News Lob und Sympathie für Schuhwerfer von Bagdad

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25 April 2006
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[N] Lob und Sympathie für Schuhwerfer von Bagdad

Folgende News wurde am 15.12.2008 um 16:56:06 Uhr veröffentlicht:
Lob und Sympathie für Schuhwerfer von Bagdad
DPA-News

Bagdad (dpa) - Der irakische Journalist, der US-Präsident George W. Bush während seines Abschiedsbesuches in Bagdad mit Schuhen beworfen hat, ist dadurch für einige seiner Landsleute zum Helden geworden. «Wir gratulieren ihm zu seinem mutigen Auftreten», erklärte die regierungskritische irakische Nachrichtenagentur INA am Montag. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten sprach von einem «historischen Moment», in dem Bush und der Weltöffentlichkeit gezeigt worden sei, «was die Iraker von der Besatzung halten». Montasser al-Saidi (28), der für den Fernsehsender Al-Bagdadija arbeitet, hatte während einer Pressekonferenz mit Bush und dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki am Sonntag in Bagdad seine beiden Schuhe nach dem US-Präsidenten geworfen, der den Wurfgeschossen aber geschickt ausgewichen war. Die irakische Organisation für den Schutz von Journalisten erklärte am Montag, es hätten sich 50 Anwälte gemeldet, die Al-Saidi verteidigen wollten. Der Vorsitzende der Organisation, Ibrahim al-Saradschi, sagte aber: «Noch wissen wir nicht, welche Straftat die Regierung Al-Saidi vorwirft. » Die kurdische Journalistengewerkschaft im nordirakischen Erbil kritisierte derweil das «schlechte Benehmen» des Reporters. Der Journalist war nach seiner Schuh-Attacke festgenommen worden. Al-Bagdadija forderte am Montag «im Namen der Demokratie und der Meinungsfreiheit» seine Freilassung. Das irakische Kabinett verlangte von dem Sender, der seinen Sitz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat, eine «offizielle Entschuldigung für den Angriff auf den US- Präsidenten, der unser Gast war». Al-Saidi, war nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak vor zwei Jahren von Unbekannten in Bagdad entführt und nach einer Woche wieder freigelassen worden. Der bekannte irakische Musiker Nasir Schamaa äußerte Verständnis für den Journalisten. Al-Saidi sei offensichtlich von «seiner Wut über die Zerstörung des Irak durch Bush» getrieben worden, sagte Schamaa. In Basra protestierten am Montag mehrere Hundert Anhänger des Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr gegen den Bush-Besuch. Der US-Präsident habe die irakische Regierung vor seinem Besuch nicht um Erlaubnis gebeten, «und damit die Souveränität des Iraks verletzt», erklärte die Demonstranten. In Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City schwenkten Demonstranten bei einer ähnlichen Demonstration Schuhe, um ihre Solidarität mit Al-Saidi zu zeigen. In arabischen Ländern gilt es als besondere Beleidigung, wenn man jemanden mit seinem Schuh schlägt. Nach der US-Invasion von 2003 waren Bilder von Irakern um die Welt gegangen, die Statuen und Bilder des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein mit Schuhen und Schlappen traktierten. Im Nordirak ermordeten Unbekannte in der Nacht zum Montag sieben Mitglieder einer Familie, die der religiösen Minderheit der Jesiden angehört. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, die Mörder hätten im Haus der Familie in Sindschar (Provinz Ninive) drei Frauen und vier Männer erschossen. In Sindschar hatten Selbstmordattentäter im August 2007 unter den Jesiden das fürchterlichste Blutbad angerichtet, das der Irak seit dem Sturz von Saddam erlebt hat. Damals starben an einem Tag mehr als 300 Menschen. Viele Jesiden sind in den vergangenen Jahren vor der religiösen Verfolgung im Irak geflohen, unter anderem nach Deutschland. In der westlichen Anbar-Provinz riss ein Selbstmordattentäter nach Angaben des TV-Senders Al-Arabija neun Polizisten mit in den Tod, als er neben ihrer Patrouille eine Autobombe zündete. Acht weitere Polizisten und zwei irakische Soldaten wurden laut US-Armee verletzt. Das US-Militärkommando teilte weiter mit, am kommenden Mittwoch würden in Bagdad die letzten dänischen Soldaten verabschiedet. Im Süden des Irak wurde ein Massengrab mit den Leichen von 250 Menschen entdeckt. Ein Angehöriger der nationalen Menschenrechtsorganisation sagte Aswat al-Irak am Sonntagabend, etwa 150 Tote aus dem Massengrab nördlich der Stadt Basra seien bislang identifiziert worden. Sie seien in der Saddam-Ära getötet worden.
 
Nach Schuhattacke auf Bush - Al-Saidi erhält Orden

Okay, der Orden kommt zwar aus Libyen und stellst wahrscheinlich nix vor, aber trotzdem hat der Schuhewerfer meinen Respekt. Ich glaube, das war der erste (und wohl auch letzte) positiver Höhepunkt in der Karriere von Bush. Jetzt geht er nicht als Massenmörder in die Geschichtsbücher ein, sondern als der duckende Präsident. :ugly:
 
Respekt für den Schuhwerfer. Ja freilich.

Respekt bekommt man ja recht zügig, fast überall auf der Welt, wenn es darum geht, Stimmung gegen Bush zu machen. Woran das liegen mag? An Bushs verlogener und zynischer Politik? Schon möglich. An der Tatsache, dass einseitige Kritik an den USA und seinem Präsidenten die Probleme unserer Zeit angenehm vereinfacht, sozusagen en vogue ist und darüber hinaus noch das Wohlwollen derer garantiert, die nicht ganz so nachsichtig mit Kritik umgehen? Sicherlich ebenfalls.

Bush kann man mit Hohn und Spott überziehen, zur Gewalt gegen ihn aufrufen und ihn als H****r unserer Zeit diffamieren, das alles bleibt außerhalb Amerikas völlig folgenlos. Ja sogar in den USA wird die Meinungsfreiheit so vorbildlich hochgehalten, dass ausufernde und persönlich verletzte Kritik Gang und Gebe ist. Ganz anders sieht das aus, wenn man sich gegenüber den wahren Despoten unserer Zeit so unbedacht auslässt. Wo im Einflussbereich bestimmter islamistischer Glaubensfaschisten Menschen schon aufgeknüpft werden, wenn sie die Ehe brechen, vergewaltigt werden oder Gott lästern, darf niemand folgenlos mit Schuhen werfen. Nein, nichtmal folgenlos mit Worten oder Flugblätter. Und wenn sich jemand zu vehement gegen Mullah und Co zu Wort meldet, auch im Ausland, ist er schnell ein Ausländerfeind und/oder steht auf der Liste selbsternannter Glaubenshüter, Exil-Dschihadisten und anderer Krimineller.

Der Irak ist in der Tat ein gebeuteltes Land. Keiner kann das Grauen beschreiben, mit dem Saddam Hussein über 1 Mio Menschen durch Giftgas und Killerkommandos gleich dörferweise abschlachtete. Keine Sau juckte das in Europa, genausowenig, wie es Europa interessiert, dass im Sudan arabische Reitermilizen derzeit Völkermord an schwarzafrikanischen Stämmen begehen. Die Saddam-Zeit ist mit den Problemen unter US-Protektorat in keiner Weise gleichzusetzen. Die ethnischen Konflikte im Irak sind auch mitnichten die Schuld Bushs. Kritik an der Vorgehensweise der USA ist zwar trotzdem gerechtfertigt. Rechtfertigt das aber Gewalt gegen Staatsoberhäupter? Klares Nein.

Doch selbst wenn ich es dem irakischen Journalisten, dessen evtl. leidvolle Geschichte ich nicht kenne, nachsehen wollen würde - den jubelnden Islamisten und den in den Jubel einstimmenden, bigotten Europäern kann ich es niemals nachsehen. Die einen feiern die Gewalt gegen Unbewaffnete, die sie zu einem legitimen Mittel ausgerufen haben, ihre politischen Ziele durchzusetzen, während sie gleichzeitig mit derselben das eigene Volk knechten (siehe Gaza, Pakistan, Iran, Syrien, Sudan, etc), die anderen feiern ihre wahrgewordenen Gewaltphantasien aus der Ferne. Ist das die Streitkultur, auf die wir uns in Zukunft einstellen müssen? Auch in Europa? Schreiende, pöbelnde, Sachen werfende, Gewalt androhende und ausübende Horden, die sich vor allem deshalb im Recht sehen, weil sie am lautesten und bedrohlichsten, am radikalsten wirken? Ist es wirklich das, was wir Europäer den Amerikanern voraushaben wollen? Oder vielleicht doch eher das maßvolle und rationale Handeln? Ich erkenne in dem Feiern eines Schuhwurfs auf den amtierenden US-Präsidenten nur eine Bankrotterklärung an die Werte, auf die man sonst immer pocht und eine zynische Verlogenheit, die man sonst immer gerne anderen vorwirft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin nah dran, nur nein "Full ACK" zu posten. Es gibt eigentlich nicht sehr viel hinzuzufügen.

Marty