Die Zeitungsente
Das im Jahre 1776 in Paris erschienene »Industrielle Lexikon« weist folgende Anekdote auf: »Die Landwirtschaftliche Zeitung« veröffentlicht ein seltsames Verfahren, um wilde Enten zu fangen. Man kocht eine stalle und lange Eichel in einem Absud von Sennesblättern und Jalappe. Die so zubereitete Eichel bindet man an einen dünnen, aber starken Faden in der Mitte fest und wirft sie darauf ins Wasser, das Ende des Fadens behält man in der Hand und verbirgt sich. Die Ente schwimmt heran und verschluckt die Eichel; diese hat aber in ihrer Zubereitung eine stark abführende Wirkung und kommt infolgedessen sofort wieder zum Vorschein; darauf naht eine andere Ente und verschluckt die Eichel von neuem, um sie gleichfalls wieder von sich zu lassen; das Spiel wiederholt sich bei einer dritten, vierten usw., und alle Enten reihen sich somit an einem Faden auf. Ein Huissier (Türhüter) in der Nähe von Gué-de-Chaussée hatte auf solche Weise zwanzig Enten an einem Garn gelangen. Plötzlich aber flogen die Enten auf und nahmen den Huissier mit; der Faden riß, der unglückliche Jäger stürzte und brach ein Bein,« – Diese Münchhauseniade ist die Stammutter der französischen canard und das Urbild der deutschen Zeitungsente.