Eintrag #1, 14.10.2020, 12:38 Uhr

Ist Intelligenz nötig, um spirituell zu sein?

Menschen, die als spirituell bezeichnet werden, unterliegen häufig einem Klischee. Das sind die Aussteiger oder die Althippies, so die langläufige Meinung. Ein Gutmensch!, ruft der knallharte Banker und lächelt ironisch. Für ihn zählen Fakten und nicht die Gefühle oder Dimensionen, die nicht greifbar sind. Für den rationalen Banker zieht der Esoteriker stets den Kürzeren und beraubt sich selbst der Vorteile in diesem Leben. Manchmal wird der spirituelle Mensch auch bemitleidet. Aufopferung, fehlende geschäftliche Kompetenz oder zu viel Vertrauen wird ihnen nachgesagt. Bei all diesen Vorurteilen könnte man zu der Meinung kommen, dem spirituell lebenden Menschen mangelt es an geistiger Intelligenz.

 

Sind die Spirituellen wirklich dumm?

 

Oder unterliegen wir hier einem gewaltigen Denkfehler? Um zu verdeutlichen, was spirituelle Intelligenz bedeutet, beleuchten wir folgendes Beispiel. Stellen wir uns vor, dass eine ausserirdische Intelligenz ein Gespräch mit einem Banker führt. Wir gehen davon aus, dass der Alien hoch intelligent und unserem Wissen um Lichtjahre voraus ist. Und doch ist beim Menschen die Sorge, dass Aliens unseren Planeten überfallen und unsere Existenz auslöschen, nicht nur in Kinofilmen präsent. Aber diese beiden Thesen sind konträr. Ein intelligenter Alien löscht weder seine Artgenossen noch andere Existenzen aus. Er ist nämlich intelligenter als der Homo sapiens, der für ihn nur ein Säugetier ist. Und so handelt dieser Mensch auch: animalisch. Zwar ist es möglich, diese Spezies in eine gewisse Form von Ordnung und Disziplin zu drängen. Dieses Konstrukt hält aber nur so lange, wie der Rechtsstaat aufrecht erhalten werden kann. Sobald Krisen das Land durchwandern, bröckelt diese Fassade und die Anarchie wartet schon an der nächsten Ecke. Die Schicht, in der wir uns als gebildetes Wesen bewegen bis zu dem Punkt, in dem wir unserer animalischen Natur freien Lauf lassen, ist sehr dünn.

 

Der Homo sapiens – das intelligente Säugetier?

Wenn wir wissen möchten, wie diese animalische Natur aussieht, können wir uns in der Tierwelt umsehen. Die Artgenossen fressen sich gegenseitig auf und selbst Tiermütter verspeisen manchmal ihre Babys. Der Stärkere überlebt und darf sich fortpflanzen. In der Tierwelt geht es nicht um Gefühle, Verzicht oder Vertrauen, sondern um pures Überleben. Ähnelt diese Existenz der Geschäftswelt unseres Bankers? Skrupellos, machtgierig und gefühllos? Vielleicht, und doch ist es nicht so einfach. Denn unser Banker ist durchaus intelligent, doch nur auf der beruflichen Ebene. Für sich persönlich und sein inneres Wachstum ist er im Denken beschränkt. Denn wer spirituell leben will, benötigt eine Form von Intelligenz.

 

Denn das was die Spiritualität von dem Menschen abverlangt, polarisiert häufig mit den animalischen Bedürfnissen. Nur wer den tieferen Sinn versteht, wagt sich über die Denkweise eines intelligenten Säugetiers hinaus. Ebenso wie unser Alien, der weiss, dass es dumm ist, sich gegenseitig zu töten. Er ist sich auch bewusst darüber, dass es kontraproduktiv ist, den Planeten zu zerstören, auf dem er lebt. So etwas macht nur ein Homo sapiens, der einer geistigen Beschränkung unterliegt. Insofern ist tatsächlich eine emotional-geistige Intelligenz nötig, um spirituell zu sein. Denn die Spiritualität lässt sich nicht begreifen oder wissenschaftlich belegen. Und sie widerspricht häufig den Wünschen unseres Egos. Das ist nicht logisch und es ist rational betrachtet unvernünftig. Denn unser tolles Ego sorgt doch dafür, dass wir stets ein gutes Stück vom Kuchen erhaschen. Dafür wird auch jeder erdenkliche Preis bezahlt. Ob nun andere Mitmenschen darunter leiden oder Kollateralschäden an der Tagesordnung sind, wird hingenommen. Der spirituelle Mensch aber, hat die Kenntnis darüber, dass diese Lebensweise zu keinem inneren Wachstum führt. Um das zu verstehen, ist der bereit über den Tellerrand zu schauen und die animalische Denkweise einzuschränken.

 

 
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