Eintrag #9, 07.08.2020, 13:52 Uhr

Links-grünes Narrativ 2.0 - die Reaktion auf Corona

Bis Mitte März konnten sich vor allem die Grünen selbstzufrieden auf die Schulter klopfen. Hohe Umfragewerte, die Medien fest in eigener Hand, konnte man die Regierung und die sie tragenden Parteien vor sich her treiben. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis man ohne eigenes Zutun die stärkste Partei im Land werden würde und dann bei der Bundestagswahl 2021 vielleicht sogar den ersten grünen Kanzler oder die erste grüne Kanzlerin stellen würde.

Dann kam Corona. Und alles wurde anders.

Vorbei der Fokus der Medien auf die Agenda der Grünen, vorbei die Höhenflüge in den Umfragen, vorbei die Kanzlerträume. Krisen sind die Stunde der Exekutive, in diesem Fall vor allem der Exekutive auf Länderebene. Doch nicht Kretschmann wurde zum Hoffnungsträger, sondern Leute wie Söder und Laschet. Und auf Bundesebene musste man auf einmal darum kämpfen, überhaupt in den Medien aufzutauchen, geschweige denn - wie gewohnt - die Agenda zu bestimmen.

Die Reaktion darauf ist bemerkenswert und sollte jedem Sorgen machen, der sich nicht dem linken oder grünen Lager zurechnet. Sie erfolgt organisatorisch, inhaltlich und im Umgang mit politischen Gegnern und Medien. Es ist durchaus interessant, auf wievielen Ebenen sie erfolgt und welch breiter Ansatz damit verfolgt wird. Eine Frage muss allerdings offen bleiben - ergibt sie sich eher zufällig oder steckt ein Mastermind dahinter?

 

Ein breites Bündnis - von AKL und Ende Gelände über die Grünen bis zu Teilen der SPD

Hat man früher eher gefremdelt, so nähert man sich jetzt an, denn man hat das gleiche Marginalisierungsproblem. Das neue links-grüne Narrativ versucht, alle zu verbinden - Teile der sogenannten "Zivilgesellschaft" wie Ende Gelände, FFF, XR und autonome Gruppierungen ebenso wie die Linke, die Grünen und die nach links abdriftenden Teile der SPD. Um so unterschiedliche Bündnispartner zu integrieren, braucht es eine gemeinsame Wortwahl und gemeinsame Feindbilder. Gemeinsame Ziele sind zweitrangig, denn fürs Erste reichen die beiden erstgenannten Komponenten. Die Ziele sind auch deutlich schwieriger zu finden, denn irgendwann sind die Gemeinsamkeiten des Neuköllner Hausbesetzers mit dem Freiburger Eigenheimbesitzer dann auch aufgebraucht. Aber bis dahin ist ja noch ein weiter Weg - zunächst reicht es ja, politische Gegner anzugreifen und eine gemeinsame Sprache zu finden.

 

 
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