Eintrag #42, 31.01.2007, 23:24 Uhr

31.01.07 Please sing to me a song. Enola alone.

Tag 17.

"Mensch, heute haben die den Magath gefeuert und rat mal wers jetzt macht.Sein Vorgänger, der Ottmar, Mensch, stell dir das mal vor, der Ottmar....."

Ich werde in der Strassenbahn Zeuge eines zu laut vorgetragenen Gesprächs zwischen einem Obdachlosen und einem älteren, betucht aus- und dreinschauendem Herren.
Der Obdachlose hat ein Kofferradio dabei, was unentwegt den Spielstand der aktuellen Bundesligaspiele durchquäkt.
Ich denke an Lara. Und darüber, wie die letzten Tage dieser letzten Woche waren.
Super sei das Radio was er da dabei hätte, die anderen rauschten immer so, aber das hier, das hätte einen klasse Empfang.
"ja, gut, sehr gut," flachst der Betuchte nicht uninterressiert.
Das ist richtig. Es und sie übertönen nämlich die Kopfhörer meines tragbaren Musikabspielgerätes.

Wie siehts da eigentlich mit meinem Lara-Empfang aus?
Das Empfangsrauschen der Zeit schleicht sich ab und an mal über die Sendererrinnerung.
Und ich versuche mich dagegen zu wehren, immer unterschiedlich erfolgreich.
Gestern abend zum Beispiel habe ich, als ich aus dem Fenster gesehen habe, einfach angefangen zu heulen.
Total zusammenhanglos.
Einfach ein Riesenstrom Gefühl und los ging die Flennerei.
Später dann wiederrum habe ich Angst davor, Sie zu vergessen.
Was ist wenn ich eines Tages nicht mehr weinen muss, wenn ich an Sie denke?
Das wäre noch trauriger.
Dann ist Sie zu einer Errinnerung geworden, so wie alle Lebensabschnittspartner vor ihr auch. (das Wort Lebensabschnittspartner gewinnt in meinem Vokabular immer mehr an Bedeutung)

Schlussendlich ist beides Scheisse.
Beides auf die Dauer untragbare Gemütszustände.
Ja, das mit dem Vergessen.
Habe ich vergessen.

"Wie soll denn der Ottmar das machen, er ist ja aber auch selbst schuld, jetzt muss er den Karren von Magath aus dem Dreck ziehen! Da muss man doch einen Plan zurechtlegen, BEVOR die Saison beginnt!
Planen muss man!" Darauf besteht er. Aufs Planen. Der Obdachlose.
Wenn ich ihn mir so ansehe, in seinem kaputten Flanellhemd und den kurzen Hosen, beschleicht mich der Gedanke, das Planen vielleicht doch nicht so gut ist.
Es ist doch so: Heute behauptet man von sich nur gute Musik zu hören (im Moment übrigens neu draussen: Die Oasis Best of "Turn back the clocks".Wobei die nur für KuschelRockHörer die nur Wonderwall kennen interessant ist, denn die besten Sachen der Jungs sind eh auf den Singles und Alben drauf, weiss man ja, hat man ja...)
Und bereits in nicht allzu ferner Zukunft kann man unter Umständen an der CDAbteilungskasse eines viel zu teuren Monopolisteneinkaufshauses stehen und  bereit sein, für irgendeinen Nena-Schrott auch noch Geld zu bezahlen.
"Ja früher, da fand ich sie doof, aber heute, das ist ja so deutsch und intensiv, und die Neue Deutsche Welle,Mensch, das waren noch Zeiten...", würde man sagen, käme ein erstaunt dreinblickender Bekannter vorbei.
Unmerklich hat man dabei schon den den Jargon des Obdachlosen angenommen und da ist es dann wahrscheinlich auch nicht mehr weit bis man selbst verwahrlost in einer Strassenbahn sitzt und von Planung als etwas Unabdingbarem schwadroniert.

Später dann daheim angekommen und wieder besser gefühlt.
So gut, das man sich voll Elan was zu Essen gemacht hat.
Das ging solange gut bis ich das Radio eingeschaltet hab.

"All the world is a stage
And everyone has their part
But how was I to know which way the story'd go
How was I to know you'd break
You'd break my heart

I've always been in love with you
Guess you've always known
You took my love for granted, why oh why
The show is over, say good-bye"

Während Madonna mir das vorsingt denke ich an Lara und daran wie diese Worte aus Ihrem Mund dringen.
Take a bow; Danke, Frau Ritchie, werde ich tun.
Ihnen auch einen schönen Abend.

Fuck.
 
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