Eintrag #22, 24.09.2005, 12:23 Uhr

Glück, Reichtum und die Deutschen

Sehen wir den Tatsachen einmal ins Auge:
Deutschland ist in seinem Herzen kein freiheitliches Land.
Marx war Deutscher, hier wurde die erste sozialistische Partei gegründet und wir waren das zweite Land, in dem sich eine sozialistische Diktatur etablierte.
Nach deren Niederlage wurde Deutschland gespalten und der Westen einer, entgegen dem allgemeinen Zeitgeist, radikalen Freiheitskur unterzogen, doch der Osten verharrte in seinem System und ist es wohl noch bis heute zu nicht geringen Teilen.

Historiker begründen dies oftmals damit, daß sich die Entwicklung des Nationalstaates hierzulande nicht als Revolution des Bürgertums etablierte, sondern das Deutsche Reiche quasi per Dekret von oben herab beschlossen wurde.
Wenn Franzosen, Engländer oder Amerikaner sich stolz patriotistisch für ihr Heimatland erwärmen ist das dort auch immer eine Bekenntnis zur freiheitlichen Grundordnung, denn in diesen Ländern war der Nationalstaat immer mit dem Konzept der Freiheit verknüpft.

Diese Unterscheidung in den grundsätzlichen Ansichten lässt sich bis in vielerlei Verästelungen ins tägliche Leben hineinverfolgen.

Über eine dieser kleinen Verästelungen bin ich kürzlich gestolpert, als ich anfing, eines meiner Unibücher in Englisch durchzuarbeiten:
Im Englischen spricht man von earnings, wenn man den Verdienst einer Firma bezeichnen möchte.
Im Deutschen spricht man von Gewinn.
Earnings leitet sich von to earn - verdienen ab.
Gewinn leitet sich von gewinnen ab.

Im englischen Sprachgebrauch verdient also eine Firma, was sie erarbeitet hat. Im deutschen gewinnt sie es, genau so, als habe sie in der Lotterie gewonnen.

Ich wäre vermutlich über diese Kleinigkeit hinweggegangen, wenn ich nicht gerade erst kürzlich im Forum eine kurze Diskussion mit einem anderen Klammer über genau dieses Thema gehabt hätte.
Seiner Ansicht nach ist es nämlich eine Frage des Glückes, ob ein Mensch reich wird oder nicht.
Ich widersprach vehement und führte dagegen an, daß Reichtum in den meisten Fällen eine Folge von viel Arbeit, den richtigen Ideen und den richtigen Entscheidungen sei.
Selbst im Falle einer Erbschaft mußte das Vermögen schließlich erstmal irgendwann erarbeitet worden sein.

Und dann ist da natürlich noch das nicht ignorierbare Ergebnis der Bundestagswahlen, welches, egal was nun die personellen Differenzen bewirken mögen in der letzlichen Regierungsbildung, eine 'Mehrheit links von der Mitte' abbildet.

Da stellt sich doch die Frage, ob die momentane Entwicklung nicht doch eine Bewegung zurück zu den Wurzeln unseres Staates ist, ob sich dessen Anhänger dieser Tatsache bewußt sein mögen oder nicht.

Alle Leute, die Freiheit als wichtiges und hohes, ja vielleicht sogar essentielles Gut verstehen, sollten darüber evtl. einmal gut nachdenken...
 
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