Blog von freefly
 
Eintrag #3, 30.03.2005, 18:30 Uhr

Sprung #149, Saisonbeginn Gransee, 19.03.2005 Teil 3

Ich nehme mir noch eine Sekunde Zeit, um die Tragfläche anzuvisieren, dann schliesse ich die Augen und springe leicht in diese Richtung. Eine Hand vor dem Bauch, die andere auf dem Rücken. Meine Beine verkreuze ich, sobald sie den Flieger hinter sich gelassen haben. Mein Oberkörper ist bereits ausserhalb des Fliegers und wird vom relativen Wind erfasst. Durch die Absetzgeschwindigkeit ist es unmöglich die Tragfläche zu treffen, aber das hatte ich auch gar nicht vor. Ich beginne mich um die Längsachse zu drehen, wie eine menschliche Schraube und kippe dabei auf den Kopf. Die 5-8 Sekunden dauern ewig und fühlen sich unbeschreiblich an. Ich mache die Augen wieder auf, breite meine Arme in den Luftstrom aus und schliesslich auch die Beine. Ich spüre wie die Erde unbeirrt an mir zu ziehen beginnt. Ich werde schneller und schneller, bin aber stabil auf dem Kopf unterwegs. Ich fang an zu lächeln.
Nach ein paar Sekunden verändere ich meine Haltung und beginne mich leicht zu drehen. Wie an einer Schnur an dessen Ende eine Figur befestigt ist. 360° und zurück.
Dann schaue ich auf den Höhenmesser und lese 2000m ab. Zeit für ein anderes Programm.

Ich lege mich auf dem Bauch, was die Freifallgeschwindigkeit von 280km/h auf 180km/h abbremst und lege meine Arme an die Seite, so das ich wie ein Pfeil durch die Luft schiesse. Im Freifall mache ich die Dropzone schräg unter mir aus und steuere darauf zu. Nach 5 Sekunden nehme ich die Arme wieder nach vorne, in die gewohnte stabile Haltung, aber immer noch auf dem Bauch. Ich mache einen sogenannten Scheingriff zum Auslösegriff für den Hauptschirm, ziehe aber nicht. Ich wollte nach der langen Saisonpause sehen, ob ich immer noch so stabil den Hauptfallschirm aufmachen kann. Ich halte die Öffnungsposition und spüre das ich leicht nach links drehe. Also Gegensteuern und Gefühl merken.
Zurück zur Ausgangsposition, Höhenmesser sagt 1500m und mein akustischer Höhenwarner fängt auch schon an zu piepen - 1. Warnhöhe.
Ich fange wieder von vorne an und liege diesmal stabiler. Die linke Hand leicht über und vor meinem Kopf, die andere berührt wieder den Auslösegriff und umschliesst diesen fest. Ich warte auf den voreingestellten 2. Warnton eine halbe ewigkeit, aber schliesslich kommt auch dieser - 1200m. In dieser Höhe beginne ich erst bewusst zu sehen, dass da etwas schnell näher kommt.
Ich geniesse diesen Rausch noch eine Sekunde, ziehe endlich den Griff aus dem System und lass ihn wie gewohnt los. Währenddessen beobachte ich in ca. 400m  horizontaler Entfernung, dass auch für andere Springer der Freifall durch sicher aufgehende Schirme beendet wird. Meine Öffnung ist angenehm langsam und nach ein paar Sekunden hänge ich in ca. 800m Höhe an meinem geliebten Fallschirm. Gut gepackt!
Ich schaue mich nach anderen Fallschirmen um, die mir gefährlich werden könnten. Weit und breit freie Bahn!

Ich steuere zum Platz und beginne nach ca. 3 min. Schirmfahrt den Endanflug. Nun geht alles schnell, aber ich gebe meinem Schirm noch mal ein dezenten Steuerimpuls auf die vorderen Haupttragegurte. So wird die Landung noch schneller. Ich weiss aber wann damit Schluss sein muss, damit der letzte Teil des Sprungs auch noch spass macht und safe bleibt.
Letztendlich ist die Landung dann doch langsamer als erwartet, auch ok - das schafft Reserven. Meine Füße berühren den Boden und ich sehe wenig später, dass mein Vater ca. 50 m von mir sicher landet. René braucht wieder länger, aber er ist ja auch als fast letzter gesprungen.

Ich warte bis beide Ihre Schirme aufgenommen haben und bei mir sind. Während man uns das Grinsen eigentlich aus dem Gesicht meißeln müßte, geben wir uns "Highfive" und fragen fast gleichzeitig wie der Sprung für den jeweilig anderen denn so war.

Ein schöner erster Sprung für einen Saisonbeginn 2005! Andere werden folgen...
 

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