Macht und Ohnmacht des Nanny-Staates in der Pandemie
Die in den vorherigen Einträgen aufgezeigten Entwicklungen haben natürlich direkte Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit des deutschen Staates in der derzeitigen pandemischen Situation. Die über 60 Jahre "geleistete Erziehungsarbeit" am deutschen Bürger bleibt nicht ohne negative Folgen in einer Situation, in der es auf Eigenverantwortlichkeit und Durchsetzung - und zwar lückenlose Durchsetzung - von exekutiven Massnahmen ankommt.
1. Individuelle Freiheit bedingt auch individuelle Verantwortung - das muss der Bürger wieder neu lernen.
60 Jahre lang lebt der Bürger in maximaler individueller Freiheit bei gleichzeitiger Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln durch den Nanny-Staat, vor allem in Bezug auf negative Konsequenzen des eigenen Tuns. Vor einer Viruserkrankung, gegen die es noch keine Impfung gibt und die eine relativ hohe Infektions- und Mortalitätsrate aufweist, kann der Nanny-Staat nicht schützen. Das muss der Bürger dann unter Preisgabe eines Teils seiner individuellen Freiheit schon selbst durch verantwortungsvolles Handeln im Sinne des Infektionsschutzes tun. Bleibt zu hoffen, daß auch der Anteil der Bürger, die durch Nudging nicht erreicht werden können, diese Einsicht noch rechtzeitig hat.
2. Vertrauen in die Macht des Staates ist nicht angebracht - eher gesundes Mißtrauen und das Setzen auf Eigeninitiative
Auch in Bezug auf die Wirtschaft und ihre Entwicklung zeigt die Pandemie dem Staat seine Grenzen auf. Milliardenschwere Stützungsmassnahmen können nicht zielgerichtet genug ausgerichtet werden und dauern zu lange bis zu ihrer Wirksamkeit. Die Lösung heisst also auch hier nicht mehr, sondern weniger Staat.
Das sollte auch für "Bewegungen" wie FFF gelten. Eigeninitiative des Bürgers hilft auch beim Klimaschutz, nicht staatliche Maßnahmen. FFF ist im Übrigen ein sehr gutes Beispiel für ein typisches Produkt des Nanny-Staates: Bis vor wenigen Jahren wäre es wohl undenkbar gewesen, daß eine "Bewegung" nicht gegen Maßnahmen der Obrigkeit demonstriert, sondern für staatliche Maßnahmen. Aus Sicht des Nanny-Staats nennt man das dann wohl erfolgreiche Sozialisation.