Blog von Taladius
 
Eintrag #8, 21.05.2005, 03:17 Uhr

Life so far

Samstag morgen, halb 3.
Betrunken hangelt man sich von der Party nach Hause.
Es ist diese gewisse Zeit und diese gewisse Stimmung. Der einzige Zeitpunkt, an dem der Fluss der Gedanken in einen Strom aus Worten mündet, in dem mehr geschieht als das stupide Denken und Vergessen, das Verfassen und Zerfließen von Wahrheit, das Werden und Vergehen des Jetzt.
Kennt ihr Half Baked?
Kennt ihr den "Ich bin nur kreativ, wenn ich kiffe!" - Typ?
Bei mir ist es oft ähnlich.
Zu oft schwirren die Gedanken durch meinen Kopf, schwillen an zu einem tosendem Strom aus Ideen, den mein Bewußtsein in das festgelegte Bett aus Worten zwängt, für die Ewigkeit des Augenblicks zementiert in der festen Absicht, die Wirklichkeit der Idee folgen zu lassen. Doch meist folgt der Bewußtseinsstrom dem Lauf allen Wirklichen, dem ewigen Entstehen und Vergehen ohne Konstanz außer der Veränderung an sich und nichts bleibt übrig außer der schwachen Erinnerung an gefühlter Poesie, schwach erkennbar hinter dem Schleier aus Alkohol, Drogen und verbannten Gefühlen.
Kunst ensteht immer nur aus Schmerz und Schmerz habe ich immer versucht, so weit wie möglich aus meinem Leben zu verbannen.
Jeder versucht das auf seine Art, Verdrängung ist das häufigste Mittel, doch ich kann mich ihrer nur selten bedienen, weil ich mir der Vorgänge zu bewußt bin um sie einfach geschehen zu lassen, der Verdrängung einfach ihren Raum zu lassen und ein glücklicheres Leben zu vollziehen.
Doch allzu häufig bricht es hervor, verlangt sein Recht und bringt sich zum Vorschein wie eine schwarze, erblühende Rose, deren Duft tödliches Gift ist und deren Samen nur die Verzweiflung und die unsterbliche Kunst sind.
Ich war nie in der Lage, meine Gefühle anders auszudrücken als mit geschriebenen Worten, konnte nie zeichnen oder malen, nie Musik kreieren oder Skulpturen schaffen. Für mich gab es immer nur das Wort und seine Magie, das Staunen des Erschaffens eines Sinns, eines Verstehens aus dem Nichts, aus dem bloßen Schreiben abstrakter Symbole, die wir Buchstaben nennen.
Mir wurde gesagt, ich sei gut darin.
Ich möchte hören, ich sei gut darin.
Ich möchte gut darin sein.
Und doch verschmähe ich es, zwinge die Gedanken nicht in feste Worte, die verdreht und interpretiert werden können, hefte sie nur gedanklich in ihre feste Form, die jedoch schon Sekunden später zerfließt und für immer verschwindet im Strudel der Zeit.
Nichts, was großartig ist auf dieser Welt wurde erbracht ohne harte Arbeit, ohne stetiges Üben und Verzweiflen, ohne Ausweichen und Neubeginn, ohne Überarbeitung und stete Verbesserung.
Doch wer gar nicht erst anfängt, weil er Angst vor den Konsequenzen hat, weil er Angst hat vor dem Scheitern, weil er Angst hat vor der Kritik der inneren wie der äußeren Stimmen, der wird ewig unglücklich bleiben, wird nie seine Bestimmung (sofern es sie gibt) erreichen, wird nie PERFEKTION erlangen.
Bin ich bereit für Perfektion?
Bin ich bereit für den schmerzenden Tanz von Versuch, Mißerfolg und Verbesserung?
In Augenblicken wie diesem denke ich es.
Doch diese Augenblicke sind gekennzeichnet von Alkohol und der zwanghaften Fixierung auf das eigene Denken und Handeln.
Ich weiß genau: Morgen früh werde ich leicht beschämt diesen Weblog-Eintrag neu lesen, werde ihn neu bestimmen und bewerten.
Werde mich mir selbst gegenüber rechtfertigen:
Hey, du warst betrunken!
Werde es ertränken in Ablenkung und Fehlgeleitetheit bis zum Erbrechen, bis ich wieder Sprengladungen in Form von Alkohol oder anderer Drogen in die Risse des Damms vor den Worten meiner Selbst stoße, bis ich zulasse, daß der Schutzwall zerfetzt und die Worte und Gedanken befreit werden damit sie auf mich einstürzen wie die Sintflut auf die Sünder, bis ich ertrinke in Gefühlen und Gedanken und das einzige Ventil zur Befreiung das Niederschreiben all dessen ist, was ich in mir trage.
Ein Text wie dieser wird niemals geplant!
Er schreibt sich von alleine! Ein Wort ergibt das andere, ein Gedanke folgt dem nächsten wie Perlen auf einer Schnur ohne das der arme, unbeteiligte Beobachter weiß, was auf ihn zukommt oder was er erwarten kann.
Bei all meinen guten Gedichten hatte ich hinterher immer das Gefühl, daß sie sich selbst geschrieben hatten und ich nur williges Vollstreckungswerkzeug gewesen bin, die notwendige körperliche Ergänzung zur nichtstofflichen Idee.

Ist jemand dort draußen, der versteht?
Der kapiert, was ich sage, der fühlt, was ich schreibe und der sagen kann: JA, du armer Irrer, JA!?
Ich weiß es nicht und eigentlich hoffe ich es auch nicht, denn hoffen ist zu nahe am scheitern und selbst der Erfolg liegt zu nahe bei der Angst, um diese Alternative ernsthaft durchzuspielen.

Ich hoffe jedoch, daß DU es verstehen kannst, DU, die ihr Leben erstmal auf die Reihe bringen will, DU, der ich mich verpfändet habe...
Mein Geist ist leer und ich bin wie das tobende Nichts, die Perfektion und deren Nihilierung.
Die Zeichen vergehen und die Asche meiner Worte verfliegt.
Gut Nacht und bis bald...
 

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