Politik
Nun behaupten manche, wir brauchen eine Regierung und einen Kanzler, damit wir eine außenpolitische Konzeption entwickeln können. Wem flössen da nicht Tränen über die Wangen? Also: mit einer Regierung würden wir Kennedy endlich den Gefallen tun, ein paar eigene Gedanken zur Berlin-Krise beizusteuern oder gar eine eigene Ostpolitik zu entwickeln? Hahaha! Wo wir doch in den vergangenen neun Wochen ohne Regierung nur all das nicht getan haben, was wir in neun Jahren mit Regierung auch nicht getan haben.
Natürlich ist die Energie bewundernswert, mit der der Kanzler in jenen kritischen, heiklen Tagen einem hartnäckigen, höchst bedrohlichen Gegner standgehalten hat, wie er keinen Fußbreit Boden zurückgewichen ist, wie er dem bösen Feind zornig die Leviten gelesen hat. Aber um so mit der SPD umzuspringen, dazu braucht er doch nicht Regierungschef zu sein!
Schön, ich verstehe noch, daß man einen Vizekanzler 1 aben muß. Solange dieser offenbar nicht die geringsten Absichten und nicht mehr viel Aussichten hat, jemals Kanzler zu werden, braucht man sich keineswegs beunruhigt zu fühlen.
Was aber den Posten des Außenministers anlangt, so ist dieser aus obengenannten Gründen eigentlich unerheblich. Immerhin kommt sein Inhaber auf diese Weise mal nach draußen und erweitert so sein Blickfeld, was immer gut tut. Und außerdem ist er dort nicht in Gefahr, mit Gesetzesvorlagen parlamentarische Niederlagen einzustecken.
Was für übertriebene Vorstellungen habe ich mir früher von der Bedeutung, eines Innenministers, eines Justizministers und eines Finanzminsters gemacht. Was für Kerle waren das in meinen Augen! Was mußten die können und wissen, ehe man sie mit diesem Amt betraut.
Denkste! Um so ein Minister zu werden, muß man ganz einfach nur aus Bayern stammen oder zur FDP gehören. Das ist die Hauptsache – na, und das schaffen doch glattweg Millionen!