Eintrag #1, 04.06.2007, 00:52 Uhr

Reaktion zur G8-Demo in Rostock

Um einen Ansturm an Kommentaren zu meinen Kommentaren zu vermeiden - hier die Situation, wie sie sich beim Sehen von tv.rostock, phoenix und g8tv.org und beim Lesen der Lokalmedien und der Pressemitteilungen der BAO Kavala und Berichten von Augenzeugen für mich als Anwohner aber nicht Demonstrant darstellt. Der Text entstammt einer Mail von mir an ein anderes Mitglied.

Was man hätte machen können, ist eine andere Sache - am Hbf standen 30 Polizeiautos und man hätte alles was vermummt ist heraussammeln können. Hat man aber nicht, weil man an das Gute in den Menschen glaubte.

Man hat nicht durchgegriffen, als sie sich formierten, als sie am Schröderplatz die Führung übernahmen, als sie die OSPA-Zentrale demolierten und als sie aus der Menge heraus die Polizei angriffen. Diese war schon dabei, sich zu reduzieren, als Vermummte erst eines und dann später ein weiteres Auto anzündeten. Laut Presse und TV waren es "Italiener oder Griechen".

Die Polizei musste insofern reagieren, dass sie die Sache sowieso hätte aufnehmen müssen (Sachbeschädigung) aber sie hat mit dem Eingriff von einer Hundertschaft mitten durch die friedliche Menge hindurch zur gewaltbereiten Menge reagiert. Zu der Zeit stand tv.rostock da, wo die anderen TV-Sender nicht standen und man konnte deutlich erkennen, wer friedlich, wer gewaltbereit und wer Polizist ist. Ein in die Uni eingelieferter Polizist schätzte die Lage so ein, dass der Einsatzleiter mit dem Zugriffsbefehl überreagiert hat. Wer könnte es besser wissen?

Die friedlichen Demonstranten hingegen fanden den Einsatz gerechtfertigt, denn sie wurden auch durch Steine verletzt und die Polizei musste Kinder von ihren Eltern trennen, um sie zu beschützen! Kinder! Warum? Weil man uns gesagt hat, es gäbe eine friedliche Demo mit anschließendem Musikkonzert, wo man selbst mit seiner Familie hingehen könnte, da genug Sicherheitskräfte da sind und ein friedlicher Ablauf gewährleistet werden kann. Haben wir ja gesehen. Letztlich kamen auch die friedlichen Demonstranten teilweise nicht mehr weg, weil die Polizei alles was nass oder mit roten Augen war zurückdrängte. Die Rückzugszone der Polizei betrug ganze 10 Kilometer nach Westen und 2 km nach Osten.

Die Sparkasse - naja - alle anderen hatten ihre Fenster vernagelt aber bei einer Glasfassade geht das nun mal schlecht. Vorwürfe kann man nur den Autobesitzern machen, die zu faul waren, ihre Autos in eines der Parkhäuser zu fahren. Das zahlt auch keine Versicherung. Es waren zwei Autos, die beide schon fast 10 Jahre auf dem Buckel hatten - ich unterstelle den Besitzern einfach eine gewisse Absicht - und ich habe es schon so oft heute gehört: "Ich brauch Geld, ich stelle mein Auto in die City." Ist das lustig? Nein, ist es nicht.

Heute wird jede Zufahrt nach Rostock überwacht und es werden reihenweise Autos und Busse herausgeholt. Warum erst heute? Vorgestern - dieselbe Strecke - nichts dergleichen. Man lernt erst später. Und die nächste Demo findet am Mittwoch statt - vermutlich in Bad Doberan, da die Gegner nicht bis an den Zaun dürfen - und dann das Konzert am Donnerstag - wieder in Rostock. Die autonomen und auch die linken, rechten und mittigen Randalierer (die ziehen sich schließlich durch alle Schichten, wenn die Stimmung brodelt) sind noch in der Stadt.

Gerade heute wurden sie in einer Ordnungsgröße von gut 50-70 von der Polizei kontrolliert - in Schmarl, wo das Konzert stattfinden soll. Es gab 2 Demonstrationszüge - einen vom Schutower Kreuz in den Stadthafen, der friedlich verlief und einen vom Hbf, der schon nach wenigen hundert Metern in Gewalt ausartete und letztlich in die Jagdszenen.

Vielleicht sollte man das alles wissen, bevor man überhaupt einen Kommentar zu etwas abgibt, was in den Medien erst 10 Minuten nach dem Auslöser aufgenommen wurde. Denn so sieht es ja aus: Alle Demonstranten werden in rechte und vorzüglich linke Schubladen gesteckt aber viele wissen nicht, was ein schwarzer Block und wie seine Gesinnung ist.

Allein durch das Vorhandensein dieses Blocks war es nicht die Frage, OB, sondern WANN es zu Gewaltexzessen kommt und es kam relativ früh dazu, sodass die Polizei noch vor der Dunkelheit handeln konnte - was vielleicht gar nicht so unbeabsichtigt war. Jetzt muss aber auch ein Zeichen gesetzt werden, indem man die linken, rechten, mittigen und autonomen Gewalttäter rigoros bestraft. Ohne Rücksicht auf ihre Kindheit, Arbeitslosigkeit etc.

Wir wollten Lichtenhagen vergessen und wir bekamen den 02.06.2007.

Meine Meinung zu G8: Ich bin froh, wenn ich Heiligendamm wieder betreten und ungestört weiterarbeiten darf. Wer mit dem Auto anreist und mit der Kippe im Mund für Klimaschutz demonstriert und wer so hohle Parolen von sich gibt, wie 80% der Redner auf der Bühne, der hat G8 nicht verstanden und der hat auch nicht verstanden, worum es im Ökosystem Erde geht.

Eine andere Welt ist möglich. Nur: Wissen wirklich alle, die bei der Demo dabei waren, WIE?

Euer Martin
 
(37)Jan1

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