Eintrag #16, 14.06.2006, 18:40 Uhr

Mission Norden [Teil 2]

Schlau wie wir waren nahmen wir die Abzweigung Richtung Westen und siehe da, perfekt getroffen.

Auf der Stadtausfahrt mussten wir dann noch einmal stehen bleiben. Jedoch nicht wegen einer „Pinkelpause“ einer Panne oder ähnlichem. Nein, uns bot sich ein derart wahnwitziger Anblick das es uns als Pflicht erschien dies für die Nachwelt dokumentarisch festzuhalten.

Wir hatten den ersten afrikanischen freiluft KIKA betreten.

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2te Station die erste Grenze:


Es ging jedoch schon wenig später weiter, dieses Mal fast ohne Unterbrechung bis Mufulira, einer fast schon ausgestorbenen Minenstadt, deren einzige Existenzberechtigung nach der Stilllegung der Minen nur noch darin bestand an der Grenze zum Kongo zu sein und somit die letzte Stadtion zum stehen bleiben, einkaufen und rasten bevor es richtig ans Eingemachte geht.

Die sambischen Grenzbeamten waren ja noch recht freundlich, niemand wollte von sich aus „something for a drink“, was zu deutsch wohl „Bestechungsgeld“ heißt. Einer versicherte uns, nach Vorlage des Briefes von Fr. Miha, der besagt, dass wir Volunteere sind, einen Ausflug machen und das Auto geborgt bekommen haben, dass jeder Officer Angst vor Fr. Miha hätte und er bei der bloßen Erwähnung seines Namens eine Gänsehaut bekommt.

Allgemein scheint Fr. Miha in Sambia so etwas wie eine Legende zu sein, schließlich hat er das Schicksal des Landes 30Jahre lang mitverfolgt und teilweise gelenkt. Jeder kennt ihn oder hat seinen Namen schon gehört und Mission Press ist so was wie das Flagschiff der Hoffnung wenn die Leute an ein besseres, mit Pressefreiheit beschenktes Sambia denken.

Ich will aber nicht davon erzählen wie berühmt oder angesehen unser „Arbeitgeber“ im Land ist, Fakt ist, es gibt von politischer Seite auch viele Feinde und es war kein Zufall, dass unsere Radiostation abgefackelt ist.

Trotzdem, die Leute die uns bis zu diesem Punkt der Reise begegnet sind haben uns alle freundlich behandelt, was sich auf der kongolesischen Seite nicht wiederholen sollte.

Man betritt dort ein kleines, muffiges ungemütliches, mit Leuten voll gestopftes, Etwas, das sich selbst „Office“ nennt.

Dort stehen sechs Leute hinter einem Pult und jeder hat ein dickes Buch vor sich liegen. Man beginnt beim Ersten und gibt einige Daten wie: Namen, Staatsbürgerschaft, Geburtsort, Wohnort, Aufenthaltsdauer, Reisepassnummer, Zweck der Reise, Abfahrtsort, Zielort, Anzahl Personen, Autofarbe, Autobesitzer, Kennzeichennummer,…..etc. an. Dies wird recht schlampig in die großen Bücher eingetragen, ganz so als ob es sowieso egal wäre, da die Bücher wenn sie voll sind als Brennmaterial herhalten müssen. Danach kommt die Frage „something for a drink“. Ganz dreiste Gesellen jedoch lassen die Bestechungssumme gar nicht erst in den Händen der geschockten Opfer sondern meinen schamlos:“ 20 000 for a drink“. Diese Prozedur wiederholt sich dann noch drei mal in genau der selben Art und Weise. (Also Daten angeben, something for a drink geben und weiter) Bei den letzten beiden Officers werden ausnahmsweise noch mal alle Daten aufgenommen und in dem Buch dokumentiert, mit dem Zusatz, dass auch noch das sambische Permit und die Gelbfieber Impfung kontrolliert wird.

Dies ist wichtig, so scheint es um Fehler in den Papieren der Opfer zu finden, damit die dicken Officers was zu trinken kriegen.

Fehler:
Ich hatte aus Sicherheitsgründen mein Original des sambischen Visas nicht mit und auf Grund eines Fehlers in der Verwaltung des Immigration Offices in Lusaka war dieses auch nicht in meinen Reisepass eingestempelt.

Lex hatte seine Gelbfieberimpfung nicht wie ich im Dezember sondern im November gemacht. Wäre so gesehen egal, da diese normalerweise für 3 Jahre gültig ist. Dieser Beamte jedoch erklärte uns in stolzem gebrochenem französisch, dass die Gelbfieberimpfung im Kongo nur für 6 Monate gilt. Sure

Problemlösung:

Um trotzdem ohne längere Wartezeiten weiterfahren zu dürfen blieb uns also nichts anderes übrig als noch einmal die Brieftasche zu zücken und ihnen „something for a drink“ zu geben.

3te Station der Kongo:

Dieser drittgrößte aller afrikanischen Staaten präsentierte sich uns als das, was er war. Durch korrupte Regierungen und den seit Jahren andauernden Bürgerkrieg wirtschaftlich und sozial zerrüttet und nicht lebensfähig. Ein zerfallender Staat eben. Man konnte dies sowohl an der Armut der ansässigen Bevölkerung, als auch an der endlos, sandigen Schlagloch-Piste (der Terminus Strasse ist hier absolut deplatziert) erkennen.
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