Eintrag #1, 29.08.2013, 16:41 Uhr

Deutsche vertrauen eher dem Sparbuch als Aktien

Im Juli konnte der Dax seinen 25. Geburtstag feiern, die meisten Deutschen interessierte das jedoch ausgesprochen wenig. Nach einer Studie der Commerzbank-Tochter "comdirect" vertrauen Deutsche auch im Jahr 2013 wesentlich häufiger einem traditionellen Sparbuch als einer Investition in Aktien. Die comdirect Bank geht dabei sogar so weit, die Deutschen pauschal als "Börsenmuffel" (O-Ton) abzutun.

Hartnäckige Vorurteile als Grund für fehlende Investitionslaune

In Deutschland hält sich noch immer das Vorurteil hartnäckig, dass Aktien mit einem hohen Risiko verbunden wären. Frei nach dem Motto, dass jede Aktie entweder ein "Hit or miss" ist, also ein absoluter Erfolg oder ein Totalverlust. Laut dem Vorstandschef der comdirect Bank, Thorsten Reitmeyer, stimmt das jedoch nicht. Die europäischen Nachbarn der Deutschen stellen das tatkräftig unter Beweis, indem zum Beispiel 26 Prozent aller Spanier in Aktien investieren, während in Polen sogar 29 Prozent investieren. Auch Schweden und Norwegen zählen zu den Ländern mit der höchsten Anlegerquote am regionalen oder internationalen Börsenmarkt. Dagegen bildet Deutschland mit 18 Prozent schon das Schlusslicht - im Endeffekt möchte nicht einmal jeder fünfte Deutsche etwas mit Aktien zu tun haben. Der Grund sind die eingangs beschriebenen Vorurteile gegen Aktien und den Aktienmarkt in seiner Ganzheit. Zudem steckt bei vielen Deutschen die Bankenkrise noch in den Köpfen, welche in direkten Zusammenhang zum Aktienmarkt und seinen Risiken gestellt wird.

Dass der Chef der comdirect Bank mehr Investitionsfreude in Aktien wünscht, ist kaum verwunderlich, schließlich stellt das Trading einen wichtigen Geschäftszweig der eigenen Bank dar. Die Studie lässt jedoch keine Zweifel an dem wirklichen Fokus der Deutschen. Demnach vertrauen 77 Prozent aller Befragten dem klassischen Sparbuch, auch wenn die Verzinsung im Vergleich zu allen anderen Anlagemöglichkeiten nur ausgesprochen gering ausfällt. Zum Vergleich: in Polen vertrauen lediglich 51 Prozent aller Befragten in das Sparbuch. Die Deutschen hingegen schätzen die Langlebigkeit des Sparbuchs und achten dabei weniger auf eine rentable Verzinsung als auf den potentiellen Verlust des eigenen Geldes. Dieser ist bei einem Sparbuch ausgesprochen gering, so wird es zumindest vermarktet, weshalb es häufig auch als Anlagemöglichkeit für die eigenen Kinder genutzt wird.

Einlagensicherung macht den Unterschied

Grund für das Vertrauen der Deutschen ist weiterhin die geltende Einlagensicherung, welche das Guthaben auf einem Sparkonto bei einem möglichen Crash einer Bank absichert. Am Aktienmarkt ist das nicht gegeben. Bricht ein Unternehmen ein, bricht auch der Kurs ein. Dann ist schnell der Totalverlust der Anlage vorprogrammiert, auch wenn die Möglichkeit hoher Kursgewinne bei jeder Aktie besteht. Aus diesem Grund empfehlen Experten auch stets, nie das komplette Vermögen auf lediglich eine Aktie zu investieren. Stattdessen soll ein gesunder Mix akquiriert werden, der eine sichere Rendite beim kleinstmöglichen Risiko erlaubt. Das ist freilich häufig einfacher gesagt als getan, wobei gerade Investitionen in langjährig bestehende Unternehmen durchaus als sicher beziehungsweise stabil betrachtet werden können, während Investitionen in Start-Ups natürlich mit einem höheren Risiko verbunden sind, sich dafür häufig aber auch schon kleinere Investitionen schnell vermehren können.

Laut Experten ist das Sparbuch in jedem Fall keine sonderlich attraktive Anlage für Deutsche, denn die Verzinsung bewegt sich im absoluten Minimalbereich. Das bedeutet im Klartext, dass die jährliche Inflation größer als die Verzinsung ist, weshalb das Geld auf dem Sparbuch konsequent an Wert verliert, auch wenn die eigentliche Zahl leicht ansteigt. Teilweise kann es also durchaus mehr Sinn machen, in Wertpapiere zu investieren, statt hohe Kontostände zu forcieren, die in ihrem reellen Wert jedoch jährlich abfallen.

 
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