Herz aus Stein - Ärzte gegen Tierversuche - Teil 2
Kandidat 3
Institut: AG Neurophysik, Philipps-Universität Marburg, Karl-von-Frisch-Str. 8a, 35043 Marburg
Tiere: 2 Rhesusaffen
Versuch: Die zwei Rhesusaffen werden mit „O“ und „S“ bezeichnet. Den Tieren wird unter Narkose ein „Kopfhaltersystem“ auf dem Schädel montiert. Bei Affe „O“ wird außerdem für andere Experimente ein Loch in den Schädelknochen gebohrt und darüber eine Elektrodenkammer befestigt. Beiden Affen wird eine Elektrodenkappe auf den Kopf gesetzt, bei „S“ enthält sie 15 Elektroden, bei „O“ ist durch die Elektrodenkammer weniger Platz, weswegen seine Kappe nur 6 Elektroden enthält.
Bei den Versuchen sitzen die Tiere in einem Primatenstuhl vor einem Bildschirm, wobei der Kopf am Kopfhalter fixiert wird. Die Affen werden darauf „trainiert“, Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Als „Belohnung“ erhalten sie etwas Flüssigkeit. Üblicherweise bekommen die Affen außerhalb der Experimente nichts zu trinken, so dass sie so durstig sind, dass sie sich gemäß dem Forscherwunsch verhalten. Die Aufgabe besteht darin, einen roten Punkt in der Mitte des Bildschirms anzustarren. Im unteren Drittel des Bildschirms erscheinen 600 kleine weiße Punkte, die sich hin und her bewegen. Dadurch soll eine Körperbewegung simuliert werden. Der Affe muss weiter den Punkt in der Mitte anstarren. Über die Elektroden auf der Kopfhaut wird die Aktivität des Gehirns gemessen. Nach Abschluss der Versuche wird Affe „O“ in weiteren Experimenten verwendet. Das Schicksal von Affe „S“ wird nicht erwähnt.
Parallel zu den Tierversuchen finden auch Versuche mit menschlichen Probanden statt.
Hintergrund: An Affen und menschlichen Probanden wird untersucht, wie das Gehirn die Anpassung an Eigenbewegungen verarbeitet.
Quelle: Schmitt C. et al. Preattentive processing of visually self-motion in humans and monkeys. Progress in Neurobiology 2021; 205: 102117
Datenbank-ID: 5484
Kandidat 4
Institut: Labcorp Early Development Services GmbH (früher Covance Laboratories GmbH), Kesselfeld 29, 48163 Münster
Tiere: 42 Javaneraffen, auch Langschwanzmakaken genannt
Versuch: Die Studie wird an fünf- bis sechsjährigen weiblichen Javaneraffen durchgeführt, die aus einer Zuchtkolonie in Vietnam stammen. Die Tiere werden mit Männchen gepaart und die Schwangerschaft wird durch Ultraschall und eine Blutuntersuchung bestätigt.
Den Tieren wird ab dem 20. Tag der Schwangerschaft entweder ein Medikament (Ofatumumab) in unterschiedlichen Dosen oder Flüssigkeit ohne Wirkstoff in eine Vene gespritzt. Zu verschiedenen Zeitpunkten während der Schwangerschaft vor und nach der Gabe des Medikamentes wird den Affen Blut abgenommen. Auch nach der Geburt wird ihnen und ihren Babys mehrfach Blut abgenommen. Außerdem werden die Babys mehrfach auf Missbildungen und neurologische Probleme untersucht. Zusätzlich erhalten die Babys zweimalig einen Stoff gespritzt, durch den eine starke Immunreaktion hervorgerufen wird. Ein Muttertier erkrankt an einer Nierenerkrankung, die möglicherweise auf das Medikament zurückzuführen ist, und wird daraufhin getötet. Drei Babys sterben aufgrund von Infektionen, die eventuell aufkamen, weil das Immunsystem der Tiere durch das Medikament geschwächt wurde.
Die Tiere, die das Medikament erhalten haben, werden 180 Tage nach der Geburt durch das Spritzen einer Überdosis eines Schlafmittels getötet. Ebenso wird mit ihren Säuglingen verfahren. Im Falle einer Fehlgeburt, einer Totgeburt, oder bei Tod des Säuglings wird das Muttertier mit anderen Tieren in einem Käfig gehalten und dann am gleichen Tag wie das letzte Mutter-Baby-Paar in dem Käfig getötet.
Hintergrund: Viele der Medikamente, die bei Multipler Sklerose eingesetzt werden, sind bekanntermaßen geeignet für die Zeit der Schwangerschaft und Stillzeit. An schwangeren Affen wird nun ein weiteres Medikament, das bei Patienten mit dieser neurologischen Erkrankung eingesetzt wird, getestet, um die Sicherheit beim Menschen zu beurteilen.
Quelle: Bellot M. et al. Effect of ofatumumab on pregnancy, parturition, and lactation in cynomolgus monkeys. Reproductive Toxicology 2022; 108: 28-34
Datenbank-ID: 5392
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