Deutschland erlebt gerade den zweiten Pandemiewinter, und ein Ende dieser Pandemie ist noch immer ungewiss. Eine der Hauptursachen: die im Vergleich zu vielen anderen europäischen Staaten sehr geringe Impfquote. Sie liegt zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Textes zwischen 75 und 80 Prozent. Zieht man die ab, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, bleibt immer noch ein ziemlich erheblicher Prozentsatz an Menschen übrig, die diese Impfung verweigern – obwohl es dafür zumindest keine medizinische Begründung gibt. Da stellt sich die Frage nach den Ursachen für diese Verweigerungshaltung.
Die taz hat sich ebenso wie einige Andere an der Ursachenforschung beteiligt und hat die deutsche Romantik (!) zu Beginn des 19.Jahrhunderts als geistesgeschichtliche Begründung für dieses Phänomen angeführt. Dabei muss man gar nicht so weit zurückgehen, um die tatsächlichen ideologischen Wurzeln dieser Verweigerungshaltung zu finden. Wir finden sie als durchgängige Entwicklung seit Ende der 60er Jahre des 20.Jahrhunderts – und diese Entwicklung ist eng verbunden mit einer Partei, die jetzt in Regierungsverantwortung steht und nicht müde wird (was ja absolut richtig ist), den Nutzen der Impfung zu betonen und die auch in grossen Teilen bereit ist, eine gesetzliche Pflicht für diese Impfung einzuführen (was aus meiner Sicht unter den derzeitigen Voraussetzungen auch absolut richtig ist).
Die sogenannten „68er“, die ja für diese Republik nichts geleistet haben – außer sich selbst für ihre „Leistungen“ zu feiern und zumindest zu versuchen, ihre angeblichen „Verdienste“ auch als Mehrheitsmeinung in der rückblickenden geschichtlichen Betrachtung zu etablieren – haben die Tradition des Widerstandes gegen staatliche Massnahmen und den Staat an sich begründet, ebenso wie die Tradition, dies auf gar keiner oder pseudowissenschaftlicher Basis zu tun. Die pseudowissenschaftlichen Väter der 68er sind die Soziologen der Frankfurter Schule, die ihre Thesen schon damals nicht auf die gesellschaftliche Wirklichkeit, sondern auf ein historisches Gesellschaftsbild und eine Gesellschaftstheorie begründet haben, die zwar in der Analyse brillant, in der Konzeption allerdings von Anfang an gescheitert war. Und sogar dieses historische Bild war nur in Teilen korrekt. Also eine klassische Pseudowissenschaft.
Der Widerstand gegen den Staat und seine Entwicklung auf pseudowissenschaftlicher Basis wurde dann in den 70er Jahren durch die Anti-Atom-Bewegung und die Umweltbewegung nahtlos fortgesetzt. „Die Grenzen des Wachstums“, eine schon bei ihrem Erscheinen aufgrund der wissenschaftlichen Methodik stark kritisierte pseudowissenschaftliche Arbeit avancierte dabei zur Bibel dieser Bewegung – aus der ja dann die Partei entstanden ist, von der ich spreche. Die Geburtsstunde der Grünen trägt also schon den Keim dessen in sich, was der heute staatliche Verantwortung tragenden Partei so schwer im Magen liegt. Fehlende wissenschaftliche Grundlage, dafür aber umso mehr Entrüstung und scheinbare moralische Überlegenheit ist ein Muster, das sich bei den Grünen bis zur Gegenwart durchzieht und sich wohl auch in Zukunft nicht ändern wird.
Gleiches gilt für die „Friedensbewegung“ der späten 70er und frühen 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Auch diese wurde maßgeblich durch die Grünen mitgestaltet und getragen. Wider jegliche sicherheitspolitische Expertise, dafür aber mit umso mehr moralischer Entschiedenheit. Da war es auch nur ein Nebenereignis, dass die Argumentation der „Friedensbewegten“ bereits mit dem INF-Vertrag 1985, spätestens aber mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes 1991 ad absurdum geführt wurde. Dem Überlegenheitsgefühl tat das jedoch keinen Abbruch, auch wenn hier die Falsifikation der eigenen Thesen zeitlich gesehen auf dem Fuss folgte.
Bis in die Gegenwart hinein zeigen sich diese irrationalen, sich auch gegen den Staat und generell gegen jeden Fortschritt richtenden Tendenzen. Die Grünen haben natürlich wider jegliche wissenschaftliche Erkenntnis die Gentechnologie entschieden abgelehnt und bekämpft. Hätten Sie sich damit durchgesetzt, würden wir jetzt noch auf Impfstoffe gegen das Coronavirus warten. Die sogenannte grüne Gentechnik lehnt die inzwischen zur Regierungspartei auf Bundesebene avancierte Gruppierung immer noch ab – wohlwissend und in Kauf nehmend, damit Millionen Menschen dem sicheren Hungertod preiszugeben.
Impfgegner, Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker sind daher natürlich das Ergebnis einer ideengeschichtlichen Entwicklung, die die Grünen mitzuverantworten haben. Es sind Produkte, die diese Zauberlehrlinge heraufbeschworen haben, ohne dass man ihnen da Absicht unterstellen kann. Ihre klare Mitverantwortung können sie aber sicher nicht bestreiten.