Eintrag #61, 16.12.2005, 11:36 Uhr

Nachtmahr

Seit 3 Wochen krieg ich regelmäßig eine Gänsehaut, wenn die ersten Töne der "Nachtmahr" von Janus erklingen. Seit 3 Wochen zerr ich von den Erinnerungen an dieses eine, unbeschreibliche Konzert.

"Ein alter Mann vorm Spiegel im Bad.// Die Welt, sonst laut und bunt // steht plötzlich wieder still. // Er ist zurück in Stalingrad. // (...) Ein alter Mann mit weißem Haar // denkt daran, wie es war // in das Feindesfeuer hinein zu rennen.//"

Keine klugen Sprüche, wenn ein Bewohner morgens weinend im Bett liegt. Kein dummer Gedanke, wenn einer der betagten Herren beim kleinsten Geräusch zusammenzuckt, ein Stück zusammensackt. Sie haben alle ihr Leben nach dem Krieg gemeistert. Die meisten haben ein ordentliches, neues Leben geführt. Nur die Alpträume nimmt ihnen keinen. Kann ihnen keiner nehmen. Und je tiefer sie in ihre Demenz fallen, desto tiefer stecken sie in Zeiten fest, die man eigentlich für längst vergessen glaubte. Angehörige erkennen ihre grauen Herren nicht mehr. Sind ihnen völlig fremd. Haben zeitweise/teilweise sogar Angst vor ihnen.

"Ein paar Tage noch // und du lernst mich zu hassen. // Für deine Eifersucht auf jeden kurzen Rock// Statt zu geh'n // und mich einfach zu verlassen // starrst du wie versteinert auf den Messerblock. // (...) Glaubst du wirklich, du bist // mit deinem Hass allein? //Soll ich dir meinen // ungeschminkt entgegenschrei'n? // Nein, // ich bin die Ruhe selbst.//"

03.10.2001 - von einer Sekunde auf die andere. Unaufhaltsam kriecht die Erinnerung aus den verstaubten Ecken meines Hirn's hervor. Unvergessliche Bilder, die sich in die Netzhaut gebrannt haben. Unvergessliche Worte, die regelmäßig in Träumen wiederhallen. Eine unvergessliche Nacht. Unvergessliche Wochen danach. Ohnmacht. Nicht einmal die Kraft um all das hinauszuschreien. Auch heute nicht. Sie will vergessen und wenn man ihr glauben will, hat sie es auch schon. Nur Gedankenfetzen an diese Tage und Wochen. Doch ich kann nicht vergessen. Mir scheint, in diesem Punkt bin ich nachtragend. Ganz gegen meine Natur. Nur der Hass lässt nach. Kein Verständnis. Nur vernarbter Schmerz.

Minensie
 
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