Eintrag #46, 04.08.2024, 18:15 Uhr

Spiel mit mir

Da gehe ich doch vor einigen Tagen durch die Einkaufsstraße, mit den Gedanken schon fast zu Hause, als plötzlich ein kleines Mädchen vor mir steht, in der einen Hand einen Ball, der sich wie ein Tennisball ausnahm, aber heute wohl einen anderen Namen trägt, was aber nicht von Bedeutung ist.

 

Jedenfalls schaut mich diese kleine Person mit leuchtenden, glänzenden, fast lachenden Augen an, zeigt mit der anderen Hand nach rechts und sagt zu mir – wobei ich gleich anfügen muß, daß sie mich nicht kannte und ich sie auch nicht - : Dahin stellen. Und da ich Frauen und kleinen Kindern einfach nicht widersprechen kann und schon froh war, daß ich mich nicht festkleben mußte, bewegte ich mich in der relativ vollen Straße auf den von ihr zugewiesenen Punkt. Kaum hatte ich meinen Platz eingenommen, als der nächste Befehl kam: Fangen. Sekunden später warf sie ihren Ball in meine Richtung und mir blieb keine andere Wahl, als den Versuch zu unternehmen, ihn aufzufangen, was zum Glück auch gelang. Das von ihr gewollte Spiel hatte also begonnen. Um es fortzusetzen,schickte ich sie nun auf die linke Seite und wollte gerade den Ball zurückwerfen, als aus der Apotheke nebenan ihre Mutter, jedenfalls identifizierte ich sie als diese, heraustrat, ganz verwundert ihre Tochter betrachtete und die Frage stellte: Was machst du da ?

 

Um die Situation zugunsten ihrer Tochter aufzuklären, antworte ich: Sie spielt mit mir Ball und jetzt müssen sie warten, bis ich diesen zu ihr zurückgeworfen habe. Leider antwortete mir die Mutter aber nicht, sondern behielt weiter ihre Tochter im Auge und ließ sie wissen: Du kannst doch nicht einfach einen Menschen zum Spielen einstellen! Mir war schon klar, daß die Mutter eigentlich recht hatte, weil es von der kleinen Tochter gefährlich war, sich einem Fremden einfach anzuvertrauen, aber ich wollte das augenblickliche Glück der Kleinen dennoch nicht zerstören. Also erklärte ich der Mutter: Ich stand einfach nur im Wege und konnte ihrer Tochter den Wunsch nicht abschlagen. Damit warf ich den Ball zu dem Mädchen zurück, welches ihn lächend auffing, die Hand ihrer Mutter ergriff, sich dennoch zu mir umdrehte und lächelte. Ich habe ihr dann nur noch zugeraunt: Wenn wir uns hier wiedertreffen, spielen wir weiter. Daraufhin lächelte auch die Mutter mir zu und wir haben uns getrennt.

 

Sollte man Einkaufsstraßen nicht in Spielstraßen verwandeln, damit die Menschen lernen, wie einfach es ist, sich zu verständigen und daß es viel wichtiger ist, sich gegenseitig einen Ball zuzuspielen, als sich zu hassen ? Kinder wissen, daß Freundlichkeit nicht mit Tabletten hergestellt werden kann, sondern daß dazu menschliches Verhalten notwendig ist. Wir Erwachsenen haben es wohl verlernt. Dabei könnte oftmals ein Lächeln ausreichend sein.

 
 (42) DJBB
 (56) k3552
 (62) 17August
 (58) georgiem
 (72) prov
 (52) Cyberdelicate
 (41) Tango848
 (68) HST49
 (59) DirkS
 (77) benno00

... und 107 Gäste
Wer war da?