Der Buckelwal
Der gestrandete Buckelwal hat es nicht geschafft. Was bleibt, ist stille Trauer um dieses faszinierende Wildtier – und großes Unverständnis über die Art und Weise der Rettung.
Ich will den Wal nicht vermenschlichen. Er war ein mächtiges Wildtier. Aber sein unbändiger Überlebenswille hat mich tief berührt; er war ein großer Kämpfer. Natürlich war es richtig, helfen zu wollen. Aber die Aktion war falsch.
Gegen den Rat von Fachleuten wurde das geschwächte Tier auf einen Lastkahn verfrachtet und tagelang dem Lärm von Schiffsmotoren ausgesetzt. Am Ende wurde er mit Seilen aus dem Kahn gezogen, ins tiefe Wasser geschüttet und entkräftet sich selbst überlassen. Das war keine Hilfe, sondern Quälerei. Man hätte ihm ein Sterben in Frieden und Würde gewähren müssen.
Das Drama zeigt auch die Schwächen der Diskussionskultur im Netz. Sobald sich online eine Blase bildet, zählt nur noch theoretisches Wissen. Wer aus gesundem Menschenverstand heraus Kritik äußert, wird schnell als ahnungslos hingestellt. Aber man braucht kein Diplom, um zu sehen, wenn ein Tier leidet. Mit meinen 68 Jahren weiß ich: Lebenserfahrung und echtes Mitgefühl stehen auf keinem Universitätspapier.
Während sogenannte Experten im Netz Kommentare tippten, ging es oft mehr um die eigene Show als um das Tier. Ich glaube an Tierschutz, der im Stillen stattfindet. Deshalb habe ich gehandelt: Ich habe Spenden überwiesen und Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Echter Tierschutz braucht keine virtuellen Titel, sondern konkrete Taten im Hintergrund.
Dieses freie Lebewesen hatte keine Stimme, um sich gegen den Hochmut der Menschen zu wehren. Es ist unendlich bedauerlich, dass wir ihm nicht einfach seine Würde gelassen haben. Neben der Trauer bleibt ein tiefes Gefühl der Scham über den Umgang mit diesem wunderbaren Geschöpf.
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