Eintrag #69, 09.02.2026, 18:49 Uhr

Briefgeheimnis 2

Genauso könnte auch die Frau ihrem Mann am Morgen den Merkzettel mitgegeben haben und er weiß gar nicht, was sie aufgeschrieben hat. Aber der hat dann heutzutage bestimmt ein Smartphone in der Tasche und kann zu Hause anrufen.

Also kam ich zu dem Entschluß, erst mal nachzuschauen,was auf dem Stück Papier notiert war. Nun werde ich das hier natürlich nicht öffentlich kundtun, denn es unterliegt ja dem Briefgeheimnis. Und das ist, so habe ich nachgelesen, ein Grund-und Menschenrecht, das die Vertraulichkeit schriftlicher Mitteilungen schützt. Mir war es ja zufällig bekannt geworden, weil es offen vor meinen Füßen lag. Und so habe ich dieses Stück Papier nur aufgehoben, damit der Inhalt nicht anderen zugänglich wurde. Gut, ein bißchen Neugierde war auch dabei. Doch ohne den Inhalt weiter zu verbreiten, kann ich sagen, daß mir die vorher aufgeworfenen Fragen durch das Lesen nicht beantwortet wurden. Viel wichtiger war, wie ich dieses Schriftstück jetzt vor irgendwelchen anderen neugierigen Menschen schützen konnte. Und da gab es nur eine Möglichkeit. Es mußte mit mir den Heimweg antreten.

Seit jenem Tag liegt dieser Zettel also bei mir in einer Schublade, vor fremden Blicken sicher. Nur, wenn ich meinen Einkaufszettel anfertige, um zu überlegen was ich vielleicht noch benötige, werfe ich manchmal einen Blick darauf. Davon abgesehen, erzählt er mir bei jedem Blick immer wieder diese kleine Geschichte. Das Leben eines Einkaufzettels. Auch ein Stück von unserem Leben.

Und wenn jemand auf irgendeinem Parkplatz auch mal einen Einkaufszettel findet, dann sollte er ihn aufheben. Vielleicht erzählt er auch etwas von mir. Behaltet es aber bei euch.

Briefgeheimnis.

Hinweis: Da hier nur noch 2000 Zeichen erlaubt sind, und ich nicht bereit bin, meinen Text deshalb zu kürzen, sehe ich mich gezwungen, ihn in zwei Beiträgen (1+2) zu veröffentlichen.

 
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