Eintrag #1, 06.10.2005, 11:10 Uhr

Mein Autounfall 2005

Der 01.Juli 2005 ist ein Tag, der fast ganz aus meiner Erinnerung  gelöscht wurde. Vielleicht auch gut so.
Ich erzähle mal soweit ich kann.

Der Abend des Vortags begann feucht fröhlich im Unteroffiziersheim in unserer Kaserne. Meine Kameraden und ich tranken einen nach dem anderen. Bis dass einer von denen angerufen wurde. Es war ein Mädchen, wo ich mich ende letzten Jahres oft mit getroffen habe. Bin aber nie mit ihr zusammen gekommen weil mein Handy geklaut wurde und ihre Nr. somit auch weg war. Ich hatte also keine Möglichkeit mehr sie zu erreichen.
Jedenfalls fragte sie meinen Kameraden  ob er in die Stadt (Daun/Eifel) zu ihr kommen möchte, er sagte natürlich ja.

Ich war verwundert dass ein Kontakt zwischen ihr und meinem Kameraden bestand. Doch wir hatten Kurzerhand alle beschlossen in die Stadt zu gehen um dort weiter zu trinken. Ich Idiot habe mich als Fahrer angeboten, weil unsere Kaserne außerhalb des Ortes liegt und da ich sie natürlich auch noch mal sehen wollte. Erst setzten wir meinen Kameraden bei ihr ab und fuhren zur nächsten Kneipe. Von da an kann ich mich nicht mehr erinnern.

So wie mir gesagt worden ist, haben wir auf jeden fall eine Kneipen Tour durch Daun gemacht.
Wir (ich und zwei weitere) sind nachher, ich denke weil alles zu hatte, nach Prüm (ca.30km entfernt) gefahren. Keine Ahnung warum. Als wir uns von dort wieder auf den weg zur Kaserne befanden, passierte es.

Es war ein regnerischer Freitagmorgen, alkoholisiert und mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr ich durch die Kurvenreichen Landstraßen in der Eifel.
6:11 Uhr war es als ich Ausgang einer Linkskurve Aquaplaning hatte und die Kontrolle über meinen Wagen verlor. Mit der rechten hinteren Seite rutschte ich in den Gegenverkehr und knallte mit einem VW Golf zusammen, dann kam ich von der Fahrbahn ab und rutschte eine Böschung hinunter. Prallte anschließend gegen einen Baum.
Mein Autoradio flog bei dem Aufprall hinaus, war auf jeden fall nachher nicht mehr im Auto. Meine Beifahrertür löste sich vom Auto und mein Beifahrer der nicht angeschnallt war, wurde aus dem Auto geschleudert. Mein Lenkrad war abgebrochen. Nur zur Vorstellung welche Wucht der Aufprall hatte.

Der hinten saß erlitt eine leichte Verletzung am Rücken, mein Beifahrer der durch den Aufprall hinaus geschleudert wurde kam mit ein paar schrammen davon. Die Frau aus dem VW Golf erlitt ein paar blaue Flecke und ein Schleuder Trauma. Ich war von allen am schwersten Verletzt. Ich hatte eine Fraktur des 2. Halswirbels und ein Schädel- Hirntrauma mit Hirnblutung. Ich wurde mit dem Hubschrauber direkt nach Trier geflogen.
Die anderen wurden zur Vorsicht in andere Krankenhäuser verteilt.

Die ersten Tage lag ich im Koma, der Arzt meinte zu meiner Mutter es könnte 2 Wochen dauern bis ich wieder aufwache. Es hat genau 3 Tage gedauert und ich musste nicht künstlich beatmet werden. ich kann mich aber an den ganzen Juli nicht erinnern. Am 07. Juli wurde ich operiert, mir wurde eine Titanschraube in den 2. Halswirbel inplantiert um die Fraktur zu stabilisieren. Ende Juli kam ich schon in eine Reha bis Anfang September. Ich lag ca. 2 Monate im Krankenhaus, musste 3 Monate eine Halskrause tragen.

Nach den zwei Monaten meldete ich mich direkt bei der Frau um mich Tausendfach zu entschuldigen. Ich schickte ihr ein paar Blumen und einen Brief und hinterließ meine Telefonnummer. Paar Tage später ging dann bei mir das Telefon und sie war dran, es war für mich wie eine Erlösung. Sie nahm die Entschuldigung an, das war für mich das schönste. Man kann es sich nicht vorstellen, 2 Monate lang macht man sich tagtäglich vorwürfe und denkt jeden Tag daran was man getan hat und dann ruft die Frau an und nimmt dir die lasst von den Schultern. Es war ein Glücksgefühl unbeschreiblich.

Ich hatte im Krankenhaus genug zeit darüber nach zu denken,  was ich getan habe. Beim Unfall hatte ich 1,3 Promille. Es gab sogar Tage, wo ich mich gefragt habe ob ich jetzt ein schlechter Mensch wäre. Was ich getan habe war schlimm. Doch ich wusste dass ich bei all dieser Scheiße, ein riesen glück hatte, dass den anderen nicht mehr passiert ist. Und ich habe aus dieser Sache gelernt und das nicht weil mein Führerschein weg ist oder mein Auto Schrott ist, nein, sondern wegen meinen gewissen.
 
 (40) barank

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