Eintrag #2, 20.08.2007, 11:20 Uhr

ORGANISIERTE KRIMINALITÄT

"Kontaktaufnahme zwischen Täter und Opfern"

ORGANISIERTE KRIMINALITÄT


Reich durch Scheich
"Rip-Deal": Kriminelle locken potenzielle Opfer ins Ausland und betrügen sie bei angeblich lukrativen Devisentauschgeschäften. Der Schaden ist enorm.

Der Kärntner Pensionist bot im Juni 2002 in einem Zeitungsinserat ein Haus zum Verkauf an. "Interessenten" lockten den Mann zur Abwicklung des Geschäfts nach Udine. Dort schlugen sie dem Mann stattdessen ein "lukratives Devisentauschgeschäft" vor: Schweizer Franken für Euro - Umrechnungskurs 1:1. Der Pensionist fiel auf dieses Angebot herein. Er kehrte um 80.000 Euro erleichtert aus Italien zurück.

Bei einem Kölner, der im März 2001 im Internet eine Immobilie offeriert hatte, meldeten sich Interessenten, die ihm anboten, die Kaufsumme nicht in Mark sondern in Schweizer Franken zu bezahlen. Das hätte für den Verkäufer einen Mehrertrag von etwa 60.000 Mark bedeutet. Diese Angebot erschien dem Verkäufer verdächtig. Er verständigte die Polizei. Fünf Männer im Alter zwischen 19 und 33 Jahren, zwei Franzosen, zwei Jugoslawen und ein Staatenloser, wollten den Kölner um 300.000 Mark betrügen. Die Polizisten stellten Franken- und Mark-Faksimile sicher. Faksimile sind "Geldscheine", die echt aussehen, aber auf Grund des Aufdrucks "Faksimile" in vielen Ländern strafrechtlich kein Falschgeld sind.

Eine Schweizerin inserierte im Juni 2002 ihr Einfamilienhaus zum Verkauf. Es meldete sich eine Frau aus Mailand, die gebrochen Deutsch sprach. Sie gab an, im Auftrag eines Scheichs aus Dubai aus steuertechnischen Gründen Liegenschaften für Kapitalanlagen zu suchen. Er sei bereit, für das Haus um 50.000 Franken (34.071 Euro) mehr zu bezahlen, als der verlangte Verkaufspreis ausmache. Wenn sie einverstanden sei, solle sie nach Mailand reisen, um in einem Hotel mit dem Scheich das Geschäft abzuwickeln. Das Interesse eines "Scheichs" an ihrer Immobilie machte die Hauseigentümerin stutzig; sie ging auf das Geschäft nicht ein.

"Rip Deal" nennen die Kriminalisten diese Betrugsform, abgeleitet vom Englischen "rip" (ausrauben, ausnehmen, neppen). Bei diesem betrügerischen Devisentauschgeschäft gelangen die Täter über Inserate in Zeitungen und im Internet an die Opfer. Es sind vor allem Anzeigen über den Verkauf von Immobilien, Fahrzeugen, Pferden, Uhren, Schmuck oder Anzeigen über die Übernahme von Firmen. Die Täter vereinbaren mit den Opfern ein erstes Treffen im Ausland, vorzugsweise in Norditalien (Mailand, Turin); meist in luxuriösen Hotels.

Beim ersten Gespräch zeigen die Betrüger kein Interesse mehr für das im Inserat erwähnte Objekt. Sie wollen die Opfer mit dem Versprechen auf hohe Gewinne zu einem Geldwechselgeschäft überreden. In einzelnen Fällen ersetzen die Täter den späteren Opfern die Flugkosten. Manchmal wird ein Probegeschäft mit echtem Geld gemacht, um das Vertrauen der Opfer zu gewinnen. Etwas später schlagen die Betrüger dem Opfer ein weiteres Geschäft vor, mit höheren Summen. Sie bieten etwa Schweizer Franken zum selben Nennwert im Tausch mit anderen Währungen (beispielsweise Euro) an. Die Täter begründen das für sie "schlechte Geschäft" mit der illegalen Herkunft der Devisen (Schwarzgeld). Gehen die Opfer auf das vermeintlich lukrative Geschäft ein, luchsen die Täter ihnen das Geld auf unterschiedliche Art und Weise ab. Entweder übergeben sie den "Geschäftspartnern" Falschgeld, (ungültige) Faksimile-Noten und Papierbündel, die mit einzelnen echten Geldscheinen bedeckt sind; oder sie tauschen den Geldkoffer vor der Weitergabe aus.

In einigen Fällen kam es zu Raub. Ein Opfer wurde bei der Geldübergabe erschossen. Geschädigte sind vor allem Immobilienmakler und Kreditvermittler, Geschäftsleute aber auch Privatpersonen. Die Täter arbeiten vorzugsweise von Italien aus, sind aber hauptsächlich in Frankreich ansässige, fahrende Händler slawischer Herkunft. Den Opfern geben sie sich oft als Italiener aus, in einigen Fällen als Mitarbeiter von Scheichs aus Dubai. Sie arbeiten mit verteilten Rollen. Komplizen in Österreich stellen den Kontakt mit den Opfern her. Beim ersten Treffen in Italien sind andere zugegen, wiederum andere bei der Geldübergabe. Die Betrüger wissen, dass sie sich nach italienischem Recht mit dem Druck von Falschgeld nicht strafbar machen, wenn die Scheine mit dem Aufdruck "Facsimile–falso" oder Ähnlichem versehen sind. Sie verwenden belgische, holländische oder französische Wertkarten-Handys und öffentlich zugängliche Faxanschlüsse auf Bahnhöfen, in Wechselstuben oder "Schreibbüros".mehr Infos auf www.ripdelfalle.net.tf
 
 (40) barank

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