Eintrag #3, 10.09.2013, 15:16 Uhr

SOS-Kinderdörfer in Griechenland: Soziale Lage verschärft s

Verfolgt man einen Großteil der Medienberichte zu der Wirtschaftskrise in Griechenland, stehen meistens die Wirtschaftskenndaten im Vordergrund - und schon um solche Zahlen ist es erschreckend schlecht bestellt. Was die von der EU geforderten Sparauflagen aber konkret für die Bevölkerung bedeuten, bleibt häufig verborgen. Eine Reportage der Sendereihe "Exclusiv im Ersten" machte kürzlich auf den schwierigen Alltag in einem SOS-Kinderdorf in der Nähe von Athen aufmerksam. Mut zur Hoffnung machte dabei lediglich der energische Einsatz der Mitarbeiter der Hilfsorganisation.

Wirtschaftskrise stellt griechische Familien vor soziale Probleme

Dass sich die finanzielle Situation der Griechen deutlich verschärft hat, spüren die Mitarbeiter schon an der privaten Spendenbereitschaft: Die hat in den letzten Jahren merklich abgenommen, auch wenn es solche Spenden nach wie vor gibt. Ein Grund dafür könnte auch sein, dass sich im Zuge der Sparmaßnahmen im Land die Absetzbarkeit von Spenden verschlechtert hat: Nur noch 10% einer geleisteten Geldspende können steuerlich geltend gemacht werden. In Zahlen lässt sich die Verschlechterung der Situation am besten verdeutlichen, wenn man betrachtet, wie viele Familien durch SOS-Familienhilfe betreut werden müssen: Allein in dem kleinen Ort Vari hat sich die Anzahl von 50 Familien vor der Krise auf nunmehr 900 Familien erhöht - und auch das reicht keinesfalls aus: Tausende Familien stehen vor dem Zusammenbruch; die Kinder laufen Gefahr zu "Krisenwaisen" zu werden.
 


Griechische SOS-Kinderdörfer geraten zunehmend in finanzielle Not

Die wirtschaftliche Not führt innerhalb der Familien auch zu sozialen Spannungen: Immer regelmäßiger erreichen SOS-Mutter Marina T. Meldungen, dass Kinder stark vernachlässigt oder gar geschlagen werden. Die häufig aus diesem Grund in Anspruch genommenen Plätze im SOS-Kinderdorf zeigt den sprunghaften Anstieg solcher prekären Familienverhältnisse deutlich. Dass die soziale Not in Griechenland auch vor den Mitarbeitern des SOS-Kinderdorfs nicht haltmacht, zeigt der Direktor der Familienhilfe: Während einer zweijährigen Arbeitslosigkeit zerbrach seine Ehe, auch das Verhältnis zu seinem Sohn ist zerrüttet. Erst die Aufgabe in dem Kinderdorf brachten neuen Lebensmut und etwas Optimismus zurück.

Trübe Aussichten für junge Griechen

Seit 1975 ist die Hilfsorganisation in Griechenland tätig. In Folge des Ausbruchs der Wirtschaftskrise geraten die Mitarbeiter jedoch immer häufiger an ihre Leistungsgrenzen, weil die Personalentwicklung mit dem Ansteigen der Hilfsbedürftigkeit nicht Schritthalten kann. Dazu kommt auch eine wirtschaftliche Not der Organisation. Das Haushaltsgeld für die Pflegefamilien wurde gekürzt, gleichzeitig kommt es derzeit in Griechenland zu einem rasanten Preisanstieg. Selbst die geringer werdenden Einnahmen können nicht mehr im vollen Umfang behalten werden: Die SOS-Kinderdörfer müssen selbst auf diese Spendeneinkünfte jetzt Steuern entrichten. Umso beeindruckender ist dabei der Einsatz, den die 60-jährige Marina trotz dieser Situation jeden Tag von Neuem aufbringt. Dabei zeigen sich auch die Zukunftsaussichten als deprimierend: Wenn die Kinder das SOS-Kinderdorf verlassen, haben sie kaum eine Chance auf einen Job. Die Jugendarbeitslosigkeit erreicht ständig neue Rekordwerte. Derzeit sind beinahe 65% der jungen Griechen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren ohne Arbeit, die Gesamtarbeitslosenquote liegt bei etwa 28% - Tendenz steigend.
 
 
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