2016-03-13 Mann von Schnee von Friedrich Güll
Kommt her und seht!
o weh, o weh!
Wie übel geht´s dem
Mann von Schnee
Schneemann dort am Gartenzaune
hat gar eine üble Laune.
Steht er da voll Trutz und Groll,
Weiß nicht, was er reden soll.
Und die Sonne blinkt und blitzt,
daß er wie ein Kranker schwitzt.
Weil der Himmel ist so blau,
ärgert er sich braun und grau;
weil die Wiesn werden grün,
ärgert er sich schmal und dünn.
Schneemann ist in großer Not,
denn es winkt ihm schon der Tod.
Noch ein Schnapper, noch ein Schnauf,
und er steht nicht wieder auf.
Kommen dann die schwarzen Raben,
seine Leiche zu begraben.
Und Schneeglöckchen will vor Freuden
ihm die Sterbeglocken läuten.
Und die Lerch vor allen Dingen
ihm ein Schlummerliedchen singen.
Aber wo ist er zu finden?
Vorne nicht, und auch nicht hinten.
Freilich, weil ihm ganz zerbrochen
an der Sonne seine Knochen,
weil zu Wasser er zerronnen
an dem Glanz der goldnen Sonnen.
Kommt der Storch dazu geflogen
und die Schwalben hergezogen,
fragen nach dem toten Mann,
niemand von ihm sagen kann.
Wälzt der Storch mit seinem Bein
an den Zaun hin einen Stein;
und die Schwalbe mit dem Schnabel
schreibt darauf die ganze Fabel:
Hier liegt einer, der im Leben
weiter keinen Taug gegeben;
der sich faul und sehr verstockt
lebenslang daher gehockt;
und damit er doch nicht länger
bleiben soll ein Müßiggänger
und ein Griesgram und ein Hasser,
schmolz der Frühling ihn zu Wasser;
und damit will er begießen
all die Blumen auf den Wiesen,
daß sie weiß und gelb und grün
euch zur Lust und Freude blühn.