Der kulinarische Offenbarungseid
Wenn das Schicksal der Nation an Pressfisch hängt...
Ich muss das loswerden, weil ich nur noch fassungslos bin. Wir diskutieren ernsthaft über eine Staatskrise und soziale Unruhen. Der Auslöser für dieses Drama? Fischstäbchen!Versteht mich nicht falsch: Ich habe als Kind auch Panade vom Blech gekratzt. Aber können wir bitte kurz realisieren, wie lächerlich das ist? Wir reden hier nicht vom Zusammenbruch der Stromversorgung oder Medikamentenmangel. Wir reden von industriell verarbeitetem, zusammengepresstem Weißfisch im Panademantel, den man sich im Halbschlaf fünf Minuten in die Pfanne haut. Ein reines Bequemlichkeitsessen, das mit Kochkunst absolut nichts zu tun hat.Und genau dieses Produkt wird jetzt zum geopolitischen Zündstoff erklärt. Weil die EU den Import von russischem Kabeljau und Alaska-Seelachs verbieten will, herrscht in Berlin Alarmstimmung. Es wird gewarnt, dass dieses kulinarische Armutszeugnis das „Sinnbild des Speiseplans“ ist und die Republik spalten könnte. Die Opposition reibt sich bereits die Hände, um den Frust an der Supermarktkasse in Wählerstimmen umzumünzen.Wenn die Stabilität einer führenden Wirtschaftsnation davon abhängt, ob tiefgefrorene Fischklötze billig im Regal liegen, dann haben wir ganz andere Probleme. Dann sind wir ehrlicherweise komplett am Arsch. Es legt die bittere Wahrheit offen: Erst war es das billige Gas, jetzt ist es das billige Proteinfutter. Dass ein Preissprung beim Fertiggericht existenzielle Ängste auslöst, ist ein struktureller Offenbarungseid.Vielleicht ist diese Krise die perfekte Gelegenheit für einen kollektiven Reality-Check. Es ist und bleibt Realsatire pur. Wer hätte gedacht, dass die Grundfesten unserer Gesellschaft einmal ausgerechnet an der Knusprigkeit eines Fischstäbchens rütteln würden?