Eintrag #4, 20.01.2020, 13:13 Uhr

Politiker und Medien - eine unheilvolle Kombination

Am Wochenende gab es Beschwerden aus der SPD, die Medien würden doch "unfair" über die neue SPD-Vorsitzende berichten. Und das würde doch daran liegen, daß sie eine Frau sei - nicht etwa an der mangelnden Qualifikation ihrer Aussagen. Da ist es doch an der Zeit, sich ein paar grundsätzliche Gedanken über das Verhältnis zwischen politischen Entscheidungsträgern (oder solchen, die sich dafür halten) und unseren Medien zu machen. Und vor allem - was diese Symbiose oder Koexistenz für den Bürger bedeutet, der sich ein Bild zu den aktuellen politischen Geschehnissen in unserem Land machen möchte.

Die Medien begreifen sich selbst gerne als vierte Gewalt, die den anderen dreien auf die Finger schaut, Öffentlichkeit herstellt und so wesentlich zum Gelingen der Demokratie beiträgt. Deswegen wird auch bei den kleinsten Angriffen auf diese vierte Gewalt sofort das Ende dieser Staatsform beschworen und die so wichtige eigene Rolle betont.

Daß die Medien in der Tat einiges an Einfluß haben, haben sie spätestens in der Causa Wulff bewiesen. Wenn sie sich - oftmals dann in seltener Einigkeit - jemanden aus dem öffentlichen Raum als Ziel auserkoren haben, hat diese Person wenig zu lachen, im Zweifelsfall droht das Ende der Karriere in eben diesem öffentlichen Raum. Wenn es allerdings dann darum geht, für Entwicklungen, die sich aus diesen öffentlichen Hetzjagden ergeben, die Verantwortung zu übernehmen - Fehlanzeige. Da ziehen sich die Medien dann gerne auf ihre angebliche Rolle als unparteilicher Beobachter zurück - man berichtet doch nur, den Rest haben andere zu verantworten. Verantwortungsbewußtsein sieht anders aus.

Die Politik wiederum bedient sich gerne der vierten Gewalt, um Themen zu produzieren, diese an den Bürger zu bringen und sich dabei selbst zu profilieren. Neben dem Gewinnen von Profil gelingt es dabei häufig auch, von den eigentlich wichtigen Themen und Fakten abzulenken, was besonders gut ist, wenn man dazu gerade nichts zu sagen und keine Lösung parat hat. Die Medien nehmen das dankend auf  - das ist ja Content, den man nicht selbst recherchieren und aufbereiten muß. Die Frage, ob das alles wirklich so wesentlich ist, stellt man dann lieber im Zweifelsfall nicht.

Das wäre alles nicht so schlimm, wenn da nicht zwei Dinge wären, die die Harmonie stören: zum einen haben wir eben ein duales Mediensystem in diesem Land, und die öffentlich-rechtlichen Medien haben eine gesetzliche Informationspflicht. In meinem Verständnis beinhaltet diese Pflicht auch, die sogenannte Gatekeeper-Funktion der Medien umfassend wahrzunehmen, also das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und über das Wesentliche zu berichten. Das gelingt nur in Teilen, was den Rest anbelangt, läßt man sich als Instrument zur Ablenkung vom Wesentlichen mißbrauchen.

Zum Anderen sind es nicht nur die Politiker, die den Medien Themen anbieten, sondern Interessengruppen, Lobbyisten, Verbände usw.usw.usw. Je professioneller die vorgehen, desto sicherer kann man sein, daß dieses Thema auch in der gewünschten Tendenz auf die Tagesordnung kommt - sei es nun wichtig oder nicht. Und schon werden die Verantwortlichen der Politik zu Getriebenen, die sich dann auf einmal mit Themen beschäftigen, von denen sie im Zweifelsfall bis vor Kurzem noch nicht mal wussten, daß sie existieren. Im schlimmsten Fall kommen dann gesetzliche Regelungen zustande, die kein Mensch braucht und die aufgrund der angeblichen Dringlichkeit auch noch handwerklich unsauber gemacht sind und so zu Folgeproblemen führen.

Für Politik und Medien gilt also gleichermaßen: etwas mehr Nachdenken und Abwägen wäre gut. Vielleicht finden wir ja dann Politiker, die die wirklich drängenden Probleme unserer Zeit handwerklich sauber lösen - und Medien, die darüber unparteilich und sauber recherchiert berichten.

Es wäre uns allen zu wünschen.

 
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