2016-04-19 Allebasi - Das Mädchen mit dem Spiegelnamen
Es war einmal ein kleines Mädchen, das hatte seine Eltern früh verloren und wuchs nun bei einer guten alten Frau auf, die sich seiner angenommen hatte. Es fehlte ihm an nichts, denn die freundliche Alte umsorgte das Mädchen sehr.
Dennoch hatte die Kleine einen großen Herzenskummer. Wer ihr den bereitete? Nun - niemand anders als ihr eigener Name. Die alte Frau nannte sie nämlich "Allebasi". Und das kleine Mädchen fand, daß das gar kein richtiger Name sei. Die Kinder, mit denen das kleine Mädchen spielte, waren derselben Meinung und neckten Allebasi oft scherzhaft mit "Baselchen".
Einmal klagte das kleine Mädchen seinen Kummer der alten Frau. Aber die lachte nur:"Allebasi klingt doch recht hübsch, beinahe wie ein Geheimnis." Wie alltäglich sind dagegen all die anderen Namen: Lotte, Gisela, Sabine!" Doch Allebasi hätte gern so einen gewöhnlichen Namen besessen, sie verwünschte alle Geheimnisse und grämte sich weiter darüber, daß sie Allebasi hieß.
Eines Tages saß das kleine Mädchen allein vor dem großen Wandspiegel der alten Frau und kämmte seine Locken. Es sprach zu sich selbst:"Ach, ich sehe eigentlich recht nett aus und könnte wohl mit mir zufrieden sein, wenn ich nur nicht den gräßlichen komischen Namen hätte!"
Da raunte der Spiegel plötzlich:"Du bist ein Dummchen, Allebasi - und dein Kummer macht dich nur noch törichter, sonst hättest du gewiß längst schon entdeckt, was sich hinter dem Namen Allebasi verbirgt."
Das kleine Mädchen war erst sehr erschrocken, als es den Spiegel so reden hörte, denn im allgemeinen sind Spiegel doch stumme Gesellen und der Sprache nicht mächtig. Sie können einem zwar aufzeigen, ob man schön oder häßlich ist, eine Stupsnase oder Sommersprossen hat oder gar eine Warze - aber reden, hm, das ist wohl selbst für den allerbesten Spiegel etwas Ungewöhnliches. Deshalb war Allebasi auch erst nahe daran, einfach davonzulaufen. Schließlich besann sie sich aber doch und fragte zaghaft:" Willst du mir nicht etwas Genaueres erzählen?"
"Gern", antwortete der Spiegel, "denn ich mag dich sehr, weil du ein so nettes, liebes, braves Mädchen bist. Also höre: Allebasi ist gewissermaßen nur dein Spiegelname. In Wirklichkeit heißt du nämlich ganz anders. Meine Herrin, die alte Frau, hat sich mit mir zusammen diesen lustigen Streich ausgedacht." - "Spiegelname? Was bedeutet denn das schon wieder?" fragte Allebasi. Und ihre Stimme klang dabei recht vergnügt, denn für lustigen Streiche war sie immer zu haben. Der Spiegel raunte:"Du bist doch in der Schule recht tüchtig und kannst gut lesen und schreiben, nicht wahr?" Allebasi nickte:"Ja dafür stehen auf meinem Zeugnis zwei Einser!" - "Das will für einen ABC-Schützen schon etwas heißen!" lobte der Spiegel und fuhr fort:"So säume nicht länger und schreibe geschwind in großen Druckbuchstaben den Namen Allebasi, mit dem du so unzufrieden bist, auf einen Zettel." - "Und dann?" forschte Allebasi ungeduldig. "Dann halte den Zettel vor mein Glas. So wirst du kluges kleines Ding schnell das Rätsel lösen!"
Da ließ sich das kleine Mädchen nicht zweimal sagen. Geschwind holte es Papier und Bleistift und tat, wie ihm der Spiegel geheißen. Als es nun seinen Spiegelnamen entzifferte, was gar nicht schwer war, klatschte es vor Freude in die Hände, denn der Name, der ihm auf diese Weise kundgetan worden war, gefiel ihm recht gut.
Wie das kleine Mädchen nun richtig hieß, wollt ihr wissen? Ei, so mir nichts, dir nichts verrate ich das natürlich nicht. Da müsst ihr euch schon ein wenig anstrengen und euch die Mühe machen, wie Allebasi es getan hat. Also schnell Bleistift und Papier zur Hand - Allebasi schreiben - und den Zettel vor einen Spiegel halten. Es ist ganz einfach. Versucht es nur.