) à la "BUNTE", "Gala" und wie sie alle heißen, hat Auflagen jenseits von Gut und Böse. Dabei wird da völlig unnötig persönliche Freud wie auch persönliches Leid von Leuten ausgeschlachtet, die durch etwas bekant sind, das mit dieser Freud und diesem Leid nix zu tun hat.

Wir setzen unsere Prioritäten falsch, finde ich. Es ist wichtiger, wer der nächste RTL-"Superstar" wird, als wie wir Jugendliche vernünftig (aus)bilden, so daß sie eine Chance kriegen, im Leben zu bestehen und unsere Gesellschaft voranzubringen. Es ist wichtiger, woran nun Michael Jackson genau gestorben ist, als daß wir kostengünstige Wege finden, Millionen Menschen von schlimmen Krankheiten zu heilen oder gar diese Krankheiten im Vorfeld zu verhindern.

Unser eigener Tellerrand ist so hoch, daß wir nicht drübergucken können/wollen. Erst wenn uns etwas von außen über diesen Tellerrand geschmissen wird, und uns die Suppe ins Gesicht spritzt, machen wir mal die Augen auf.
 
Ja nur irgendwie wird das doch alles noch von den Medien und Machthabern unterstützt. Es soll eben von den wichtigen Problemen in diesen Land abgelenkt werden.
Ja und irgendwie finde ich immer wieder erschreckend es wird nur von den einen Opfer geschrieben dabei gibt es auch noch andere Opfer die an diesen Unfall beteiligt waren und sind. Weil auch ne posttraumatische Störung kann sehr schlimme Folgen haben und durch den Medienrummel nur weil er im Fußballtor stand naja hilft sicherlich auch nicht unbedingt diese posttraumatische Erfahrung zu überwinden.
 
WOW..!

Ein super Beitrag und ich muss dir in vielen Punkten recht geben.

ABER... Das Thema hier ist meiner Meinung nach keine generelle Medienkritik, sondern es stört den TE scheinbar nur das Thema, daß ihn nicht interessiert und die Tatsache, daß das aus "seinem" Sender breitgetreten wird.

Um bei deinem Vergleich zu bleiben... Ihm gefällt nicht was da reingeflogen kam ;)

Zumindest kam das bei mir so rüber...

Gruß Aru
 
Ich muß ganz ehrlich gestehen, ich habe erst (war es gestern, als es morgens im Frühstücksfernsehen erschien) von einem Robert Enke gehört, als dieser sich vor einen Zug warf. War er soooo prominent, um einen solchen Zirkus um ihn zu machen?
Ich kann mich da nur anschließen, kaum ist jemand durch die Medien etwas bekannter, wird er bei seinem Ableben extrem berühmt.
Den kleinen Mann von nebenan bemerkt dabei niemand, wie er sich den Sprengstoffgürtel umschnallt, oder Position auf irgendeiner Brücke nimmt, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

Hoch leben die Medien, und die Gelder, die da auf einemal fließen können.
 
Mal nebenbei: Wieso wird er so als "Held" gefeiert? 8O

Wäre doch viel tragischer, wenn er zufällig vom Zug überfahren worden wäre, oder? Aber er hat sich ja absichtlich überfahren lassen. Ich sehe das als keine große Leistung an... klar, es ist tragisch. Aber IMHO keinen solchen Rummel wert. Es belebt eben das "auch andere haben Depressionen, sprechen nicht darüber ... böse Gesellschaft, so kanns enden"-Gefühl.
 
Dann kam das wohl falsch rüber.

Mich stört es, dass nur über Dinge berichtet wird, die Geld bringen. Bei irgendeinem kleinen Licht, was unter starken Problemen leidet interessiert es keinen. Es ist eine fremde Person.
Ein Fußballspieler ist für 99,9% der Deutschen per Definition aber mindestens genauso fremd. Man sieht sie zwar im Fernsehen, war auch schon auf vielen Spielen, aber hat man deswegen soziale Kontakte zu ihr?
Rechtfertigt diese Bekanntheit, dass man diese Person als quasi lebensnotwendig darstellt?
Würde ich für einen Selbstmörder einen Trauerzug auch nur durch eine Kleinstadt organisieren, würde die Polizei jenen Zug binnen weniger Minuten beenden.
Bei einem Fußballspieler allerdings darf eine Großstadt über mehrere Straßen hinweg lahmgelegt werden?
Mit welcher Rechtfertigung?

Wieso interessiert es keinen wenn der Nachbar aus unerfindlichen Gründen seinem Leben ein Ende bereitet? Wo man doch mit diesem sicherlich mehr zu tun hatte als mit einem Fußballstar.

Ich sehe es nicht ein, dass ich mir nun den ganzen Tag im Radio ein Schicksal anhören muss, welches sich tausende Male pro Jahr ereignet. Wieso sind die anderen alle unwichtig? Wieso ist überhaupt etwas nur wichtig wenn man daraus Geld machen kann?

Man möge mir verzeihen, dass mein erster Beitrag unverständlich rüberkam, er war eher ironisch aufzufassen.

Ich sehe es nicht ein, dass Wichtigkeit mal wieder auf Dinge reduziert wird, deren Lebensnotwendigkeit noch nicht mal im Ansatz erkennbar ist.

Seriös bedeutet nicht, dass nur Bekanntheiten eine Rolle im Leben spielen.

Es verfälscht einfach die Wirklichkeit. Nämlich das man brüllend einem Ball hinterherrennen muss, wenn man einen großen Abgang machen möchte.

Wenn jemand dagegen nur 2 oder 3 weinende Kinder und eine Frau hinterlässt, die nicht mehr weiter weiß, heißt es dann auf dem Dorfe nur: Das war ja sowieso klar, vorallem wie es bei denen zuging.
Keiner wird je fragen wie man ihnen hätte helfen können.

Anders bei unserem Fußballmenschen. Da wird jetzt genau analysiert und schöngeredet. Und wehe, jemand verliert ein böses Wort.
 
Ja, aber auf was willst du denn raus bzw. was wäre deiner Meinung nach "gerecht"?

Bei jedem Einzelschicksal so ein Tamtam veranstalten, oder gar nicht mehr berichten?

Es gibt nunmal Leute die mehr im öffentlichen Interesse stehen als andere. Und sicher wird über die, in allen Bereichen mehr berichtet,, als über "Normalsterbliche". Das geht tief in unsere Gesellschaftsform und ist vom Thema her sehr komplex.

Aber zum Glück haben wir ja die Freiheit zu wählen, was wir uns ansehen/hören und für wen und was wir uns interessieren, haben wir Presse- und Meinungsfreiheit. Wir müssen sie nur nutzen.
Wen man sich halt den ganzen Tag mit RTL & co. zudröhnt muss man halt auch mit deren Themen leben... oder halt um- bzw abschalten.

Gruß Aru
 
Dass man um solche Nachrichten nicht drumherum kommt ist klar, aber wozu gibt es das Sprichwort "Manchmal ist weniger mehr"?
Selbst ein Drittel der Berichte über diesen Vorfall wären ausreichend. Auch dann wäre noch jeder im Bilde. Vorallem da es Selbstmord war und keine "Fremdeinwirkung".
 
Selbst ein Drittel der Berichte über diesen Vorfall wären ausreichend.
Das ist jetzt deine Meinung... Andere meinen noch weniger hätte gereicht, einige hätten ganz auf die Berichterstattung verzichten können und für andere war es ein sehr wichtiger/tragischer Vorfall über den man nicht genug berichten kann.

Man sollte aber aus seiner Meinung eben nicht unbedingt Rückschlüsse auf andere ziehen oder gar erwarten das sich andere danach richten sollen/müssen.

Du hast ja eigentlich richtig reagiert... Warum also noch eine grosse Diskussion führen?

Ist jetzt nicht unbedingt gegen dich (es sei denn es trifft zu *gg*). Aber ich finde es immer schlimm wenn Leute 8-10 Stunden am Tag vor'm Fernsehen (bevorzugt auch noch RTL, 9live, und was es da noch an Ausgeburten gibt) sich aber bei jeder Gelegenheit über das Programm aufregen. Noch besser sind da fast nur die "DSDS-Hasser", die keine Folge, Casting und sonstige Ableger verpassen ;)

Gruß Aru
 
Fernsehen kuck ich so gut wie gar nicht. Hab ich weder die Zeit für, noch halte ich großartig was von.
Allerdings möchte ich im Radio dann schon vernünftige Nachrichten hören, die nun etwas spärlich ausfallen.
Dass Fussball für viele wichtig ist, streite ich nicht ab, aber es gibt eben noch mehr wie Fussball oder tote Promis.

Meine genaue Meinung will ich hier gar nicht breittreten, denn die ging noch ein Stück weiter und würde den Rahmen sprengen. Mich interessiert nur, ob ich der einzige mit so einer Meinung bin oder nicht. ;)

Ich persönlich halte nicht viel auf Selbstmord. Für mich ist das nur Entzug aus der Verantwortung. Und dann auch noch so ein Trara drumherum. Aber wie gesagt: DAS will ich nicht weiter breittreten, dann wär ich morgen noch nicht fertig.
 
an solchen medialen Einzelbeispielen merkst du, dass sonst nichts wichtiges im Land vor sich geht. Politik und Wirtschaft sind langweilig und frustrierend für den Normalbürger.
Bildung und Kultur interessiert nur das obere Drittel dieses Landes. Wenn überhaupt...

das Einzige was zählt ist Cash...
wer Cash hat, hat Bildung, hat Ansehen, hat Macht.

das wahnwitzige an soner Situation ist, dass auch Menschen, die (aufgrund ihrer finanziellen Unabhängigkeit) sonst nix zu befürchten hätten dieselben Probleme mit dem Leben haben, wie Max Mustermann und Otto Normalbürger.

Diese Faszination, dieses den "Star" auf unsere niedrige Ebene holen. Das machen sich die Medien zunutze...

Menschen sind von Natur aus neugierig. Auch daran wird sich nie was ändern... :roll:
 
Tja, da fragt man sich, wozu es Sportsender, oder auch nur Sportsendungen gibt, wenn über einen Sportler den ganzen Tag auf allen Sendern berichtet wird.
Soll man es doch dort bringen, wo es die Leute auch interessiert.
Das zum Thema Sendestrategien.

Nun noch zum Thema des Selbstmordes: Ich sehe das auch so, daß sich jemand mit einem Freitod nur aus seiner Verantwortung zurück zieht.
Hat eigentlich mal jemand an den Triebfahrzeugführer gedacht? Ich möchte nicht in dessen Haut stecken. Kann/darf dieser Mensch überhaupt noch einen Zug führen? Und das ist das Resultat daraus, daß sich nur jemand das Leben nehmen wollte. Also wird wenigstens ein anderes damit mit zerstört.
 
hab gerade auf sportal einen Kommentar gefunden, der meine vollste Zustimmung findeet. Für einen Kranken können nicht die gleichen Argumente gelten wie für einen gesunden https://www.sportal.de/sportal/generated/kommentare/2009/11/12/14879600000.html

Das zu dem Randthema hier, dass er ja andere Menschen damit noch viel mehr unglücklich macht und ein Selbstmord nix bringt.

Das ganze Medientheater sollte man einfach ignorieren, bzw. Feedback an die Sendestationen geben, dass man sich lieber eine sachliche Berichterstattung wünscht und auch nach tragischen Ereignissen über eine "Grundversorgung" an alltäglichen Nachrichten interessiert ist.
 
Ja nur irgendwie wird das doch alles noch von den Medien und Machthabern unterstützt. Es soll eben von den wichtigen Problemen in diesen Land abgelenkt werden.
"Unterstützt" ist das entscheidende Wort.

Warum sind wird so blöd, daß wir immer erst ne Gallionsfigur brauchen, um daran ne gesellschaftliche Diskussion aufzuhängen?
Welche (gesellschaftliche) Diskussion!? Hier wird der Tod Enkes medial ausgeschlachtet, Voyeurismus pur. Darkurt hatte den Link zum äußerst passenden Kommentar auf 11Freunde bereits gebracht https://www.11freunde.de/bundesligen/125581

Und deine Kritik am Verhalten der Gesellschaft mag durchaus stimmen, hat aber wenig mit Depression zu tun.
 
naja, wen interessiert auch irgendeine bescheuerte Finanzierung von bekackten Unterstützungen irgendwelcher Großbetriebe, die sowieso wieder pleitegehen...

da will man doch lieber die olle Witwe heulen sehn. :ugly:






edit: wer DAS nicht als Zynismus erkennt, hat wohl n Lattenzaun aus Styropor... *augenverdreh*
 
Zuletzt bearbeitet:
~Renoblablabla auch Voraus bitte auch in entsprechenden Thread~

der tod eines fußballspielers geht mir komplett am hintern vorbei.

wäre er jetzt, wie klamm schon gesagt hat, nicht freiwillig ums leben gekommen, könnte man das ja schon so einwenig verstehen... aber hallo`? selbstmord... der wollte das so! ich finde es eh stark übertrieben alles. und ich finde auch, wer sich selbst umbringt, hat kein mitleid und so verdient. selbstmord ist egoistisch. denn: wer muss den das hirn von den schienen kratzen? wer muss der familie die nachricht überbringen? kennt ihr etwas schlimmeres, was ihr einer familie / euren freunden / bekannten antun könnt als selbstmord? ich nicht.

ein held wäre er gewesen, wenn er mit seinen problemen publik gegangen wäre und sich ängsten und befürchtungen offen gestellt hätte, die medien hätten ihm zugehört als fußballstar.
 
Ich stimme dir im Grunde zu.

Nur den letzten Satz kann ich nicht unterschreiben. Wir hatten das ganze Gedöns nämlich schonmal mit Sebastian Deisler. Den sieht leider niemand als Held heute.