Zahl der gemeldeten Infektionen steigt langsamer

Corona-Abstrichstelle
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Ein Mitarbeiter der Corona-Abstrichstelle Heilbronn führt einen Coronatest durch.

Berlin (dpa) - Die Zahl der registrierten Corona-Infektionen in Deutschland steigt weiter, allerdings nicht mehr so rasch wie zuvor. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen 24 Stunden 18.487 neue Corona-Infektionen, wie aus Zahlen vom Morgen hervorgeht.

Das sind über 1000 Fälle mehr als am Mittwoch vergangener Woche. In der Woche davor lag dieser Sprung noch bei über 2000 Fällen. Zudem ist die sogenannte 7-Tage-Inzidenz nach RKI-Angaben erstmals seit der zweiten Septemberhälfte etwas gesunken. Sie hängt davon ab, wie viele Menschen sich innerhalb einer Woche infizieren. Der R-Wert liegt zwar weiterhin unter 1, aber nicht deutlich genug für eine starke Abschwächung des Infektionsgeschehens.

Im Lagebericht vom Abend schreibt das RKI: «Aktuell ist weiterhin eine große Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten». Daher appelliert es an alle Menschen, auf den Infektionsschutz zu achten. Gleichzeitig sieht das Institut aber einen langsameren Anstieg Infektionen. «Die Zunahme hat sich zuletzt leicht abgeflacht.» Der Anteil älterer Personen unter den Covid-19-Fällen nehme jedoch weiter zu. «Es werden auch wieder vermehrt Covid-19-bedingte Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet.»

Der Berliner Virologe Christian Drosten sagte bereits in der am Dienstag veröffentlichten Folge des «Coronavirus-Update» bei NDR-Info, bei der Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland zeichne sich seit ungefähr einer Woche eine Verlangsamung ab. Die Geschwindigkeit des Zuwachses sei geringer geworden. «Das ist eine wirklich gute Nachricht.»

Diese Entwicklung könne mehrere Ursachen haben. Drosten nannte etwa die Herbstferien oder mögliche Verhaltensänderungen der Menschen angesichts der sich abzeichnenden Lage-Verschlechterung Mitte Oktober. Es könne aber auch sein, dass man derzeit wegen der Überlastung der Labore und der Kontaktnachverfolgung nicht mehr merke, «was in der Bevölkerung los ist».

Aktuelle Entwicklungen der Corona-Zahlen sind laut RKI noch nicht mit den Anfang November in Kraft getretenen neuen Beschränkungen in Verbindung zu bringen. Diese dürften sich frühestens kommende Woche auf die Werte auswirken.

Erstmals seit Ende September sank die Zahl der innerhalb von sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen, wenn auch nur leicht. Berücksichtigt sind dabei nur Fälle, von denen das RKI bereits Kenntnis hatte. Wie aus RKI-Angaben vom Morgen hervorgeht, gab es zuletzt binnen einer Woche 114.881 solcher Nachweise. Der Wert sank demnach im Vergleich zum Vortag um 787. Ob dieser leichte Rückgang auf eine Trendwende bei der Corona-Lage hindeutet, ist allerdings unklar. Bei dem Wert könnte es sich auch um einen Ausreißer handeln.

Seit Ende September war der Wert der wöchentlichen Neuinfektionen rasant gestiegen und hatte sich innerhalb von sechs Wochen fast verzehnfacht. In einem direkten rechnerischen Zusammenhang mit der Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen steht die sogenannte 7-Tage-Inzidenz für Deutschland, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Dieser Wert sank entsprechend von 139,1 auf 138,1 innerhalb eines Tages.

Die Zahl der Corona-Tests ist in etwa gleich geblieben und liegt den beiden vergangenen Wochen bei jeweils 1,57 Millionen. Die Positivenrate ist auf 7,88 Prozent gestiegen. In der Vorwoche lag sie bei 7,26 davor bei 5,51 Prozent.

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwochabend bei 0,89 (Vortag: 0,92). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 89 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. «Da die Zahl der infizierten Personen derzeit in Deutschland sehr hoch ist, bedeutet dies weiterhin eine hohe Zahl von täglichen Neuerkrankungen», schreibt das RKI am Mittwoch. Laut RKI-Vizepräsident Lars Schaade entsteht erst wieder eine kontrollierbare Lage, wenn die Reproduktionszahl längere Zeit deutlich unter 1 liegt, etwa bei 0,7 oder noch niedriger.

Das RKI registrierte seit Beginn der Pandemie insgesamt 705.687 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 11.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Mittwoch um 261 auf insgesamt 11.767. Am Dienstag betrug diese Steigerung 154 Fälle. Der insgesamt höchste Stand war Mitte April mit 315 gemeldeten Todesfällen binnen eines Tages erreicht worden. Das RKI schätzt, dass rund 454.800 Menschen inzwischen genesen sind. Daraus ergeben sich laut RKI aktuell rechnerisch 239.100 aktive registrierte Fälle.

Krankheiten / Gesundheit / Wissenschaft / Corona / RKI / Fallzahlen / Neuinfektionen / Deutschland
11.11.2020 · 21:05 Uhr
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