Letzte Generation - Brief an die Bundesregierung - Teil 1
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrte Minister:innen des Bundeskabinetts, sehr geehrte Bundesregierung,
wir wenden uns an Sie in Zeiten größter Not.
Die Erderhitzung schreitet ungebremst voran. Diesen Sommer war es in Europa so heiß wie noch nie. Urlaubsregionen haben gebrannt, das Grundwasser sinkt teils auf dramatische Pegel und tausende sind an der Hitze gestorben.
In Pakistan sind 33 Millionen Menschen von einer Flutkatastrophe betroffen. Über 1500 Menschen starben, darunter 528 Kinder. Den Bereich sicherer klimatischer Bedingungen haben wir längst verlassen.
Wir sind uns bewusst, dass Sie zurzeit eine Krise nach der anderen bewältigen müssen. Wir haben hohen Respekt vor Ihren Anstrengungen. Wenn Sie jedoch entschlossene Maßnahmen gegen den Klimakollaps im Alltagsgeschäft für lediglich zwei bis drei weitere Jahre hintenan stellen, dann wird es zu spät sein.
Katastrophen, Hunger und Elend werden die Welt heimsuchen, wie uns die Wissenschaft eindringlich warnt. Es werden Kriege um die letzten Ressourcen geführt werden – aller Voraussicht nach auch in Europa. Anhaltende Krisenzeiten lassen erfahrungsgemäß auch in vormaligen Demokratien autokratische Regime erstarken. Und wir blicken Krisenzeiten entgegen, wie wir sie als Menschheit noch nie erlebt haben. Wir müssen deshalb mit Recht den völligen Zusammenbruch sowohl unserer Demokratie als auch unserer globalen Gemeinschaft befürchten.
Das zu riskieren, ist – bei allem gebotenen Respekt – eine offene Kriegserklärung gegen die Menschenrechte.
Sie versprachen uns, völkerrechtlich bindend, Anstrengungen zu unternehmen, die globale Erderhitzung auf +1,5°C zu begrenzen. Doch Sie haben das nicht getan. Die 1,5°C werden in den kommenden Jahren überschritten werden – voraussichtlich 2030. Wenn wir 1,5°C voraussichtlich 2030 erreichen, was ist “Klimaneutralität 2045” dann anderes als die Gefährdung unserer Leben?
Wir sind erschüttert, dass Sie als Verantwortliche nicht alles tun, was möglich ist, um uns vor dem Kollaps zu schützen. Die Landwirtschaft ist weiterhin nicht nachhaltig, der Verkehrssektor wird nicht umgebaut, gutes Essen wird weiterhin weggeworfen, es wird neue fossile Infrastruktur gebaut.
Wir sind erschüttert, dass Sie als Verantwortliche in diesem Land nicht einmal anstreben, das Notwendige zu tun, um diesen Kollaps des Klimas zu verhindern. Dass die Ziele, die Sie sich setzen, nicht mit der Realität vereinbar sind.
Wir sind erschüttert, dass Sie all das nicht ehrlich mit uns kommunizieren.
Weiter in Teil 2