Frühlingsgefühle
So sinnlos ist der Begriff Frühlingsgefühle, weil ein Gefühl sich nicht nach der Jahreszeit richtet, sich vielleicht in unwesentlichen Dingen punktuell verändern kann, aber kein anderes Gefühl wird. Kein Gefühl wird intensiver, nur weil Frühling ist. Ich mag, beachte oder liebe einen Menschen auch nicht mehr, als in den anderen Jahreszeiten. Vielleicht versucht die Begierde an anderen Orten zur Erfüllung zu gelangen, aber das ändert doch nichts an dem Gefühl. Vollkommen unverständlich wird es, wenn man versucht, den Menschen mit der Natur - hier die Blumen, Bäume, Gräser - zu vergleichen. Wir bilden keine Knospen, die dann erblühen, um im Herbst wieder abgeworfen zu werden. Auch Gefühle erblühen nicht neu und sterben auch im Herbst nicht ab. Sicher, die Tage werden länger und heller und die zunehmende Kraft der Sonne weckt nach den dunklen und kalten Monaten auch bei uns wieder neue Energie, aber die Gefühle bleiben die selben. Immer wieder wird die Weihnachtszeit als die Zeit voller Gefühle beschrieben, obwohl es da kalt und dunkel ist. Und in wenigen Monaten kommt dann der Sommer, der alle Gefühle überschäumen läßt. Nein, unser wirkliches Gefühl ist unabhängig von den Jahreszeiten, es wird nur bestimmt durch die Begegnung, bei der es aber keine Rolle spielt, ob es schneit oder ob die Sonne heiß von oben scheint. Dieses Etwas unterliegt einzig und allein der Begierde.Und dieser Begriff ist jetzt nicht sexuell gemeint,jedenfalls nicht nur. Vielleicht sollte man Gefühl passender durch Gemütsverfassung ersetzen. Aber bei Frühlingsgemütsverfassung würde mich dann auch keiner mehr ernst nehmen. Jedenfalls käme es dem, was man meint, damit näher.
Besser wäre es, mal einen Frühlingsputz in unserem Gemüt durchzuführen, den winterlichen Haß wegwischen, damit wir wieder den richtigen Durchblick bekommen.