Ein alter Tibetteppich
Deine Seele, die die meine liebet
Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet
Strahl in Strahl, verliebte Farben,
Sterne, die sich himmellang umwarben.
Unsere Füsse ruhen auf der Kostbarkeit
Maschentausendabertausendweit.
Süsser Lamasohn auf Moschuspflanzentron
Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl
Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon.
Else Lasker-Schüler
»Ein alter Tibetteppich« erschien zuerst am 8. Dezember 1910 in der von Herwarth Walden, dem zweiten Mann Else Lasker-Schülers, redigierten Wochenschrift »Der Sturm« (Jg. 1, Nr. 41. S. 328), dem führenden Organ der Berliner Avantgarde.