Eintrag #3, 18.10.2015, 18:17 Uhr

2015-10-18 - Das Schwälbchen von A.Dreyer

Der Sommer ging, der Herst naht leise.

Die Schwalben rüsten sich zur Reise.

Sie sammeln sich schon hier und dort;

bald geht es von der Heimat fort.

 

Ein Schwälbchen will nicht mit den andern.

Es spricht: " Was sollen wir schon wandern?

Ei, Schwestern, seid ihr denn auch klug?

Wir finden Speise noch genug."

 

Es mochte nicht die Warner hören:

" Laß dich vom Scheine nicht betören!

Wenn auch der Himmel freundlich lacht,

der Winter kommt oft über Nacht."-

 

Was halfen all die guten Lehren?

Mein Schwälbchen ließ sich nicht bekehren;

es blieb zurück nun ganz allein

und freute sich im Sonnenschein.

 

Die Freude war von kurzer Dauer;

bald kamen Frost und Regenschauer.

Die Blümlein sanken sterbend hin.-

Nun will die Kluge schnell entflieh´n.

 

Doch matt vor Frost und Hunger eben

kann sie nicht mehr die Schwingen heben;

und ach! beim nächten Morgenrot

fand man das arme Schwälbchen - tot.

 
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