Als der erste Frühling zu Ende ging, rief die sanfte Blumenkönigin alle Blumen der Flur zusammen. Es kamen die gelben Schlüsselblumen, die grüngelbgefleckten reinen Schneeglöckchen, die zartgekleideten Krokus, die Vergißmeinnicht mit ihren Fischäuglein, Tulpen, weichduftende Narzissen, bescheidene Veilchen, feurige Lilien und alle anderen schönen Kinder des lieblichen Lenzes.
Da stand die Rose auf und sprach:
"Ehe wir scheiden, will ich einer jeden von euch noch einen Namen geben, damit wir uns rufen und besser unterscheiden können!"
Alsbald stellten sich die Blumen dem Alter nach auf - die älteste zuerst - und die Königin sprach zu ihr:
"Du Gelbe, die du zuerst erschienen, du sollst von nun an immer die erste sein, daher nenne ich dich Primel, o Erstling, und gebe dir den Schlüssel zu meinem ganzen Reiche!"
Darob freute sich die Primel und ist seitdem alle Jahre zuerst gekommen. Aber auch alle anderen Blümelein bekamen recht schöne Namen, und alle waren damit zufrieden und schlüpften in die Erde und schliefen, eingeschläfert von des Sommers Schlummerliedchen, schliefen - bis ins andere Jahr.