Eintrag #189, 01.12.2022, 18:05 Uhr

Affenzwangsarbeit in der thailändischen Kokosindustrie - 1

Affen in Thailand noch immer gekidnappt, angekettet und misshandelt

 

Das Rechercheteam besuchte eine „Affenschule“. Deren Besitzer:innen gab zu, Affen zu kaufen, die als Jungtiere mit Netzen gefangen und ihrer Familie und ihrem Zuhause entrissen werden – obwohl das in den meisten Fällen illegal ist.

 

In Freiheit leben Makaken in großen Gruppen mit strengen Hierarchien und engem Sozialgefüge zusammen. In einem der untersuchten Betriebe wurden Jungtiere, die zum Kokosnusspflücken ausgebildet werden sollten, allein in Käfigen gehalten. In einem anderen Betrieb sah das Rechercheteam eine angekettete Äffin, die ebenfalls keinen Kontakt zu Artgenossen hatte. Noch nicht einmal Nahrung und Wasser stand ihr in unmittelbarer Nähe zur Verfügung, genauso wenig wie ausreichend Platz im Schatten.

Angeketteter Affe in einem Kaefig

Während der Ausbildung werden die Affen an einer Kette gehalten, befestigt an einem harten Metallhalsband. Die Trainer:innen setzen auf Angst und Missbrauch, um die Tiere gefügig zu machen. Die Aufnahmen der Recherche zeigen einen Trainer, wie er einen Affen schlägt, ihn am Halsband nach oben zieht, sodass er in der Luft hängt und ihn dann mit dem Anbindestrick schlägt.

 

Ein anderer, völlig verängstigter Affe wurde von einem Jungen ‘trainiert’. Er zerrte an der Kette, die mit dem Hals des Tieres verbunden war, und ließ es mehrfach in der Luft daran baumeln. Der Affe hat dabei vermutlich kaum oder keine Luft bekommen, denn er versuchte immer wieder verzweifelt, nach der Kette zu greifen.

 

Affen mit Bisswunden, Stichen und Knochenbrüchen

Nach Abschluss des Trainings werden die Affen an Kokospflücker verkauft. Ein Mitarbeiter einer Farm sagte PETA Asien, dass die Affen beim Erklimmen der Bäume oft von Ameisen gebissen oder von Hornissen gestochen werden, was tödlich enden kann. Er verriet außerdem, dass sich die Tiere teils Knochenbrüche zuziehen, wenn sie vom Baum fallen oder gewaltsam heruntergerissen werden.

 

Die HelloFresh Group nutzt unter anderem Kokosmilch von Suree und Aroy-D. Zwischenhändler in den Zulieferketten beider Marken räumten den Einsatz von Affen ein. Bei einem Zulieferbetrieb von Suree wurden Affen angekettet inmitten von Müll oder an überschwemmten Stellen gehalten. Sie waren der Witterung beinahe völlig schutzlos ausgeliefert. Ein Arbeiter in Surees Lieferkette sagte dem Rechercheteam, die Affen müssten über 10 Jahre lang Kokosnüsse pflücken, bevor sie „in Rente geschickt“ würden, um dann den 

 

In anderen Fällen wurden die Affen einfach im Wald ausgesetzt. Doch weil sie schon als Jungtiere eingefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet wurden, verfügen sie nicht über die nötigen Fähigkeiten, um in Freiheit zu überleben.

 

Die Lügen der thailändischen Kokosindustrie

Ein Zwischenhändler sagte dem Rechercheteam, dass die Industrie nach den früheren Recherchen von PETA Asien extrem unter Druck stand. Aus allen Teilen der Welt kamen Forderungen nach einem Ende der Affenarbeit. Fast 40.000 Lebensmittelgeschäfte nahmen die große thailändische Kokosmilchfirma Chaokoh und andere Marken, die von Affenleid profitieren, aus dem Sortiment.

 

Doch anstatt daraufhin auf affenfreie Erntemethoden umzusteigen (z. B. durch menschliche Pflücker:innen, maschinelle Methoden oder den Anbau niedrigerer Palmen mit leichter zu erntenden Kokosnüssen), entschieden sich Farmen, Zwischenhändler:innen, Herstellungsfirmen und die thailändische Regierung dafür, die Menschen in die Irre zu führen. Ein Zwischenhändler verriet PETA Asien, dass die im Pflückgeschäft Tätigen schlichtweg lügen würden, da es an Überwachung fehle. So kaufen Zwischenhändler:innen also auch weiterhin von Affen gepflückte Kokosnüsse und verkaufen sie an Unternehmen weiter, die Kokosprodukte herstellen. Die Firmen wiederum und auch die Regierung schmücken sich mit ihrem „Prüfsystem“, obwohl sich dieses im Grunde nur auf die Zusagen der Herstellungsbetriebe verlässt.

 

Unehrlichkeit ist fester Bestandteil der thailändischen Kokosindustrie. Bei thailändischer Kokosmilch lässt sich nie garantieren, dass sie nicht durch Affenarbeit hergestellt wurde – ob sie nun von Chaokoh und Ampol Food (Mutterkonzern: Theppadungporn Coconut Co.), Aroy-D, Cocoburi, Tropicana Oil, Thai Pure, Ampawa, Edward & Sons Trading Co. oder Suree ist. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Unternehmen, die eine solche Garantie geben können. Denn sie verkaufen Produkte aus Kokosnüssen aus der Dominikanischen Republik, Indien, Indonesien, Vietnam, den Philippinen oder anderen Ländern.

 

 

... weiter in Teil 2

 
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